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Norddeutschland „Kinder, das stimmt nicht!“ – Bauern warnen vor Kinderbuch
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20:06 22.11.2019
Abbildungen aus dem Kinderbuch „Alles lecker“ aus dem Klett-Kinderbuchverlag. Quelle: Klett Verlag
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Lübeck/Rendsburg

Böse Bauern, gute Bauern: Die Bilder im Kinderbuch „Alles lecker!“ des Klett-Kinderbuchverlags, die konventionelle Landwirtschaft zeigen, sind Grau in Grau. In einem Lkw eingepferchte Kälber auf dem Weg zum Schlachthof. Schweine, die eng aneinandergereiht in Metallboxen stehen. „Kein Tageslicht“, steht daneben.

Die Bio-Schweine auf dem nächsten Bild liegen glücklich im Stroh. „Hersteller von Bio-Lebensmitteln nehmen mehr Rücksicht auf die Natur und die Tiere“, lautet der in Schreibschrift geschriebene Kommentar dazu.

„Machen Sie doch selbst ein Kinderbuch

„Das ist nicht fair.“ Sönke Hauschild, beim Bauernverband Schleswig-Holstein zuständig für Schweinehaltung, ist empört. Er hat die Buchseite, die bereits von anderen Landesverbänden auf Facebook geteilt wurde, mit einem von ihm verfassten Schreiben an den Verlag auf Facebook geteilt.

Auslöser sei die Haltung der Verlegerin und Mitautorin des Buches, Monika Osberghaus gewesen. „Sie möchten offenbar unbedingt mit mir über die Darstellungen in dem Buch diskutieren“, hat sie an die Bauern geschrieben. „Ich aber nicht mit Ihnen.“ Und weiter: „Machen Sie doch einfach selbst ein Kinderbuch, das alles in Ihrem Sinne darstellt.“

Das vom Bauernverband wiedergegebene Schreiben habe sich allerdings nicht an den Verband als solches gerichtet, wendet Osberghaus ein. Es sei die Reaktion auf „herrische, arrogante und freche Mails“ eines einzelnen Mitglieds gewesen. Insofern erwecke die Wiedergabe auf Facebook einen falschen Eindruck.

Ein Buch über das Essen

Das Bilderbuch „Alles lecker!“ mit dem Untertitel „Von Lieblingsspeisen, Ekelessen, Kuchendüften, Erbsenpupsen, Pausenbroten und anderen Köstlichkeiten“ ist 2012 im Leipziger Klett-Kinderbuchverlag erschienen. Autorin Alexandra Maxeiner und Illustratorin Anke Kuhl haben 2011 für ihr ebenfalls gemeinsam gestaltetes Buch „Alles Familie!“ den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten.

Das 40 Seiten starke Buch im Format 22 × 26,7 Zentimeter kostet im Handel 14,00 Euro (ISBN 978-3-95470-057-8) und ist für Kinder ab fünf Jahren empfohlen.

Bilder zeigen Extreme

Sönke Hauschild kann es trotzdem nicht fassen. „Nein! Dass man so auf Kritik reagiert! Was ist das für eine Welt.“ Er führt aus, dass die Abbildungen ein falsches Bild der Wirklichkeit vermitteln. „Selbst in Massentierhaltung stehen die Sauen nur wenige Wochen so in der Box, nämlich wenn sie von einem Eber belegt werden sollen.“

Das Bild des Bio-Hofs zeige ebenfalls ein Extrem: „Einen so großen Stall mit so viel Platz und Zugang zur grünen Wiese haben gar nicht alle Biohöfe“, moniert der Landwirt. Kindern werde so ein falsches Bild vermittelt.

Und der Bildtext „Futter mit Wachstumsmitteln“, der mit einem Pfeil auf die Futterbehälter der Mastschweine aus Massenhaltung weist, sei ebenfalls nicht richtig. „Das ist gar nicht mehr erlaubt“, sagt Hauschild.

Landfrauen: Bauernkinder werden in der Schule gemobbt

„So geht der Klett-Verlag mit der Wahrheit um!“, warnen die Bauern daher in ihrem Facebook-Post. „Kinder, das stimmt nicht! Wir zeigen es euch gern auf unseren Höfen!“ In der Schule würden Bauernkinder nicht selten gemobbt, merkt Helga Thorn vom Landfrauenverein für Lübeck und Umgebung an. „Das wird wirklich mehr.“

Insofern sieht auch sie das Kinderbuch kritisch. „Bauernkinder erleben es, dass ihre Väter von Mitschülern als Mörder bezeichnet werden, weil sie Tiere schlachten würden“, führt Hauschild aus.

Leipziger Verlag denkt über Änderungen nach

Es tue ihr leid, wenn sie so etwas höre, versichert Monika Osberghaus vom Klett-Kinderbuchverlag in Leipzig. Derzeit hat sie ständig mit empörten Anrufern zu tun. „Der Verlag wird stark angegriffen.“ Eine Ferkelzüchterin, die auch Bloggerin sei, habe das Buch jetzt in die Öffentlichkeit gerückt. „Aber das ist ein Problem, das uns alle in der Gesellschaft angeht.“

Was das Buch betreffe, so rufe es nicht zum Mobbing von Bauernkindern auf. „Wir haben es zu dritt gemacht und die erste Auflage ist schon 2012 erschienen.“

Es werde nun geprüft, ob beispielsweise der Hinweis „Futter mit Wachstumsmitteln“ noch der Realität entspreche und gegebenenfalls entfernt werde. „Es ist eigentlich ein Buch über das Essen.“ Die aktuelle Auflage sei – wohl auch der Bauernproteste wegen – inzwischen fast vergriffen. „Die nächste Auflage wird möglicherweise leicht geändert erscheinen.“

Bauern sind verunsichert

„Man sollte die verbliebenen Exemplare besser einstampfen“, ärgert sich Hauschild. Für ihn passt das Buch in die Gesamtsituation der Bauern. „Wir verhalten uns gesetzeskonform und werden dafür beschimpft.“ Die Bauern seien verunsichert.

„Einerseits brauchen die Tiere Luft und Licht – anderseits sagen Wissenschaftler, dass ein klimaneutraler Stall dicht sein muss.“ Die Landwirtschaft entwickele sich. „Wir wollen beteiligt werden am Dialog darüber“, fordert der Landwirt. „Das tut die Politik nämlich nicht.“

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