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Norddeutschland Bürgermeister Tschentscher: Der Mann der Zahlen
Nachrichten Norddeutschland Bürgermeister Tschentscher: Der Mann der Zahlen
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22:30 23.01.2020
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) steht im Rathaus. Am 23. Februar wird in der Hansestadt eine neue Bürgerschaft gewählt. Quelle: Axel Heimken/dpa
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Hamburg

Er ist Mediziner, großer Udo-Lindenberg-Fan und drückt dem HSV die Daumen: Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher. „Peter wer?“ fragten viele Hamburger noch, als der heute 54-Jährige im Frühjahr 2018 überraschend auf den Chefposten im Hamburger Rathaus kam. Dabei war er zuvor sieben Jahre lang Finanzsenator. Doch mit seiner hanseatisch nüchternen und sachlichen Art hatte „der Mann der Zahlen“ bislang nicht im Rampenlicht gestanden. Tschentscher arbeitete mit großem Einsatz daran, bekannter zu werden. In unzähligen Gesprächen suchte er den Dialog mit den Bürgern. „Er ist in diesen eineinhalb Jahren vollwertig in die Rolle des Bürgermeisters hineingewachsen“, sagte der Hamburger Parteienforscher Elmar Wiesendahl der Deutschen Presse-Agentur.

In seiner Freizeit liest Tschentscher bevorzugt Krimis.

Der gebürtige Bremer Tschentscher wuchs mit drei Brüdern im niedersächsischen Oldenburg auf. Er studierte an der Universität Hamburg, wurde promovierter Labormediziner. Seit 1998 ist Tschentscher verheiratet, sein Sohn ist inzwischen erwachsen. In seiner Freizeit liest Tschentscher bevorzugt Krimis. Bereits 1989 wurde Tschentscher SPD-Mitglied. 1991 zog er erstmals in die Bezirksversammlung von Hamburg-Nord ein. 2011 gab er seinen Beruf am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) auf und trat in den Senat ein. Tschentscher gilt als sehr fleißig.

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Bei seiner Wahl 2018 fehlten ihm zwei rot-grüne Stimmen

Schon früh interessierte er sich für Politik: „Ich habe mich schon als Schüler politisch engagiert, habe gegen Atomkraft demonstriert, gegen Berufsverbote, gegen nukleare Hochrüstung“, berichtete Tschentscher den Elb-Genossen bei seiner Wahl zum Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl im Februar. 99 Prozent Zustimmung erhielt der Politiker bei dem Parteitag zur Aufstellung der Landesliste – ein Zeichen der Geschlossenheit. Bei seiner Wahl in der Bürgerschaft 2018 hatte er einen Dämpfer hinnehmen müssen, denn mindestens zwei Politiker aus den Regierungsfraktionen von SPD und Grünen stimmten nicht für ihn.

Tschentscher sei uneitel, zurückhaltend und provoziere auch nicht, sagte Politik-Experte Wiesendahl, früherer Professor der Universität der Bundeswehr. „Sein Politikstil ist anders als der seines Vorgängers Olaf ScholzTschentscher sucht die Kooperation, versucht Konsenslösungen mit den beteiligten Gruppen und Kräften herbeizuführen.“

CDU-Fraktionschef: Tschentscher tritt zu emotionslos auf

Oppositionspolitiker kritisieren, Tschentscher verlege sich auch als Regierungschef auf das Verwalten. Es fehlten Impulse für die Stadt, er sei zu unauffällig. Zudem vermisse man zu bestimmten Diskussionen ein klares Wort direkt vom Bürgermeister. „Für eine pulsierende Millionenmetropole wie Hamburg tritt Tschentscher zu emotionslos auf, manche sagen zu trocken“, kritisierte CDU-Fraktionschef André Trepoll.

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Von fet/dpa