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Norddeutschland Die Urne kommt per Paketdienst
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22:14 16.11.2018
DHL wirbt im Internet für seinen Urnen-Paketdienst. In Schleswig-Holstein ist das erlaubt, in Mecklenburg-Vorpommern widerspreche es dem Bestattungsgesetz, kritisiert der Bestatterfachverband. Quelle: Danny Gohlke/dpa
Lübeck/Kiel

 Pastor Bernd Schwarze von St. Petri zu Lübeck erinnert sich noch genau. Vor 20 Jahren, zwei Tage vor seiner ersten Begleitung einer Urnenbeisetzung, schlurfte ein Postbote ins Gemeindebüro, damals in Timmendorfer Strand. Er legte ein Päckchen auf den Tisch, etwas Asche rieselte heraus. „Da habe ich realisiert: Das sind die Überreste der Person, für die ich in zwei Tagen eine Trauerfeier durchführe“, berichtet Schwarze. Da sei ihm erst einmal anders geworden. Er habe nicht gewusst, dass Urnen von Paketdiensten transportiert werden.

Das sei allerdings schon lange gängige Praxis, sagt Franz Helmuth Pohlmann vom Schleswig-Holsteinischen Bestattungsverband. Die Deutsche-Post-Tochter DHL sei weltweit im Urnenversand tätig. Das Logistikunternehmen „Go“ führe den Expressversand über Nacht durch. Auf seiner Internetseite bietet der Paketdienst eine „bruchsichere Spezialkartonage für den Versand der gängigsten Aschekapselgrößen und Zierurnen“ an.

Die Asche liegt im DHL-Transporter neben Kundenbestellungen

Immerhin: Zugestellt wird nur an den Empfänger. „Eine Zustellung an Hausbewohner oder Nachbarn ist ausgeschlossen“, erläutert DHL. Sorgfältig verpackt liegen die Überreste dann neben bestellten Weihnachtsgeschenken, Aktenordnern, neuen Klamotten und sind auf dem Weg zum Friedhof. „Sicherlich ist es schon vorgekommen, dass eine Urne verloren gegangen ist“, sagt Pohlmann. In Schleswig-Holstein aber bisher noch nicht, Verzögerungen könne er jedoch nicht ausschließen. Die Absprachen mit DHL klappten aber in der Regel hervorragend.

Für einen Urnenversand per Post würden sich vor allem diejenigen entscheiden, deren verstorbener Angehöriger in einem Krematorium in größerer Distanz zum Ort der Beisetzung eingeäschert wird. Das könne von Lübeck aus Kiel, München, aber beispielsweise auch das europäische Ausland sein. Angehörige können in so einem Fall bei Bestattern wählen zwischen einem Transport per Post oder dem Abholen mit einem Bestattungswagen. Die allermeisten entscheiden sich für den Paketdienst, sagt Pohlmann. Wenn Bestatter mit Sonderfahrzeugen die Urne abholen, wird es teuer. „Ein gefahrener Kilometer mit einem Bestattungswagen kostet doppelt so viel wie ein Kilometer mit einem Taxi.“

Ist der Paketversand einer Urne würdevoll?

Entspricht der Urnenversand per Paketdienst einer würdevollen Bestattungskultur? Da gehen die Meinungen auseinander. „Nach dem katholischen Verständnis hat jeder Menschen eine personale Würde über den Tod hinaus. Deshalb ist auch seine Asche pietätvoll und mit Respekt zu behandeln. Das bedeutet aus meiner Sicht, dass die Urne begleitet und nicht einfach in den Briefkasten geworfen wird“, sagt etwa Beate Bäumer, Leiterin des katholischen Büros Schleswig-Holstein.

Der evangelisch-lutherische Pastor Bernd Schwarze sei da persönlich nicht sonderlich empfindlich. „Die Asche ist faktisch ein Überrest“, sagt er. Sie habe nur bedingt etwas mit den Erinnerungen an den Menschen zu tun, der die Angehörigen verlassen hat. „Ich kann aber Angehörige verstehen, die sich nicht damit wohlfühlen, wenn die Überreste per Paket verschickt werden.“

Viele Landespolitiker hören zum ersten Mal davon, dass Urnen auf dem Postweg verschickt werden – und sind überrascht. „Dass Urnen per Paketdienst verschickt werden, wird viele von uns verwundern – mich auch. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass eine Urne persönlich überbracht wird oder von einem Bestattungsinstitut abgeholt wird. Möglicherweise haben manche Familien hierfür nicht die finanziellen Möglichkeiten“, sagt Marret Bohn, sozialpolitische Grünen-Sprecherin der Landtagsfraktion.

Bestattungsrecht ist Ländersache

Im Bestattungsgesetz Schleswig-Holsteinsheißt es: „Das Krematorium darf eine Urne erst aushändigen, wenn eine ordnungsgemäße Beisetzung gesichert ist. Die Beisetzung gilt als gesichert, wenn die Urne mit der Asche einem Bestattungsunternehmen übergeben wird.“ Der Versand per Post sei im Einklang mit dem Gesetz, sagt Bestatter Franz Hartmuth Pohlmann. Wer als Angehöriger eine Bescheinigung des Friedhofes beantrage, könne die Urne auch selbst beim Krematorium abholen.

Das ist nicht überall so. Das Bestattungsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern schreibt vor, Urnen und Särge nur in ausschließlich dazu genutzten Fahrzeugen zu transportieren, sagt Torsten Lange, örtlicher Vorsitzender des Bestatterfachverbands. Gesetzesverstöße, zum Beispiel beim Transport der Urnen, seien an der Tagesordnung. Bei einem Verstoß seien auch keine Sanktionen vorgesehen. Der Verband fordert deshalb Gesetzesänderungen, um „rundum pietätvolle Beerdigungen“ zu garantieren.

Wie mit der Urne verfahren wird, sei immer eine persönliche Entscheidung der Angehörigen im Sinne des Verstorbenen und müsse dem gültigen Stand der Rechtsordnung entsprechen“, sagt Anette Röttger, Lübecker Kreisvorsitzende der CDU. Sie persönlich halte vom Urnentransport per DHL nur wenig, das sei kein guter Weg einer Erinnerungskultur.

Bernd Heinemann, SPD-Sprecher für Gesundheitspolitik, betont, bei Beerdigungen gehe es um Gefühle und Erinnerungen. „Gefühle sind keine Ware.“ Man müsse sich genau überlegen, ob es der richtige Weg sei, Urnen von Logistikern transportieren zu lassen. Da es um ethische Fragen gehe, gebe es bei dem Thema auf politischer Ebene keine eindeutige Linie.

Saskia Bücker

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