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Norddeutschland Bessere Mathe-Noten: Kritik an Hamburger Schulbehörde
Nachrichten Norddeutschland Bessere Mathe-Noten: Kritik an Hamburger Schulbehörde
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20:03 05.06.2019
Waren die Mathe-Abiturprüfungen in diesem Jahr zu schwierig? Viele Schüler beklagten sich darüber. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Lübeck

In einem am Mittwoch bekanntgewordenen Schreiben an die Hamburger Schulen heißt es: „Bei der Festlegung von Notenpunkten gilt: 85 Bewertungseinheiten entsprechen jetzt 100 Prozent der zu erbringenden Leistung.“ Damit reichen für 15 Punkte in der schriftlichen Prüfung 81 „Bewertungseinheiten“. Für 10 Punkte müssten die Schüler 59,5 Einheiten absolvieren. So erhielt etwa eine Abiturientin des Emilie-Wüstenfeld-Gymnasiums, die vorher 7 Punkte hatte, in der revidierten Bewertung 9 Punkte.

Höchste Quote von Abbrechern

Hamburg sollte sich mal mit sich selbst beschäftigen und fragen, ob es nicht zu viele Schülerinnen und Schüler zum Abitur zugelassen hat“, kritisiert Walter Tetzloff, Sprecher des Philologenverbandes Schleswig-Holstein. Die Elbmetropole habe die höchste Quote von Studienabbrechern und von Abiturienten, die nicht studieren. Bildungssenator Thies Rabe sei bemüht, die Ansprüche in Hamburg zu steigern, „und ich traue ihm das auch zu“, sagte Tetzloff. Aber die Noten nachträglich zu verbessern erinnere ihn an „Ermäßigungspädagogik“. In Schleswig-Holstein habe sich die Lage vollständig beruhigt, selbst die SPD-Opposition im Landtag sehe keinen Handlungsbedarf, so der Sprecher des Philologenverbandes.

Auf Niveau der Vorjahre

Schleswig-Holstein sieht sich durch den Hamburger Schritt nicht unter Zugzwang und nimmt keine Korrekturen an den Bewertungskriterien der Aufgaben vor. „Es gibt für uns keinen Anlass, etwas zu ändern“, sagte der Sprecher des Kieler Bildungsministeriums, Thomas Schunck. Nach 90 Prozent der Rückmeldungen aus den Schulen lägen die Ergebnisse auf dem Niveau der vergangenen Jahre. In Schleswig-Holstein würden die Mathe-Abiklausuren schon seit Jahren auf erhöhtem Niveau geschrieben.

Schüler starteten Petition

Unmittelbar nach dem schriftlichen Mathe-Abitur hatten sich viele Schüler aus fast allen Bundesländern über die zu schweren Klausuren beschwert. Anfang Mai hatten Proteste gegen angeblich zu schwere Aufgaben beim Abitur in Mathematik auch Schleswig-Holstein erfasst. Schüler starteten eine Online-Petition für ein „Faires Mathe-Abi“.

Schwerere Aufgaben in Hamburg?

Das bestätigt auch Astrid Henke, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Wir haben keine Rückmeldungen von Problemen in Schleswig-Holstein und sehen keinen Anlass, die Noten zu verbessern.“ Vielleicht habe Hamburg bei der Auswahl ja in diesem Jahr schwierigere Aufgaben bekommen, sagt Henke. Die gleiche Vermutung hat Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. „Ich bin mir sicher, dass die Bildungsminister der Länder über dieses Thema reden“, sagte er. Der Abischnitt in Schleswig-Holstein sei „nahezu wie im Vorjahr“.

Keine Änderung in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen schloss der Kultusminister eine Neubewertung der Ergebnisse im Mathematik-Abitur aus. Trotz Schülerkritik sieht Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) zwar weiteren Diskussions- aber keinen akuten Handlungsbedarf. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass die Aufgaben anspruchsvoll, aber lösbar gewesen seien, sagte er in Hannover.

Große Manöverkritik

Zugleich gab Tonne eine Verschlechterung des landesweiten Gesamtschnitts bekannt. Über alle Schulformen und Anforderungsniveaus liege er im Fach Mathematik nach noch vorläufigen Zahlen bei 6,4 Notenpunkten (Vorjahr: 6,8). „Wir haben eine vergleichsweise geringe Verschlechterung: wenn man das auf Noten übertragen möchte, wäre man von einer 3 minus auf eine 4 plus gerutscht“, sagte er. Tonne kündigte im Nachgang eine ausführliche Manöverkritik an. Bei der Kultusministerkonferenz am Donnerstag in Wiesbaden werde das Mathe-Abi ein Thema sein.

Christian Risch

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