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Norddeutschland Bauern empört: Trecker-Maut auf Bundesstraßen ab 1. Juli
Nachrichten Norddeutschland Bauern empört: Trecker-Maut auf Bundesstraßen ab 1. Juli
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23:49 26.06.2018
Quelle: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa
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Kiel/Berlin

 Der Bauernverband Schleswig-Holstein fordert eine rasche Änderung des Mautgesetzes und „mindestens eine Kulanzregelung“ für die Erntezeit. Der Bundesrat beschäftigt sich auf Antrag der Länder Nordrhein-Westfalen, Rheinland- Pfalz und Bayern am 6. Juli mit dem Thema. Der Bundestag könnte das Mautgesetz frühestens im Herbst ändern.

Ist das Feld abgeerntet, führt der Weg der Landwirte nicht ausschließlich über Nebenstraßen. Oft müssen Zugmaschinen für mehrere Kilometer zwangsläufig Bundesstraßen nutzen. Doch die werden in wenigen Tagen nicht nur für Lkw über 7,5 Tonnen, sondern auch für Traktoren mit Anhängern mautpflichtig – so weit diese beladen sind. „Es kommen erhebliche Kosten auf die Landwirte zu“, klagt Michael Müller-Ruchholtz, Justiziar beim Bauernverband Schleswig-Holstein. Für jede Fuhre Getreide, Mais oder Zuckerrüben sollen Bauern zahlen. Laut Mautbetreiber Toll Collect sind im ungünstigsten Fall 21,8 Cent pro Kilometer fällig.

Beinahe schlimmer noch sei „der Bürokratie-Wahnsinn, den eine unplausible, willkürliche Regelung nach sich zieht“, empört sich Müller-Ruchholtz. Statt generell alle Trecker mautfrei zu lassen, seien leider nur langsame und steuerbefreite Fahrzeuge ausgenommen und solche, die keinen „geschäftsmäßigen Güterverkehr“ darstellten. „Ist das denn nicht der Fall, wenn ein Bauer Gras in sein Silo fährt, das er später an seine Tiere verfüttert?“, fragt Müller-Ruchholtz. Der Verband könne seinen Mitgliedern darauf bis heute keine klare Antwort geben. Die Neuregelung erschließe sich „keinem normal denkenden Menschen“. Die Landwirte im Norden seien massiv irritiert. Der Bauernverband fordert den Gesetzgeber auf, Transporte vom Feld zum Hof nicht mit dem Gütertransportverkehr gleichzusetzen, und das Mautgesetz entsprechend zu ändern.

Wegen der auf sie zukommenden Kosten reagieren nach Verbandsangaben erste Bauern und lassen ihre „Schnellläufer“ in der Leistung drosseln. „Schnellläufer“ sind Traktoren, die für 60 km/h zugelassen sind. „Landwirte, die sich solche Fahrzeuge angeschafft haben, um den Straßenverkehr nicht aufzuhalten, werden bestraft“, sagt der Vertreter des Bauernverbands.

Das Kieler Kabinett beschäftigt sich mit der Trecker-Maut am 3. Juli. Dem Vernehmen nach will sich Schleswig-Holstein für eine Ausnahmeregelung starkmachen. Die Trecker-Maut ist auch Thema beim Deutschen Bauerntag heute und morgen in Wiesbaden.

Von Curd Tönnemann