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Norddeutschland Belästigungsprozess gegen Detlef H. in Endphase – Plädoyers verzögern sich
Nachrichten Norddeutschland Belästigungsprozess gegen Detlef H. in Endphase – Plädoyers verzögern sich
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10:38 21.09.2019
Seit drei Monaten muss sich der frühere Leiter der Lübecker Außenstelle des Weißen Rings, Detlef H., vor dem Amtsgericht Lübeck verantworten. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Der Lübecker Belästigungsprozess gegen Detlef H., den früheren Leiter der Lübecker Außenstelle der Opferschutzorganisation Weißer Ring, geht in der Endphase. Ihm wird vorgeworfen, ratsuchende Frauen sexuell bedrängt zu haben. Konkret geht es um einen Fall aus dem April 2016. Da soll Detlef H. bei einem Beratungsgespräch mit einer heute 41 Jahre alten Frau sein Geschlechtsteil entblößt und die Frau aufgefordert haben, ihn zu berühren. Der Angeklagte weist die Vorwürfe zurück.

Eigentlich sollte am Montag plädiert werden. Doch nach Angaben von Gerichtssprecherin Corinna Wiggers sind weitere Beweisanträge eingegangen, über die das Gericht am Montag zunächst entscheiden muss. Das Ende des Prozesses werde sich dadurch vermutlich verzögern, sagte sie.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Der Angeklagte – ein gepflegter älter Herr, immer korrekt gekleidet mit Sakko und Krawatte – bestreitet die Vorwürfe vehement. „Ich kann mir die wirklich nicht erklären“, sagt er. Die Nebenklägerin sei ihm durchaus sympathisch gewesen. „Doch es ist das Prinzip des Weißen Rings, allen Hilfesuchenden bestmöglich zu helfen, unabhängig von persönlicher Sympathie oder Antipathie“, sagte er.

Doch das mutmaßliche Opfer, das in dem Prozess auch als Nebenklägerin auftritt, zeichnete in ihren Aussagen ein anderes Bild von H. „Er stand plötzlich links neben meinem Stuhl, öffnete seine Hose und holte seinen Penis heraus“, sagte sie aus. Sie sei schockiert gewesen, sagte 41-Jährige, die zum Zeitpunkt des Vorfalls mit ihrem vierten Kind schwanger war. Anzeige habe sie zunächst nicht erstattet, zumal H. sie noch am selben Abend angerufen und sich entschuldigt habe, sagte sie.

Zeuginnen berichtet von Übergriffen

Auch andere Zeuginnen berichteten im Prozess von Übergriffen des 74-Jährigen ehemaligen Polizeibeamten. „Ich hatte das Gefühl, dass er mich anbaggert“, sagte eine 74-Jährige. Als sie ihn zurückwies, habe er durchblicken lassen, dass man ihr nicht glauben werde, wenn sie ihn anzeigen würde, sagte sie aus. Eine 56-Jährige sagte aus, der 74-Jährige habe ihre Brüste anfassen wollen und versucht, sie gegen ihren Willen zu küssen.

Diese Aussagen zeigten nach Auffassung von Staatsanwältin Magdalena Salska ein Muster. Der Angeklagte habe den Frauen zunächst geholfen und das dadurch entstandene Vertrauensverhältnis dann für seine Übergriffe ausgenutzt, sagte sie.

Gutachten zur Glaubwürdigkeit

Verteidiger Oliver Dedow setzt dagegen auf ein vom Gericht in Auftrag gegebenes Gutachten zur Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin und Nebenklägerin. Eine psychiatrische Sachverständige hatte zumindest nicht ausschließen wollen, dass die Zeugin den Angeklagten bezichtigt habe, um sich gegenüber ihrem Umfeld zu rechtfertigen.

Ursprünglich hatten 29 Frauen H. vorgeworfen, seine Position beim Weißen Ring ausgenutzt und sie belästigt oder bedrängt zu haben. In vier Fällen erhob die Staatsanwaltschaft im September 2018 schließlich Anklage, doch nur eine davon wurde vom Gericht zugelassen. In den übrigen Fällen sah es keinen hinreichenden Tatverdacht.

Von dpa/RND

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