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Norddeutschland Circus-Krone-Chef im Interview: „Meine Löwen küssen nur, wenn sie wollen“
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15:52 24.08.2019
Gastspiel in Bad Segeberg: Martin Lacey Jr. vom Circus Krone schmust mit dem Löwen „Baluga“, der vor acht Jahren in Kiel zur Welt kam. Quelle: 54° / Felix König
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Bad Segeberg

Wer Tiere nicht kennt, kann sie nicht schützen und würdigen, sagen die Chefs des Circus Krone, Jana Mandana Lacey-Krone (40) und Martin Lacey jr. (42). Im LN-Interview reden sie offen über strenge Tierschutzregeln, die Chefrolle bei der Arbeit mit Löwen und Pferden und über Theater im Zirkus.

Ihre Elefanten sind in Spanien und treten derzeit nicht im Zirkus auf. Die beiden ältesten sind dort schon in Rente. Kehren die drei anderen ins Programm zurück? Immerhin ist der Elefant Ihr Wappentier?

Jana Lacey-Krone:Vielleicht. Der Elefant bleibt das Wappentier, auch wenn er nicht dabei ist. Wenn wir das Gefühl haben, ihnen geht es dort besser, bleiben sie in Spanien, in einem Gelände bei Sevilla.

Viele Menschen sind der Ansicht, Tiere haben es in einem Zirkus nicht gut. Was sagen Sie denen?

Martin Lacey:Tiere im Zirkus, das ist heutzutage ein so heißes Thema. Wir finden, der beste Weg ist, offen zu sein. Jeder, der uns bei der Arbeit sieht, erkennt, dass wir unsere Tiere lieben. Viele, die ein Foto von einem Tier in schlechtem Zustand sehen, denken, so ergeht es allen Tieren.

Also gibt es durchaus Zirkustiere, denen es schlecht geht?

Unseren Tieren geht es sehr gut. Aber ich kann nicht meine Hand für alle anderen Zirkusbetreiber ins Feuer legen.

Es gibt Proteste der Tierschutzorganisation Peta gegen Tiere im Zirkus. Wie gehen Sie damit um?

Das deutsche Publikum ist sehr tierlieb. Aber nicht alle Tierfreunde kennen sich aus. Wichtig ist, was Experten sagen: Circus Krone beschäftigt Wissenschaftler und Tierärzte, um zu klären, ob es den Tieren gutgeht. Wir haben einen großen Stresstest gemacht, wie unsere Löwen und Pferde die lange Fahrt von Monte Carlo nach München überstehen. Unsere Tiere haben keine stereotypischen Verhaltensweisen, die eine Folge schlechter Käfighaltung sein können.

Sprechen Sie auch mit Peta?

Es gibt Tierrechtler und Tierschützer. Petas Ideologie ist, dass Menschen überhaupt keine Tiere halten sollen, auch keine Hauskatzen, gar nichts. Wer auf so einem Standpunkt beharrt, für den habe ich keine Zeit. Aber wer sich um das Wohl der Tiere Sorgen macht und Interesse dafür hat, wie wir mit unseren Tieren umgehen, für den habe ich alle Zeit der Welt. Diese Offenheit ist unsere einzige Chance.

Interview mit den Chefs vom Circus Krone: Martin Lacey jr. (42) und Jana Mandana Lacey-Krone (40) im Gespräch mit LN-Redakteur Lars Fetköter. Quelle: Lars Fetköter

Aber Sie nutzen Tiere als Unterhaltung für Menschen. Verletzt das nicht die Würde der Tiere?

Jana Lacey-Krone:Überhaupt nicht. Wir zeigen, wie schön die Tiere sind, wie begabt sie sind. Was man nicht kennt, kann man nicht schützen und nicht würdigen. Unsere Tiere dienen nicht der Belustigung. Sie sind unsere Partner.

Die Ukraine plant das Verbot von Tieren im Zirkus. Fürchten Sie so etwas auch in Deutschland?

Martin Lacey: In Deutschland gibt es strenge Vorschriften für den Tierschutz. Das ist gut geregelt. Die Amtstierärzte haben uns immer grünes Licht gegeben. Ich bin ein großer Tierschützer. Die Tiere sind unsere Familie. Ich weine, wenn ein Löwe stirbt, ich bin glücklich, wenn einer geboren wird.

Bildergalerie: So war die Premiere in Bad Segeberg

Mit der neuen Show „Mandana – Circuskunst neu geträumt“ geht es vier Jahre auf Tournee

Können Sie sich den Circus Krone ohne Tiere vorstellen?

Ja. Aber an ein Verbot für Zirkustiere in Deutschland glaube ich nicht. Seit über 100 Jahren ist für Circus Krone das Wichtigste die hohe Qualität. Und der Anspruch, unser Publikum nicht zu enttäuschen. Wir sind im Gespräch mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) über den richtigen Umgang mit Zirkustieren. Wir könnten auch mit strengeren Regeln leben: dass es ein Winterquartier geben muss, dass es die Zusammenarbeit mit einer Tierklinik geben muss. Es kann nicht sein, dass ein Zirkus zum Beispiel mit einem Lama in der Fußgängerzone betteln geht. Diese Zeit ist vorbei.

Was müssen Ihre Tiere denn in der Manege tun?

Bei mir springen keine Löwen durch einen Feuerreifen, sie machen natürliche Bewegungen. Ein guter Tierlehrer bricht seine Tiere nicht, er baut ihren Charakter auf. Jedes Tier ist anders. Wenn ein Löwe nicht so gerne springt, muss er das nicht. Bei mir gibt es Löwen, die springen, Löwen, die gern schmusen und küssen – und Löwen, die nicht küssen wollen. Und das müssen die auch nicht tun.

Sie haben für Ihre Raubkatzennummer im Februar den Golden Clown in Monte Carlo verliehen bekommen, den Oscar der Zirkusbranche. Anders als in früheren Jahren hat die ARD das aber nicht übertragen. Schmerzt Sie das?

Das macht mich sehr traurig. Auch „Stars in der Manege“ wird nicht mehr gezeigt. Schade.

Wie können sich Menschen bei Ihnen informieren?

Wir müssen offen sein: Von 10 bis 13 Uhr lassen wir alle Neugierigen in den Zirkus und zeigen ihnen alles, was sie sehen wollen. Das ist am Premierentag sogar kostenlos. Wir machen auch öffentliche Proben.

Was ist das Wichtigste für die Arbeit mit den Tieren?

Viel Zeit. Geduld. Und Belohnung. Die Tiere dürfen keine Angst haben, sie müssen Vertrauen zu dir aufbauen. Das kann zwei Jahre dauern.

Welches Verhältnis haben Sie zu ihren Raubkatzen? Sind Sie dort das Oberhaupt?

Wenn Sie das Oberhaupt sein wollen bei den Löwen, dann müssen Sie jeden Tag kämpfen. Ich bin nicht der Chef im Rudel, ich bin eigentlich der beste Freund vom Chef. Ich bin ein komischer Löwe für die Löwen, ich bin immer dabei – und ein komischer Tiger für die Tiger. Ich bin akzeptiert. Und ich weiß genau, welchen von meinen Löwen und Tigern es gerade gut geht und welchen nicht – weil ich sie kenne, so wie Sie Ihre Kinder kennen.

Stimmt es, dass Sie selbst im Gehege in die Ecke pinkeln?

Wer hat Ihnen das erzählt? (Lacht.) Ja, das stimmt. Im Außengehege. Ein Löwe markiert so. Die wissen dann Bescheid: Das ist der komische Löwe Martin, der hat nichts zu tun mit meiner Löwenfrau, der ist dabei, aber kein Rivale.

Der Löwe „Baluga“ ist ein Schleswig-Holsteiner, nicht wahr?

Ja, der ist vor acht Jahren in Kiel geboren worden. Alle unsere Löwen sind im Circus Krone zur Welt gekommen. Jetzt haben die Weibchen einen Chip.

Zur Geburtenkontrolle?

Ja. Wir brauchen nicht so viele Löwen. Aber vor zwei Jahren hat es trotz des Chips Nachwuchs gegeben...

Was unterscheidet die Arbeit mit Pferden von der mit Raubkatzen?

Jana Lacey-Krone: Ein Pferd ist ein Herden- und Fluchttier. Die Löwen sind standhafter und verteidigen ihr Territorium, sie sind nicht so schreckhaft. Unsere Pferde werden ja nicht alle geritten, sie müssen sich auch allein formieren, man nennt das Freiheitsdressur. Wie im menschlichen Formationstanz. Das braucht mehr Zeit im Training als bei den Löwen. Wenn die Raubkatzen sich an die Manege und die Musik gewöhnt haben, ist es mit ihnen leichter. Wir haben aber bei uns den Luxus, dass wir uns jahrelang Zeit lassen können mit dem Training. Die bleiben bis zu 25 Jahren dabei – weil sie so schonend trainiert werden.

Sie sind aber die Chefin der Pferde, oder?

Ja, das stimmt. Aber ich bin auch ein Freund der Schwächeren. Die spüren, dass ich sie vor den Leithengsten beschützen kann.

Sind Sie zu nett zu ihren Tieren?

Ja, viel zu nett. Ich lass immer alles durchgehen. Ich habe immer für alles Verständnis.

Also sind Sie nicht so streng wie mit ihrem 11.jährigen Sohn?

Nee, mit ihm bin ich schon strenger.

Warum nehmen Sie so viel Aufwand beim Tiertraining in Kauf, wenn es trotzdem immer wieder Proteste gibt?

Martin Lacey: Wir sind Tiermenschen. Ich bin kein Clown, ich bin kein Akrobat. Ich liebe die Tiere und die Arbeit mit ihnen. Wenn es irgendetwas gibt, dass wir für die Tiere verbessern können, dann machen wir das.

Roncalli hat Tiere vollständig aus seinen Vorstellungen verbannt. Sind Sie neidisch auf deren Erfolg und darauf, dass es dort keine Proteste von Tierschützern gibt?

Martin Lacey:Neidisch nicht. Aber ich verstehe Roncalli-Chef Bernhard Paul vollkommen. Er ist ein Künstler. Warum soll er mit den Tierrechtlern kämpfen, all diese Protest-Mails bekommen? Und er spart sich die Wahnsinnskosten für eine korrekte Haltung und Pflege der Zirkustiere.

Ihr neues Programm heißt im Untertitel „Circuskunst neu geträumt“: Legen Sie wie Roncalli mehr Wert auf Poesie?

Jana Lacey-Krone: Wir haben auch früher schon Geschichten erzählt. Aber wir wollten diesmal eine Story aus einem Guss erzählen, alle Szenen miteinander verschränken und nicht immer: Teppich rein, Teppich raus. Es ist jetzt mehr wie Zirkus und Theater zusammen.

Mit weniger Glamour und Glitzer als früher?

Ja, schon. Weniger Strass und Pailletten. Aber mit einem starken Akzent auf einer eindrucksvollen Beleuchtung.

Ihr Programm heißt wie Ihr zweiter Vorname: Mandana, und es ist die Liebesgeschichte zwischen einer Pferdeprinzessin und einem Löwenprinz. Ist es das erste Mal, dass Sie eine so persönliche Geschichte erzählen?

Ja, auf jeden Fall. Wir hatten zum Beispiel mal ein „Carmen“-Programm, darauf waren alle Kostüme abgestimmt und die Rollen entwickelt. Aber jetzt ist es zum ersten Mal unsere eigene Geschichte.

Wie ist die Idee entstanden?

Im Gespräch mit dem Choreografen Bence Vàgi. Der hat uns gefragt, wie wir uns kennengelernt haben. Bei einem Probenbesuch kam die Idee auf, diese absurde Geschichte zwischen Löwe und Pferd zu erzählen. Er wollte auch den Kontakt und die Beziehung zwischen uns und unseren Tieren für die Vorstellung herausarbeiten. Um mehr Emotion zu zeigen. Das wir zwei als Tiermenschen auftreten, passt zur über hundertjährigen Geschichte von Krone: Carl Krone, Frieda Sembach-Krone, Christel Sembach-Krone – das waren alles Tiermenschen.

Und was hat das mit Ihrer Beziehung zu tun?

Ich könnte nie mit einem Mann zusammenleben, der nicht mein Verhältnis zu den Pferden versteht. Und umgekehrt ergeht es Martin bei mir.

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