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Norddeutschland Bienen zum Mieten: Insekten als Geschäftsmodell
Nachrichten Norddeutschland Bienen zum Mieten: Insekten als Geschäftsmodell
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20:10 27.03.2018
Dieter Schimanski entnimmt in seinem Garten eine Wabe aus einem Bienenstock
Dieter Schimanski entnimmt in seinem Garten eine Wabe aus einem Bienenstock Quelle: Fotos: Carmen Jaspersen
Hamburg

Bienen liegen Dieter Schimanski am Herzen. „Ich bin mit Bienen groß geworden“, sagt der Bremer Unternehmer. Wie sein Vater ist Schimanski Hobby-Imker. Doch die Biene ist für ihn auch ein Geschäft.

2015 gründete der Bremer sein Unternehmen Bee-Rent und vermietet Honigbienen an Privatpersonen. 150 Miet-Völker stehen an 70 Standorten in Deutschland verteilt. Aufbau der Kisten, Pflege, Honigernte – Schimanski und sein Team aus zehn Imkern kümmern sich um alles. Den Honig erhalten die Bienen-Mieter später abgefüllt in Gläsern, verziert mit selbst gestalteten Etiketten. Mit seiner Idee will Schimanski das Imkern wieder attraktiver machen.

Die Biene ist aber nicht nur für die Honiggewinnung wichtig. Seit Generationen arbeiten auch Bauern eng mit Imkern zusammen. Die Bienen bestäuben die Feldfrüchte, der Imker bekommt Honig, der Landwirt eine große Ernte. Welche volkswirtschaftlichen Bedeutung die Honigbiene hat, errechneten letztes Jahr Agrarökonomen der Universität Hohenheim. Etwa 1,6 Milliarden Euro pro Jahr hat sie durch die Bestäubungsarbeit eingebracht. Ohne die Bestäubung wären die Erlöse im Anbau im Schnitt um 41 Prozent geringer.

Doch seit einigen Jahren kommt diese Kooperation aus dem Gleichgewicht. Imker finden keinen Nachwuchs oder siedeln sich in der Stadt an. Was bleibt, ist ein Bienen-Engpass auf dem Land. „Die Bienen sind nicht mehr gleichmäßig verteilt“, sagt Otmar Trenk. Der Hamburger will das ändern und gründete 2014 sein Start-Up Bee-Sharing. Auf seiner Internetplattform bietet er Imkern und Landwirten an, sich zu vernetzen. 326 Imker mit fast 7000 Völkern und 84 Bauern mit 1700 Hektar Anbaufläche sind derzeit auf der Plattform registriert.

Auf der Basis von Datenbanken wird jedem Landwirt genau ausgerechnet, wie viele Bienen er für die Bestäubung seiner Fläche benötigt. „Im Durchschnitt sind das 35 Bienenvölker“, sagt Trenk. „Dabei arbeiten wir möglichst regional.“ Imker und Landwirt sind maximal 150 Kilometer auseinander.

Trenk und sein Team setzen allerdings nicht nur auf die Honigbiene. Auch Mauerbiene und Hummel kommen bei dem Start-Up zum Einsatz. „Wir beraten aber auch mit Blick auf die natürliche Wildbestäubung“, sagt Trenk. So empfiehlt er den Obstbauern Blühstreifen und Nisthilfen für Wildbienen zu installieren.

Für diese Maßnahmen spricht sich auch Anke Last, Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Landesverbandes der Imker, aus. Der Miet-Bienen-Idee steht die gelernte Imkerin kritisch gegenüber. „Für die Bienen ist es Stress, wenn sie von A nach B transportiert werden.“ Außerdem sei es ein großer Aufwand für die Imker, sich um einzelne Bienenvölker an verschiedenen Standorten zu kümmern. Last plädiert dafür, die Bienen anders zu unterstützen und ruft jeden einzelnen in die Pflicht: „Wir können viel für die Insekten tun“, sagt Last. Sie empfiehlt schon im eigenen Garten auf Bienenfreundlichkeit zu achten. „Das Problem sind Pestizide, Pflanzen, die nicht blühen, und versiegelte Böden.“

Das Bienensterben

In Deutschland gibt es nur noch 800000 Bienenvölker. Das Bienensterben hat verschiedene Gründe:

Der Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft und Chemikalien in der Luft töten nicht nur Schädlinge, sondern auch Bienen.

Einseitiger Ackerbau ohne Blühpflanzen, Kräuter oder Hecken gestaltet die Nahrungssuche für Bienen immer schwieriger.

Parasiten wie Milben bedrohen ganze Völker, wenn sie einen Bienenstock befallen.

Saskia Hassink