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Norddeutschland An der Lübecker Bucht droht Blaualgen-Alarm
Nachrichten Norddeutschland An der Lübecker Bucht droht Blaualgen-Alarm
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20:34 24.07.2019
Blaualgen in der Ostsee: Die Bakterienart vermehrt sich bei der Wärme massenhaft. Die Teppiche drohen vom Ostwind an die Küste Schleswig-Holsteins getrieben zu werden. Quelle: Bundespolizei
Lübeck

Der Sommer ist endlich da. Die Blaualgen sind es leider auch. In der zentralen Ostsee blühten die ersten Teppiche auf. Mit dem Ostwind ziehen sie jetzt auf die Küsten Mecklenburgs-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins zu.

Land ruft Badeorte in der Lübecker Bucht zur Wachsamkeit auf

Blaualgen in der Ostsee – die aktuelle Lage. Quelle: Jochen Wenzel

Die Lage müsse vor Ort, in den Badeorten, genau beobachtet werden. Sollte es ein Massenvorkommen von Blaualgen geben, müsse wegen der Giftigkeit der Algen umsichtig gehandelt werden, heißt es aus dem Umweltministerium. Sprich: Es müsste wohl zu Badeverboten kommen. Bislang gibt es im Norden nur eines, im Binnenland, am Bordesholmer See. Dort musste eine Badestelle bereits wegen einer Blaualgen-Blüte geschlossen werden.

Schluss mit Badespaß: Blaualgen können die Haut reizen und beim Verschlucken bei Mensch und Tier zu Vergiftungen führen. Am Bordesholmer See herrscht bereits ein Badeverbot, außerdem an vier Seen in Niedersachsen (Foto). Außerdem treibt ein riesiger Blaualgen-Teppich in der Ostsee auf die Küsten Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins zu. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Satellitenbilder verrieten den Beginn der Algenblüte

Aus dem Weltraum wurden die riesigen Algenteppiche zuerst entdeckt. Aufnahmen von Satelliten zeigten am Dienstag große Blaualgen-Felder vor Finnland, aber auch vor der Küste Dänemarks und Schwedens. Dokumentiert ist das zum Beispiel auf den Seiten des Schwedischen Meteorologischen und Hydrografischen Instituts. Wegen der Wassertemperaturen von über 18 Grad und der ruhigen Wetterlage könnten sich die Algen an der Wasseroberfläche anreichern, heißt es vom nicht minder alarmierten Landesumweltamt Mecklenburg-Vorpommerns in Güstrow. „Erste Badegäste melden uns Blaualgen auch schon in Küstennähe, am Rand der Badebereiche“, sagt die Sprecherin des Schweriner Landwirtschaftsministeriums, Eva Klaußner-Ziebarth.

Hautreizungen, Durchfall, Erbrechen

Ein Badeverbot für die Ostsee-Strände droht nicht ohne Grund. Blaualgen sondern Giftstoffe ab. In geringer Konzentration, in der sie normalerweise im Badewasser vorkommen, ist das ungefährlich. In hoher Konzentration aber reizen die Giftstoffe die Haut von Badenden enorm, führen zu Ausschlägen und können, wenn belastetes Wasser geschluckt wird, auch Durchfall und Erbrechen auslösen – und sogar zu Atemnot führen. Das gelte auch für Tiere, zum Beispiel für Hunde, die am Strand oder an den Seen toben.

Blaualgen-Lage kann sich stündlich ändern

Blaualgen sind eine Form der Cyanobakterien, die im Wasser zu einer grünlichen oder blau-grünlichen Färbung führen. Sie gehören zu den ältesten Lebensformen überhaupt und können die Richtung des Lichteinfalls wahrnehmen. Sie sind in geringer Konzentration immer im Badewasser enthalten und dann ungefährlich. Bei hohen Temperaturen kann es aber zu einer massenhaften Vermehrung kommen.

Regelrechte Blaualgenteppiche gebe es direkt an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns derzeit zwar noch nicht, sagt Dr. Martina Littmann vom Landesgesundheitsamt in Rostock. Die Konzentration der Cyanobakterien im Badegewässer sei jedoch „sehr wind- und wetterabhängig, innerhalb weniger Stunden kann sich die Situation verändern“.

„Unter windarmen Wetterbedingungen reichern sich die fädigen Blaualgen mit der Zeit kontinuierlich unter und an der Wasseroberfläche an“, heißt es auch im Algenreport des Kieler Umweltministeriums. Strömungen könnten eine Verdriftung in die Uferbereiche verursachen. „Diese Prozesse können rasch und innerhalb weniger Tage ablaufen“, warnen die Experten.

Das Wetter begünstigt die Algenblüte derweil absehbar weiter. Seitdem die Temperaturen gestiegen sind, herrscht über der Ostsee Wind aus Ost und Nordost vor. Und das soll nach Aussage der Meteorologen auch mindestens noch die ganze Woche hindurch anhalten. Dass es an einigen Tagen fast windstill sein wird, ist dabei nur ein schwacher Trost. Zwar kommt der Algenteppich dann nur langsam in Richtung Küste voran. „Bei Windstille vermehren sich die Blaualgen aber umso stärker“, sagt auch Dr. Barbara Hentzsch, Sprecherin des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde.

Ein unangenehmes, aber natürliches Sommerphänomen

Im Grunde genommen handle es sich dabei aber um ein typisches Sommerphänomen in der Ostsee, sagt die Warnemünder Wissenschaftlerin. Kühlten sich die Temperaturen wieder ab und werde es windiger, sinke die Algenbelastung des Wassers auch schnell wieder. Bis dahin können derart große Algenteppiche aber zu Sauerstoffmangel im Meer führen, beziehungsweise ihn verstärken. Damit aber könne auch den Fischbeständen großer Schaden zugefügt werden.

Wolfram Hammer

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