Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Lübeck hat eine neue Brauerei
Nachrichten Norddeutschland Lübeck hat eine neue Brauerei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 14.04.2019
Wie schmeckt das neue Pale Ale? Maximilian Anders testet das Bier in seiner Lübecker Brauerei. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Auf dem fünften Kontinent darf man als Jugendlicher kein Bier kaufen – wohl aber ein Bierbrau-Kit, mit dem man das Getränk selbst herstellen kann. Als 16-Jähriger hat der in Celle (Niedersachsen) geborene Maximilian Anders also zum ersten Mal sein eigenes Bier gebraut, mit Hilfe eines Malzsirup-Extraktes. Jetzt ist er 32 Jahre alt, frischgebackener Vater – und Brauereigründer. „Ich hatte immer den Plan, mein Hobby zum Beruf zu machen“, sagt Anders.

Eine frühere Lagerhalle in der Straße Hinter den Kirschkaten ist die Heimat von Anders Ale, der neuen Lübecker Brauerei, die Anders im September 2018 gegründet hat. Hier, gleich neben dem Tresen, den Tischen und Stühlen stehen die großen Stahlkessel und -tanks, mit denen Anders seine Craft-Beer-Kreationen herstellt. Sie tragen klingende Namen wie „Red Rocket Red Ale“, „James Blond Ale“ oder „Not your grandma’s Cake“. Je nach Biertyp dauert so ein Brauvorgang zwei bis vier Wochen. Bierfreunde können hier durchprobieren, was ihnen am besten schmeckt.

Vieles selbst gemacht

Beim Umbau der ehemaligen Lagerhalle hat Maximilian Anders so viel wie möglich selbst gemacht – den Tresen mit Freunden gezimmert, die Anlage aufgestellt, gestrichen. Er hat sich eine Art Standardbausatz für Brauereien gekauft, ein Drei-Geräte-Sudhaus. Viele andere nötige Dinge kamen dazu. Etiketten müssen entworfen und gedruckt werden – hier hat eine Freundin aus den USA das Grundlogo, den Blumenkranz, entworfen, den Rest macht er selbst, „angefüttert“ mit Ideen seiner Freundin. Auch Flaschen und Verpackungsmaterial muss er ankaufen.

Das alles hat Maximilian Anders mit einem Gründerkredit der KfW und einer kleinen Crowdfunding-Kampagne geschafft. Und er musste Ämter abklappern, denn für eine Brauerei braucht man natürlich eine Konzession. Unterm Strich seien es sehr positive Erfahrungen gewesen, sagt er, sein Vermieter sei sehr hilfsbereit, die Mitarbeiter in den Behörden auch. Direkt ein Sudhaus zu kaufen, sei nicht der typische Weg zur eigenen Brauerei. „Viele brauen Bier in einer Lohnbrauerei, aber das kam für mich nicht in Frage“, sagt Anders. „Ich wollte eine Brauerei, zu der man gehen kann.“

Brauen, Abfüllen, Etikettieren und Testen – alles passiert in der Halle von Anders Ale in Lübeck

Freundin arbeitet mit

Nach dem Studium der Mikrobiologie und Biotechnologie in den USA, in Berlin und Hamburg machte er im vergangenen Jahr seine Doktorarbeit in Biochemie. In Hamburg beim Studium lernte er seine Freundin Alexandra Hoschke (30) kennen, mittlerweile sind sie verlobt und haben einen dreieinhalb Monate alten Sohn namens Franz. Alexandra arbeitet bei einem Windenergieunternehmen in Hamburg.

Jetzt, im Mutterschutz, kümmert sie sich um den Internet-Auftritt von Anders Ale in sozialen Netzwerken und um Büroarbeit. „Ich konnte meine Kollegen in Hamburg zuletzt immer aus der Brauerei grüßen“, sagt sie und lacht. Beide sind nach Lübeck gezogen, „weil es hier familienfreundlich ist“ – außerdem sei man hier neben „Brauberger“ in der Altstadt die einzige Brauerei. Die Zeiten, als Lück Pils noch in Lübeck hergestellt wurde, sind lange vorbei.

Konzept: Viele Sorten ausprobieren

Im Moment hilft Shanti Ricke (30) als Praktikant in der Brauerei. Ihn kennt Anders aus dem Studium. Eine seiner Aufgaben: ein Labor einrichten, um Hefen zu vermehren, für die Qualitätskontrolle und um neue Geschmacksrichtungen auszuprobieren. „Alle Rezepturen stammen von mir“, sagt Anders. Demnächst will er ein Gurken-Ale ausprobieren, „das ist leicht und sehr erfrischend im Sommer“. Sein Konzept sei, viele Sorten zu testen. Was guten Anklang finde, könne er weiterbrauen, bei anderen Sorten könne er es bei einem Versuch belassen. „Bier kann mehr als nur Pils“, sagt er.

Marketing über Social Media

Das Marketing für die Brauerei läuft vor allem über soziale Medien – und übers Klinkenputzen. „Ich gehe von Supermarkt zu Supermarkt und von einer Gastronomie zur anderen, um von unserem Bier zu erzählen“, sagt Anders.In fünf Lübecker Gaststätten gebe es bereits Anders Ale, auch einige Supermärkte hätten es in ihr Sortiment aufgenommen. „Der Craft Beer Store in der Hüxstraße war der erste, der unser Bier vertrieben hat“, erzählt Anders. Das Bier gibt es nicht nur in den 0,33-Liter-Flaschen, sondern auch in Fässern mit 18 Litern oder 30 Litern.

Der Plan: Grillen im Hof

Am 29. September 2018 feierte Anders Ale Eröffnung. Bis Weihnachten war gut zu tun, dann gab’s erst einmal eine kleine Absatzflaute. Der Absatz von Bier sei stark wetterabhängig. „Aber jetzt im Frühling geht es wieder richtig los“, sagt er. Donnerstags und Freitags von 17 bis 20 Uhr bietet Anders Ale „Feierabendbier“ in der Brauereihalle an. Wenn es draußen wärmer ist, kann er sich auch vorstellen, im Hof zu grillen. „Jeder kann sich dann sein eigenes Grillgut mitbringen“ – und dazu gibt’s frisch gezapftes Bier.

Christian Risch

Nach einer körperlichen Auseinandersetzung mit einem Bekannten stirbt ein 59-jähriger Kieler am Sonnabend in seiner Wohnung in der Muhliusstraße. Der mutmaßliche Täter stellt sich später der Polizei.

14.04.2019

Im Tarifstreit mit dem Bodenpersonal hat der Flughafen Hamburg die Gewerkschaft Verdi vor einem unangekündigten Warnstreik in der Osterzeit gewarnt. Davon wären vor allem Urlauber betroffen, sagte Flughafensprecherin Katja Bromm am Sonntag.

14.04.2019

Aufregung an der Rendsburger Landstraße in Kiel: Am späten Sonnabend wurde das SEK zu einem Einsatz gerufen. Ein psychisch kranker Mann hatte sich in seiner Wohnung verschanzt und mit einem Schwert hantiert.

14.04.2019