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Norddeutschland Campingplatz-Betreiber filmte in Neustadt Urlauber auf der Toilette
Nachrichten Norddeutschland Campingplatz-Betreiber filmte in Neustadt Urlauber auf der Toilette
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12:06 05.08.2019
Die Toilette eines Campingplatzes im Kreis Ostholstein ist über Monate per Kamera überwacht worden. (Symbolbild) Quelle: Soeren Strache/dpa
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Neustadt-Rettin

Die Polizei war durch die Strafanzeige eines Urlaubers auf den Fall aufmerksam geworden. Nach einem Bericht der Kieler Nachrichten hatte der Feriengast beim Benutzen der Toiletten auf dem Campingplatz die sogenannten Dome-Kameras an der Decke entdeckt. Die Ermittler schalteten das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) ein, das die WC-Anlagen Mitte Juli untersuchte.

Landesdatenschützer fassungslos

Die Inspektoren waren fassungslos. „Die Personen waren erkennbar, teilweise hatten die Kameras einen unverstellten Blick auf den Intimbereich“, bestätigt Landesdatenschützerin Marit Hansen Informationen der Kieler Nachrichten. „Es konnte bis in die Toilettenkabinen hinein gefilmt werden, auch die Nutzung der Pissoirs der Herrentoiletten war deutlich erkennbar.“

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Bilder auf externen Datenträgern gespeichert

Die Aufnahmen der Kameras wurden in Echtzeit auf zwei Monitore übertragen, die von Mitarbeitern der Anlage am Empfang angesehen werden konnten. „Auch Laufkundschaft hätte die Aufnahmen sehen können“, sagt die ULD-Chefin. Auf den Aufnahmen sei deutlich zu erkennen gewesen, dass die Betroffenen von der Überwachung nicht das Geringste ahnten. Die Bilder der Kameras wurden von dem Betreiber der Anlage auf externen Datenträgern gespeichert. Die vier Mitarbeiter des ULD fanden Aufnahmen, die mindestens eine Woche alt waren.

Campingplatzbetreiber beklagt Vandalismus

Der Betreiber verteidigte gegenüber den Kieler Nachrichten seine Aktion: „Es hat in der Vergangenheit große Probleme durch Vandalismus und Verschmutzung in den WC-Anlagen gegeben.“ Immer wieder seien Seifenspender abgerissen oder Spiegel demoliert, Toiletten-Kabinen und Wände vorsätzlich verschmutzt worden. Dies habe er abstellen wollen. Mehr wollte er zu dem Fall angesichts des laufenden Verfahrens nicht sagen.

Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet

Für Polizei und ULD gibt es keine zwei Meinungen: „In Intimzonen wie Toiletten, Duschen, Saunabereichen und Umkleidekabinen ist eine Videoüberwachung unzulässig“, sagt Hansen. Ihre Behörde hat angeordnet, die Kameras umgehend zu entfernen und sämtliche Videoaufnahmen zu löschen. Andernfalls drohe dem Campingplatz-Betreiber ein Zwangsgeld von mehreren hundert Euro. Die illegale Überwachung könnte auch ein strafrechtliches Nachspiel haben: Das ULD hat die Staatsanwaltschaft Lübeck eingeschaltet.

Anmerkung der Redaktion: In Rettin gibt es mehrere Campingplätze. Christian Kluvetasch, Geschäftsführer des „Campingplatzes Rettin“, legt Wert auf die Feststellung, dass sein Betrieb nicht betroffen ist. „Auf dem ,Campingplatz Rettin’ gibt und gab es keine Videoüberwachung“, sagt Kluvetasch.

Bastian Modrow