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Norddeutschland Corona: Schleswig-Holstein verbietet Reiserückkehrern Schulen, Unis, Kitas
Nachrichten Norddeutschland Corona: Schleswig-Holstein verbietet Reiserückkehrern Schulen, Unis, Kitas
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16:59 10.03.2020
Wer in Italien im Urlaub war, darf für zwei Wochen nicht in die Schule. Quelle: Monika Skolimowska/dpa
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Kiel

Wer aus einem Corona-Risikogebiet wie Norditalien, Südtirol, China oder dem Iran nach Schleswig-Holstein zurückkehrt, darf ab sofort 14 Tage lang keine öffentlichen Einrichtungen mehr betreten. Das gilt sowohl für Schulen, Hochschulen, Kitas, als auch für Besuche in Krankenhäuser oder Alten- und Pflegeheimen. Die Landesregierung in Kiel hat es angeordnet.

Erster Corona-Patient im Norden als Notfall in der Klinik

Die Maßnahmen seien „geboten“, weil man in Teilen Deutschlands bereits ein „sehr dynamisches“ Infektionsgeschehen habe, sagt Kiels FDP-Gesundheitsminister Heiner Garg. Außerdem befinde sich mittlerweile auch ein Corona-Patient in Schleswig-Holstein in klinischer Behandlung. Das Ministerium werde die Kreise und kreisfreien Städte daher anweisen, gleichlautende Allgemeinverfügungen zu „kontaktreduzierenden Maßnahmen in besonders relevanten Einrichtungen“ zu erlassen.

Die Regelung gilt auch quasi rückwirkend für all jene Personen, die in den letzten 14 Tagen aus einem solchen Risikogebiet nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt sind.

Großveranstaltungen: Absage-Verfügung wird „geprüft“

Auch Großveranstaltungen könnte es bald treffen. CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte am Wochenende angeregt, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern ausfallen zu lassen. Zwar gibt es vom Land noch kein solches Verbot, nur der Kreis Rendsburg-Eckernförde preschte bereits vor und untersagt Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen in geschlossenen Hallen. Allerdings liefen derzeit „weitere Abstimmungen beziehungsweise Prüfungen, inwieweit weitergehende Maßnahmen als bisher angezeigt sind“, heißt es aus dem Kieler Gesundheitsministerium. Bis dahin sollen Veranstalter selber prüfen, ob sie den Handlungsempfehlungen des Robert-Koch-Instituts gerecht werden und das Infektionsrisiko für die Teilnehmer minimieren können.

SPD fordert klare Vorgaben des Landes für Veranstalter

Genau daran übt die SPD-Landtagsopposition scharfe Kritik. Man erwarte vom Minister klare Vorgaben, sagt der SPD-Gesundheitspolitiker Bernd Heinemann. Denn: „Viele Veranstalter sind verunsichert und fühlen sich mit der Entscheidung, ob ein Event denn nun abgesagt werden muss oder nicht überfordert.“ Andere Bundesländer seien da bereits weiter. Heinemann hatte bereits am Sonntag weitreichendere Maßnahmen von der Kieler Jamaika-Regierung gefordert. Das Schul-, Uni-, Kita-, und Krankenhausverbot für Reiserückkehrer begrüße man daher, sagt der Sozialdemokrat.

IHK: Vier von zehn Betrieben spüren schon negative Auswirkungen

Die SPD selber will in wenigen Tagen entscheiden, ob sie ihren Landesparteitag am 21. März in der MuK in Lübeck absagt. Die Landtags-FDP hat bereits ihren Frühlingsempfang gestrichen. Die Landes-AWO hält es ebenso. Die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein hat am Montag in einer „Blitzumfrage“ unter den Mitgliedsbetrieben ermittelt, dass bereits vier von zehn Firmen die Auswirkungen der Corona-Krise bei ihren Geschäften zu spüren bekommen, etwa durch einen Rückgang der Nachfrage, sagt Präsidentin Friederike C. Kühn.

Am Montagnachmittag bereits elf Infizierte in Schleswig-Holstein

Derweil ist die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein auf elf gestiegen, berichtete der Gesundheitsminister am Montagnachmittag. Einer der Infizierten müsse wegen der Covid-19-Krankheit, die das Virus auslöst, im Krankenhaus behandelt werden. In Hamburg gab es zur selben Zeit 20 Coronafälle. Bundesweit war deren Zahl schon am Montagmorgen laut Robert-Koch-Institut auf 1112 gestiegen. Drei Deutsche starben bereits an Covid-19 – neben einem 60-jährigen Feuerwehrmann aus Lauenburg auch eine 89-Jährige aus Essen und ein Patient aus Heinsberg in Nordrhein-Westfalen.

In Brandenburg steht nahezu ein ganzer Ort unter Quarantäne

In Brandenburg ist unterdessen erstmals in Deutschland nahezu ein kompletter Ort unter Quarantäne gestellt worden. Nach einem Coronavirus-Verdacht an einer Schule in Neustadt/Dosse befinden sich dort 4000 bis 5000 Menschen in häuslicher Isolation, bestätigte der Amtsdirektor der Kleinstadt, Dieter Fuchs, am Montag. Lehrer einer Gesamtschule hätten Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Berlinerin gehabt. Jetzt stünden 730 Schüler, Lehrer, Verwaltungsmitarbeiter und Angehörige unter Quarantäne.

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Von Wolfram Hammer

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