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Norddeutschland Bei Bankfusion könnten im Norden viele Stellen wegfallen
Nachrichten Norddeutschland Bei Bankfusion könnten im Norden viele Stellen wegfallen
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20:19 18.03.2019
Die Deutsche Bank (l.) und der Commerzbank in Frankfurt. Nicht nur die Zentralen liegen nah zusammen – auch zahlreiche Filialen in Städten wie in Lübeck und Kiel. Quelle: dpa
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Lübeck.

Die Ankündigung der Deutschen Bank und der Commerzbank, über einen Zusammenschluss zu verhandeln, sorgt bundesweit für Unruhe und Ängsten bei den Mitarbeitern beider Institute. Gewerkschafter befürchten auch in Schleswig-Holstein einen massiven Stellenabbau und Filialschließungen, wenn es zu einer Fusion komme. Die Commerzbank hat nach eigenen Angaben 41 Standorte mit etwa 360 Mitarbeitern in Schleswig-Holstein, die Deutsche Bank spricht von 28 Standorten mit etwa 400 Mitarbeitern.

Auch Kunden würden Fusion spüren

„Das kann nur auf einen Arbeitsplatzabbau hinauslaufen“, sagt Frank Schischefsky, Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Schleswig-Holstein. „Wir lehnen diese Pläne ab, sie sind völlig unsinnig. Beide Institute haben so viele ungelöste Fragen und Probleme, das kann nicht gut gehen.“

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Nicht nur Mitarbeiter, auch die Kunden beider Banken würden die Fusion deutlich zu spüren bekommen, sagt Michael Herte, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Es würde auf jeden Fall zu einem Wegfall physischer Präsenz vor Ort kommen“, sagt er voraus. Jede Fusion habe die vielbeschworenen Synergieeffekte zur Folge, „demnach würden Filialen geschlossen oder verbunden“, erklärt Herte.

Beide Banken an vielen Orten gemeinsam

Noch seien ihre Gespräche ganz am Anfang, betonen beide Banken. Über die genauen Folgen kann man nur spekulieren. Doch es liegt auf der Hand, dass gerade nahe beieinander liegende Filialen der Institute zusammengeschlossen werden könnten. In Lübeck wie auch in Kiel liegen die Zentralen beider Institute in unmittelbarer Nähe zueinander. In Lübeck und Travemünde hat die Deutsche Bank insgesamt sieben Filialen, die Commerzbank fünf. Auch in Bad Oldesloe, Bad Schwartau, Mölln, Reinbek, Geesthacht und Ahrensburg sind beide Banken vertreten. In Hamburg wären noch deutlich mehr Mitarbeiter betroffen: Dort hat die Deutsche Bank 1250 Mitarbeiter in 19 Filialen, die Commerzbank 2500 Mitarbeiter in 50 Filialen.

Stellenabbau bei HSH Nordbank

„Für den Bankenstandort Schleswig-Holstein kann der Arbeitsplatzabbau bedrohliche Ausmaße annehmen“, erklärt Tobias Marx, Verdi-Sekretär im Fachbereich Finanzdienstleistungen. Denn auch der massive Stellenabbau bei der früheren landeseigenen HSH Nordbank, jetzt Hamburg Commercial Bank, sei noch nicht zu Ende. Von einstmals 2100 HSH-Mitarbeitern seien aktuell nur noch 700 in Kiel verblieben, und viele von ihnen bangten weiterhin um ihren Job, so Marx.

Sollte es zur Fusion kommen, wünscht sich Verbraucherschützer Herte, „dass die neu geschaffene Bank dann eine große Digitalstrategie mit einfachen digitale Bezahlsystemen und einer einheitlichen Sicherungsinfrastruktur erarbeitet“.

Christian Risch