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Norddeutschland Erntehelfer fehlen: Wird der Anbau von Spargel und Erdbeeren zurückgefahren?
Nachrichten Norddeutschland Erntehelfer fehlen: Wird der Anbau von Spargel und Erdbeeren zurückgefahren?
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19:24 17.05.2019
Bei der Spargelernte sind die Landwirte auch in Schleswig-Holstein auf Helfer aus dem Ausland angewiesen. Quelle: Jens Büttner/dpa
Bruchsal/Rendsburg

Erntehelfer dringend gesucht! Für das mühsame Stechen per Hand lassen sich kaum noch Arbeitskräfte auftreiben. „Die Lage ist dieses Jahr denkbar schlecht“, sagte Miriam Adel vom Spargel-Erzeugerverband Franken. Viele Erntehelfer seien erst kurz vor Saisonbeginn gefunden geworden. Eine Entwicklung, die sich schon länger abzeichnet: „In den letzten fünf Jahren wurde es immer schwieriger, Erntehelfer zu bekommen“. Vor allem die Zahl der Arbeiter aus Polen sind stark rückläufig. „Bis vor zehn Jahren waren fast ausschließlich Polen im bayerischen Spargelanbau beschäftigt. Heute sind sie fast eine Seltenheit.“

Hof Mougin braucht 350 Erntehelfer

Den Erdbeer-Bauern geht es nicht besser. „Wir haben aktuell genügend Leute auf der Liste“, berichtet Friederike Mougin, Betriebsleiterin des Hof Mougin in Grömitz (Kreis Ostholstein). Es bleibe aber abzuwarten, ob sie tatsächlich alle kommen. „Dafür gibt es keine Garantie.“ Erst vor zwei Jahren waren die Erntehelfer nicht in der Menge angereist wie geplant. „Dann kriegen wir die Früchte nicht vom Feld. Und das kostet Geld.“ Auf dem Hof werden auf 110 Hektar Fläche Erdbeeren angebaut. „Zum Pflücken brauchen wir in der Spitze 350 Erntehelfer“, sagt Friederike Mougin. Die meisten werden aus Rumänien und der Ukraine erwartet, nur ein kleiner Teil kommt noch aus Polen.

Bis zu 20 Prozent Saisonkräfte fehlen

In Schleswig-Holstein sind nach Auskunft des Bauernverbandes etwa 10 000 Erntehelfer im Einsatz. „Aber 15 bis 20 Prozent an Saisonarbeitskräften fehlen“, betont Stephan Gersteuer, Generalsekretär des Bauernverbandes. „Da werden die Betriebe sich anpassen müssen.“ Gersteuer rechnet damit, dass die Anbaufläche der arbeitsintensiven Sonderkulturen sinken wird. Betroffen sind im nördlichsten Bundesland also vor allem Spargel und Erdbeeren, aber auch der Kohl, der vor allem in Dithmarschen kultiviert wird. „Wenn man nicht sicher sein kann, dass man die Ernte auch vermarkten kann, muss man die Fläche reduzieren“, sagt Friederike Mougin.

Großes Arbeitsangebot für Osteuropäer

„Das Thema Arbeitskräfte wird die Landwirtschaft die nächsten Jahre ganz massiv begleiten. Es wird eine der größten Herausforderungen werden, wie wir unsere Ente eingebracht kriegen“, sagt der Geschäftsführer der Bruchsaler Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden (OGA), Hans Lehar. Osteuropäer können inzwischen aus einem großen Arbeitsangebot wählen, darunter auch Tätigkeiten mit besserer Bezahlung, körperlich leichtere Arbeiten oder Branchen, die ganzjährig Arbeit bieten. Viele Herkunftsländer bieten immer mehr eigene Arbeitsplätze, in Rumänien etwa die Autozulieferindustrie.

Auch der Mindestlohn bereitet Probleme

Ein Riesenproblem sei auch der Mindestlohn, meint Lehar. Die Lohnkostensteigerungen seien bei den Erlösen nicht kompensiert worden. „Wir bekommen nicht 40 oder 50 Prozent höhere Preise am Markt.“ Das gehe voll zu Lasten der Betriebe. Man dürfe nicht vergessen, dass bei Konkurrenten in Portugal oder Spanien der Mindestlohn deutlich niedriger sei. „Da haben wir eine riesige Verzerrung des Wettbewerbs“, kritisierte der Geschäftsführer. Er geht davon aus, dass sich die Anbaufläche in Deutschland in den kommenden Jahren wegen der beiden Faktoren, Mangel an Erntehelfern und Mindestlohn, um etwa ein Drittel reduzieren wird.

Mit ausländischen Arbeitsverwaltungen im Gespräch

Die Bundesagentur für Arbeit steht im Kontakt mit anderen Ländern, um mehr Saisonarbeitskräfte zu gewinnen. „Anfang 2019 haben erste konkrete bilaterale Gespräche mit den ausländischen Arbeitsverwaltungen für entsprechende Vereinbarungen begonnen“, sagt eine Sprecherin. Dafür müssten aber viele Fragen geklärt werden. Das brauche Zeit.

Schleswig-Holsteins Spargelbauern zufrieden

Nach einem außergewöhnlich frühen Start in die Spargelsaison bleiben die großen Erntemengen jetzt aus. Grund dafür sind die kalten Tage im April und Mai. „Vor allem die tiefen Nachttemperaturen haben dazu geführt, dass sich die Dämme wieder abgekühlt haben“, erklärt Daniela Rixen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Dadurch wächst Spargel langsamer. Dennoch sind die Spargelbauern zufrieden – das geringere Angebot bei guter Nachfrage sorgt für stabile Preise.

Die Spargelsaison endet traditionell am Johannistag, dem 24. Juni. Den Rest des Sommers braucht die Pflanze, um Kraft zu sammeln für die folgende Saison. Im nördlichsten Bundesland ernten in diesem Jahr rund 50 Betriebe Spargel auf insgesamt 450 Hektar Fläche.

Julia Paulat

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