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Norddeutschland Die Debatte startet: Kommt 2G bald auch in Schleswig-Holstein?
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Corona: Kommt 2G bald auch in Schleswig-Holstein?

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08:00 07.11.2021
Eintritt nur noch für Geimpfte und Genesene? In Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gilt das in vielen Lokalen bereits.
Eintritt nur noch für Geimpfte und Genesene? In Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gilt das in vielen Lokalen bereits. Quelle: Martin Schutt/dpa
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Kiel

Die Coronazahlen steigen. Die vierte Welle rollt. Auch in Schleswig-Holstein fordert jetzt ein erster Regierungspolitiker die 2G-Regel. In Restaurants oder Veranstaltungen sollen dann nur noch Geimpfte und Genesene eingelassen werden, fordert der CDU-Landtagsabgeordnete und Gesundheitspolitiker Hans-Hinrich Neve.

Bislang gilt im Norden die 3G-Regelung. Das heißt, dass generell auch frisch Getestete Einlass bekommen. Allerdings würden viele Veranstalter davon aus Sicherheitsgründen ohnehin schon abweichen, sagt Neve. So seien unlängst etwa die Karten für eine Studentenfete der FH Kiel nur an Geimpfte oder Genesene verkauft worden.

Neve setzt auf mehr Druck zur Impfung

„Die Frage, ob man auf 2G umstellen müsste, ist aus meiner Sicht auch durchaus berechtigt“, sagt Neve. Es sei ein Instrument zum Gesundheitsschutz. 2G erhöhe zudem den Druck auf Ungeimpfte, sich eben doch noch impfen zu lassen. „Und das ist sinnvoll, denn es dient dem Schutz aller.“

Der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Hinrich Neve fordert die 2-G-Regelung in Schleswig-Holstein. Quelle: Lutz Roessler

In Hamburg hat der Senat die 2G-Regel bereits im Sommer eingeführt. Das heißt: Nur in den Geschäften, Kinos, Discos oder Lokalen, die sich für 2G entscheiden, entfallen Masken- und Abstandspflicht, Gäste-Obergrenzen und Sperrstunden. Es müssen nur Kontaktdaten erhoben werden. Wer in Hamburg weiter nach der 3G-Regel Kunden und Gäste einlässt, muss weiter mit den Corona-Beschränkungen leben.

Jamaika in Kiel will an der 3G-Regelung festhalten

Auch Niedersachsen verfährt so. Mecklenburg-Vorpommern ging Mitte Oktober ebenfalls zu dieser Regelung über. Nur Supermärkte, Drogerien und Apotheken müssen hier wie dort weiter auch Kunden bedienen, die nur einen aktuellen Testnachweis vorlegen.

Die Jamaika-Landesregierung in Kiel lehnt das 2G-Modell hingegen weiter ab. Im Norden fallen Masken- und Abstandspflichten auch für 3G-Veranstaltungen weg. CDU-Ministerpräsident Daniel Günther erklärte erst kürzlich, dass es aktuell keine Notwendigkeit gebe, davon abzurücken.

Zum 15. November kommt eine neue Verordnung

„In der aktuellen Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes sind für bestimmte Bereiche 3G-Regelungen vorgesehen. 2G-Regelungen gibt es in der aktuellen Verordnung nicht und sind nicht geplant“, sagt auch Hannah Beyer, die Sprecherin des Kieler FDP-Gesundheitsministeriums – am 15. November muss die Landesregierung eine neue Verordnung in Kraft setzen, weil die alte bis dahin befristet ist.

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Das liegt auch ganz auf der Linie der FDP-Landtagsfraktion. „Schleswig-Holstein hat mit dem 3G-Modell für diese schwierige Phase der Pandemie ein gut funktionierendes Konzept für das öffentliche Leben“, sagt Fraktionschef Christopher Vogt. „Ich sehe da aktuell keinen Änderungsbedarf.“ 2G grenze zudem nicht geimpfte Menschen aus. Treffen würden ins Private verlegt. Statt 2G sollten die Coronatests für die Bürger wieder kostenfrei werden.

Auch die Grünen bringen 2G ins Spiel

„Schleswig-Holstein hat sich aus guten Gründen für 3G entschieden. Wir wollen Menschen nicht grundsätzlich von Aktivitäten des öffentlichen Lebens ausschließen“, sagt auch die Grünen-Gesundheitspolitikerin Marret Bohn. Man müsse 2G allerdings in Erwägung ziehen, wenn die Zahl der Infektionen steige und vor allem die Situation in den Krankenhäusern kritisch werde.

Tatsächlich hatte Daniel Günther im September von einer „Ampel“ gesprochen, nach der sich die Landesregierung richte und nach der, wenn sie auf Rot springe, auch in Schleswig-Holstein eine 2G-Options-Regelung möglich wäre.

Kiels Corona-Ampel steht auf Gelb

Derzeit stehe die Ampel auf Gelb, sagte Günther. Einen bestimmten Schwellenwert, ab wann welche Stufe gilt, gebe es allerdings nicht. Die Inzidenz sei nur noch ein Warnwert. Im Fokus stünde die Situation in den Krankenhäusern.

„In Schleswig-Holstein sind keine starren Grenz- oder Schwellenwerte und daran anknüpfende Automatismen für bestimmte Maßnahmen vorgesehen“, sagt auch Ministeriumssprecherin Hannah Beyer. Die Lage werde stattdessen anhand verschiedener Indikatoren fortlaufend bewertet. Dazu zählten beispielsweise die Belegung der Kliniken und Intensivbetten mit Covid-19-Patienten, die Inzidenzen bei den Neuinfektionen, die Zahl schwerer Verläufe und auch die Impfquote.

76 Covid-Patienten im Krankenhaus

Das alles werde zudem mit Experten beraten, sagt Beyer. Aktuell seien aber zum Beispiel nur 76 Patienten mit einer Covid-Erkrankungen in einem Krankenhaus im Norden untergebracht. Anfang 2021 seien es noch 412 gewesen. Intensivkapazitäten seien in den Kliniken in Schleswig-Holstein daher weiter in ausreichendem Maß vorhanden.

Die SPD-Opposition betrachtet den Jamaika-Kurs generell skeptisch. Schon wo die 3G-Regel angewendet werde, seien Sicherheitsvorkehrungen entfallen, sagt deren Abgeordnete Birte Pauls. Dabei sei die vom Robert-Koch-Institut geforderte Impfquote von 85 Prozent noch nicht erreicht worden. Zumindest sollte in Geschäften, Lokalen oder bei Veranstaltungen daher jetzt die Kontaktnachverfolgung wieder Pflicht werden.

SPD fordert Maskenpflicht auch unter 3G

„Die Aufnahme von Kontaktdaten bedeutet keine großen Freiheitseinschränkungen“, sagt die Sozialdemokratin. Und: Auch die Maskenpflicht sollte überall dort wieder eingeführt werden, wo Menschen unter 3G-Bedingungen zusammenkommen, die Abstände aber nicht eingehalten werden können.

Von Wolfram Hammer