Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Gewalt im Stadion: Minister wollen härtere Strafen
Nachrichten Norddeutschland Gewalt im Stadion: Minister wollen härtere Strafen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:43 29.11.2019
Pyro-Alarm auf der Lübecker Lohmühle: Fans von Werder Bremen haben das Stadion bei einem DFB-Pokalspiel am 31. Oktober eingenebelt. Das Abbrennen von Pyrotechnik soll eine Straftat werden – und womöglich bald schon mit Führerscheinentzug bestraft werden. Quelle: Helge von Schwartz
Lübeck

Wer im Fußballstadion randaliert, muss bald schon damit rechnen, seinen Führerschein zu verlieren. Dafür wollen sich die Innenminister der Länder auf ihrer Konferenz am 5. und 6. Dezember in Lübeck stark machen. Ihre Justizkollegen sollen aufgefordert werden, Wege zu suchen, einen solchen Führerscheinentzug für Sport-Straftäter möglich zu machen.

Randale im Stadion – dann ist der Lappen weg

Bislang können Gerichte gegen die Straftäter allenfalls ein bis zu sechsmonatiges Fahrverbot als Nebenstrafe verhängen. Künftig wäre der Führerschein dann ganz weg, so der Plan der Innenminister. Das geht aus der Beschlussvorlage zur Lübecker Konferenz hervor, die den LN vorliegt.

Der Führerscheinentzug könnte bald auch schon all jene treffen, die in Stadien lediglich Pyrotechnik abbrennen. Denn genau das wollen die Minister absehbar ebenfalls zur Straftat erklären lassen. Bislang begeht, wer etwa Bengalos anzündet, ohne andere damit zu verletzten, juristisch nur eine Ordnungswidrigkeit.

Grote: „Andere Menschen zu gefährden, ist ein Unding“

„Die Gefährdung anderer Menschen in Fußballstadien durch den Einsatz von Pyrotechnik ist ein Unding“, sagt auch Kiels CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote. „Deswegen ist es mir wichtig, dass wir gemeinsam nach Wegen suchen, um diese Gefährdung einzudämmen.“ Ob er selber den Führerscheinentzug für Straftäter befürwortet, lässt Grote allerdings offen. „Welche Maßnahmen konkret dazu am besten geeignet sind, das müssen wir weiter prüfen und abstimmen“, sagt der CDU-Innenminister nur.

Das könnte auch daran liegen, dass eine solche Strafverschärfung selbst innerhalb der Kieler Jamaika-Koalition hoch umstritten ist. Während die CDU damit keine Probleme hat, lehnen FDP und Grüne solche Pläne rundheraus ab. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Vorschlag ernst gemeint ist“, sagt etwa der FDP-Innenpolitiker Jan Marcus Rossa.

Sollten Fans, die unerlaubt Pyrotechnik im Stadion abbrennen, ihre Führerscheine entzogen werden?
Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Sollten Fans, die unerlaubt Pyrotechnik im Stadion abbrennen, ihre Führerscheine entzogen werden?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

FDP und Grüne sind skeptisch: „Ein schräger Ansatz“

Einen Führerscheinentzug gebe es sinnigerweise bei Taten, die im Zusammenhang mit dem Führen eins Kraftfahrzeuges stehen, erklärt der Liberale. „Wie hier eine Verbindung mit Pyrotechnik im Fußballstadion konstruiert werden soll, bleibt völlig schleierhaft.“ Zumal nicht einmal jeder Täter eine Fahrerlaubnis haben müsse. Ganz ähnlich sieht es sein Grüner Kollege Burkhardt Peters. „Das ist ein ziemlich schräger Ansatz“, sagt Peters. „Wie soll das begründet werden? Da waren wir immer skeptisch.“

Der VfB Lübeck will auf Prävention und Dialog setzen

„Ich glaube nicht, dass die Problematik durch Gesetzesänderungen und Strafverschärfungen gelöst werden kann“, sagt auch Thomas Schikorra, Vorstandssprecher vom VfB Lübeck. Man setze auf Prävention und Dialog. In der laufenden Saison habe es daher erst einen Pyro-Zwischenfall unter Beteiligung von VfB-Fans gegeben.

Die Innenminister sehen das anders. Eine Strafverschärfung würde der tatsächlichen Gefährlichkeit der Pyrotechnik gerecht werden, argumentieren sie. Rossa sagt, die Innenminister sollten sich lieber überlegen, wie bekannten Hooligans schon der Zugang zum Stadion verwehrt werden könne. „Es macht doch mehr Sinn, die Sicherheitskontrollen zu erhöhen, damit Störer das Stadion gar nicht erst betreten können“, sagt der Liberale.

Lesen Sie auch:

Demos in Lübeck

Rund um die Innenminister-Konferenz in Lübeck (4. bis 6. Dezember) kann es rund um die Innenstadt zu Verkehrbehinderungen kommen. So müsse laut Polizei während der An- und Abfahrt der Delegationen zu den Veranstaltungsorten mit vorübergehenden Straßensperrungen gerechnet werden. Außerdem sind für den 4. und 5. Dezember bislang fünf Demonstrationen in der Lübecker Innenstadt und im Stadtteil St. Lorenz Nord angemeldet. Hier könne es Verkehrsbehinderungen und Einschränkungen im öffentlichen Personennahverkehr geben, sagte der Sprecher. Die Polizei ist nach eigenen Angaben bemüht, die Beeinträchtigungen für die Bürger so gering wie möglich zu halten und wird an den Veranstaltungstagen fortlaufend informieren.

Von Wolfram Hammer, Jürgen Rönnau

Manche freuen sich über den Tag voller Rabatt-Aktionen, für andere ist das Fest des Konsumrauschs ein rotes Tuch. Wir wollen von Ihnen wissen: Wie stehen Sie dazu?

29.11.2019

Am Mühlentorteller kam es am Nachmittag zu einem Sitzstreik von der Gruppe Extinction Rebellion, die Polizei löste die Blockade auf. Der Verkehr kam für einige Zeit zum Erliegen. Weltweit waren heute wieder Jugendliche für den Klimaschutz auf der Straße.

29.11.2019

In Schleswig-Holstein haben 2018 etwas mehr Menschen als im Vorjahr mit dem Immunschwächevirus HIV gelebt. Etwa 1500 HIV-positive Menschen gab es laut Schätzungen des zuständigen Robert-Koch-Instituts (RKI) 2018 im Norden.

29.11.2019