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Norddeutschland Wolfsabschuss: Nabu hält neue Regeln für Unsinn
Nachrichten Norddeutschland Wolfsabschuss: Nabu hält neue Regeln für Unsinn
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12:21 23.05.2019
Wölfe, die Tiere gerissen haben, dürfen jetzt einfacher abgeschossen werden. Quelle: Swen Pförtner/dpa
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Lübeck

Wenn ein „ernster Schaden“ droht, dürfen Wölfe in Zukunft geschossen werden: Das sieht die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes vor, die das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat. Den Abschuss muss dabei immer eine Landesbehörde genehmigen. Jäger und Schafzüchter in Schleswig-Holstein begrüßen die Änderung, sehen aber viele Probleme weiterhin ungelöst.

Kompromiss zweier Ministerinnen

Die Gesetzesänderung soll den Schutz des Wolfes und das Interesse von Nutztierhaltern in Einklang bringen. Sie ist ein Kompromiss zwischen Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), nachdem die Zahl der gerissenen Tiere, vor allem Schafe, zuletzt stark gestiegen war – vor allem auch in Schleswig-Holstein.

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Nabu spricht von Unsinn

„Wir halten das für völligen Unsinn. Das wird den Schäfern nicht helfen“, sagt Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) Schleswig-Holstein. Eigentlich hätte man die Naturschutz-Regelungen präzisieren müssen, stattdessen präsentiere die Regierung eine Scheinlösung. „Wer definiert, was ein ernster Schaden ist? Das bleibt völlig unklar“, sagt Ludwichowski. Das Ziel, eine Koexistenz von Wölfen und Schafhaltern, werde so nicht erreicht.

Problem an der Westküste

„Das ist ein Schritt nach vorne, aber noch nicht so weit, wie wir uns das wünschen“, sagt Karl-Henning Hinz, Vorsitzender des Landesverbandes der Schaf- und Ziegenzüchter in Schleswig-Holstein. Die Entnahme von Wölfen sei mit der Gesetzänderung nicht genau geregelt. „Nach unserer Meinung müsste jeder Revierjäger die Möglichkeit haben, Problemwölfe zu schießen“, sagt Hinz. In Schleswig-Holstein gibt es etwa 1100 Schafhalter mit insgesamt etwa 250 000 Tieren, 70 Prozent davon an den Deichen der Westküste und der Elbe.

Jäger fordern geschützte Zonen

Auch der Deutsche Jagdverband spricht von einem „kleinen Schritt“ in die richtige Richtung. „Eine echte Lösung ist das aber nicht. Was wir nach wie vor vermissen, ist ein Handlungskonzept“, sagt Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbandes. Wenn das Zusammenleben von Nutztieren und Wölfen gelingen soll, brauche man geschützte Areale. „Wir müssen verhindern, dass Wölfe an Deichen heimisch werden“, sagt Reinwald. Auch Städte oder alpines Gelände müssten frei von Wölfen bleiben.

Bauernverband sieht das Land am Zug

„Der Bund hat etwas getan, jetzt muss auch das Land etwas tun“, sagt Hans-Heinrich von Maydell, Geschäftsführer des Bauernverbandes Schleswig-Holstein. „Was wir brauchen, ist ein Wolfsmanagement für das Land. Wir brauchen dabei auch wolfsfreie Gebiete“, so von Maydell. Er denkt dabei insbesondere an die Deichgebiete an der Nordsee, wo viele Schafe weiden. „Wir fordern auch, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Wir wollen die Verantwortung in die Hände der Jäger legen, die eng mit den Landwirten zusammenarbeiten.“

 Albrecht: Schutzstatus bleibt

„Es ist gut, dass die Bundesregierung sich beim Umgang mit dem Wolf nicht länger hinter den Ländern versteckt. Diese könnten künftig Abschussgenehmigungen unmittelbarer aus dem Bundesrecht herleiten, statt dieses im Lichte der EU-Richtlinie auszulegen“, sagt der Kieler Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Gleichzeitig müsse aber auch klar sein, „dass der Schutzstatus des Wolfs nicht zur Debatte steht“ und Deutschland seinen Pflichten aus dem EU-Recht beim Artenschutz nachkommt.

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Christian Risch

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