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Norddeutschland Bayernpartei will Einreiseverbot für Robert Habeck
Nachrichten Norddeutschland Bayernpartei will Einreiseverbot für Robert Habeck
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13:34 29.05.2019
Die Bayernpartei (Europawahl: 0,2 Prozent) will Robert Habeck nicht im Freistaat haben. Quelle: Fabian Sommer/dpa
Peißenberg

Ein grüner Tsunami ist bei der Europawahl übers Land gerollt. Platz 2 für die ehemalige Bürgerschreck-Partei von Grünen-Bundeschef Robert Habeck (49). Kriegt es da manch Schwarzer mit der Angst zu tun? Zwischen München und Garmisch etwa?

Dort will jetzt jedenfalls die Bayernpartei verhindern, dass Habeck in den Kreis Weilheim-Schongau einreisen darf. Deren Vize-Generalsekretärin Regina Schropp (Wahl-Motto: „Auf geht's, pack ma's o!“), hat im Kreistag ein Einreiseverbot gegen den gebürtigen Lübecker beantragt, berichten bayerische Zeitungen. Offiziell begründet es die 45-Jährige mit einem schweren Vergehen Habecks: Er habe sich „wiederholt bayernfeindlich geäußert“. So habe er die Bayern im Landtagswahlkamp 2018 als „Undemokraten“ beschimpft. „Wos wiel derdoan hia?“, schimpft Schropp auch gegenüber den LN.

Einladung zur 100-Jahr-Feier

Okay, das war auch wirklich nicht nett von Habeck. Aber soll er deswegen am 24. Juni wirklich nicht im Festzelt zur 100-Jahr-Feier der Marktgemeinde Peißenberg reden dürfen? Sie hat ihn eigens eingeladen. Festzelte zu füllen traut ihm mittlerweile selbst ein oberbayerisches Festkomitee zu. Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni (Peißenberger Liste) hält Schropps Vorstoß daher auch für einen verspäteten „Faschingsscherz“. Er habe Bayern als sehr weltoffen und gastfreundlich erlebt, sagt auch Habeck selber. Einreiseverbote passten da so gar nicht zu. Schropp beeindruckt das nicht: Solle der Habeck doch „woanders hi gehn, wenn wir hier oalle Undemokraten san“.

„A Zeichen setzen“

Ein wenig hart ist das natürlich schon. Denn mal ehrlich: Welcher Norddeutsche hat noch nie Witze über die Bayern gemacht? Und wir Lübecker verhängen ja auch keine Weihnachtsmarktverbote für grantelnde bayerische Touristen. Mit Habeck drüber reden will sie aber auch nicht, wenn er nach Peißenberg kommt – denn rechtlich gebe es ja keine wirkliche Handhabe dagegen, sagt Schropp. Man müsse aber „mal a Zeichen setzen“.

Die Entwicklung wird man in jedem Fall weiter im Auge behalten müssen. Zwar ist die Bayernpartei im Weilheim-Schongauer Kreistag nur mit zwei Sitzen vertreten. Sollte sie aber in Kürze einen ähnlichen Tsunami entfachen wie die Grünen, könnte es noch ungemütlich für Habeck und andere Bayern-Witze-Erzähler werden. Denn Schropp will sich für ein gänzlich unabhängiges Bayern einsetzen. Ob Habeck dann noch ein Visum bekäme? „Er müsste erstmal eins beantragen“, sagt Schropp.

Wolfram Hammer