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Norddeutschland Corona-Sprechstunde: UKSH-Arzt mahnt zur Rücksichtnahme auf Senioren
Nachrichten Norddeutschland Corona-Sprechstunde: UKSH-Arzt mahnt zur Rücksichtnahme auf Senioren
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18:17 12.03.2020
Facebook live zu Corona: LN-Volontärin Sophie Schade und der Lübecker Arzt Prof. Dr. Jan Rupp vom UKSH. Quelle: Timon Ruge
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Lübeck

Professor Dr. Jan Rupp, Leiter der Klinik für Infektiologie und Mikrobiologie am UKSH Lübeck, beantwortete in einer LN-Telefonaktion und anschließend im Facebook-Livestream alle Leserfragen rund um das neuartige Virus. Wie können Sie sich konkret vor einer Ansteckung schützen? Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken seien laut Jan Rupp für den Hausgebrauch nicht notwendig. „Im Moment brauchen wir das vor allem in den Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.“ Wichtig sei im Moment, dass diese Einrichtungen ihre Arbeit weitermachen können – ansonsten gibt es irgendwann keine Praxen mehr, die Abstriche nehmen, und keine Pflegerinnen, die die älteren Menschen versorgen.

Hier finden Sie den Facebook-Livestream zum Nachschauen

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Abgesehen von gründlicher Handhygiene empfiehlt der Infektiologe die Grippeschutzimpfung und ab 60 Jahren eine Impfung gegen Pneumokokken als sinnvolle Schutzmaßnahme. Aber auch junge, gesunde Menschen seien hier gefragt: Auch wenn sie selbst keine schweren Folgen durch das Coronavirus zu erwarten haben, können sie durch gründliche Hygiene ältere und kranke Mitmenschen schützen. Außerdem können sie bei der Nachbarin, „von der ich weiß, dass sie krank ist, vielleicht etwas braucht, ihr etwas mitbringen“.

Kreuzfahrt lieber verschieben

Viele Anrufer und Kommentatoren waren besorgt um ihren Urlaub: Sollte ich den Flug nach Griechenland antreten? Soll ich die Kreuzfahrt nach Norwegen lieber stornieren? „Flugreisen sind nun einmal mit einem höheren Risiko verbunden, weil Sie mit vielen Menschen auf engem Raum zusammen sind“, so Jan Rupp. Auf einem Kreuzfahrtschiff kommen schnell 2500 Leute zusammen, während Großveranstaltungen ab 1000 Teilnehmern abgesagt werden. „Da gibt es im Moment eine Grauzone.“ Wenn die Reise verschoben werden kann, würde er aufgrund der aktuellen Situation auch dazu raten, das zu tun. Der Professor empfiehlt auch, innerhalb der Familie eher einmal einen Besuch abzusagen oder zu verschieben, wenn jemand die typischen Symptome zeigt.

Gesetzliche oder private Krankenversicherung – Experten beantworten Ihre Fragen

Jeder Deutsche braucht eine Krankenversicherung. Gesetzlich oder privat – welches ist das richtige Modell für Sie? Drei Experten können Ihnen in unserer nächsten LN-Telefonaktion am Mittwoch, 18. März, zwischen 16.30 und 18 Uhr weiterhelfen. Joanna Batista von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein kann auf einen großes Wissen aus ihrer Arbeit dort zurückgreifen. Versicherungsfachmann Jochen van Breugel leitet sein eigenes Versicherungsbüro. Als Vertreter der ERGO Versicherungen repräsentiert er die privaten Krankenversicherer. Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherer kennt sich Jens Kuschel aus: Er ist Pressesprecher der AOK Nordwest. Sie alle stellen sich am 18. März ihren Fragen: Jens Kuschel hat die Durchwahl 0451/144 10 81, Joanna Batista erreichen Sie unter 0451/144 10 82 und Jochen van Breugel hat die 0451/144 10 83.

Außerdem gilt – wie eigentlich immer: Wer krank ist, sollte auch nicht zur Arbeit gehen. Wie sieht es mit Personen aus, die im Beruf viel Kontakt mit anderen Menschen haben? „Ich find’s im Moment auch akzeptabel, dass ich jemandem, der reinkommt und hustet, schnieft, sage: Würden Sie bitte etwas Abstand halten“, so die Haltung von Jan Rupp. Doch das soziale Leben komplett einzustellen, hielte er in der aktuellen Lage aber auch für falsch. „Wir können nicht alles runterfahren. Dafür gibt es auch gar keinen Grund.“ Er würde nicht prinzipiell davon abraten, nicht mehr Bus zu fahren oder ins Kino zu gehen. „Eigentlich müsste man den Spieß umdrehen und jeden, der grippeähnliche Symptome zeigt, dazu anhalten, zu Hause zu bleiben.“ Ob aber jeder so verantwortungsbewusst handele, sei eine andere Frage.

„Wir können nicht alles runterfahren“

Auch Fragen rund um die Quarantäne wurden häufig gestellt. Angeordnet und weitestgehend beobachtet wird sie vom Gesundheitsamt. Die Behörde sei damit auch der Ansprechpartner für Personen in Quarantäne, die keine Verwandtschaft haben, die Lebensmittelnachschub organisieren oder die unaufschiebbare Arztbesuche wahrnehmen müssen. Mit einem Mundschutz sei das alles machbar – wichtig sei nur, dass alles genau mit dem Gesundheitsamt abgesprochen ist.

Gleichzeitig könne die Behörde aber auch nicht leisten, die ganze Zeit zu überwachen, ob die Quarantäne eingehalten wird. Da sei das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen ebenso gefragt wie ein gewisses Augenmaß: Wer zum Beispiel einen Garten hat, dürfe diesen auch in Quarantäne nutzen, um frische Luft zu schnappen.

Wann die Pandemie vorüber sein wird, konnte auch Professor Dr. Jan Rupp nicht sagen. Aber: Am Ende werden sich voraussichtlich rund 70% der Bevölkerung mit dem Virus angesteckt haben. Bei den bisherigen Fällen haben sich gezeigt: „Die Mehrzahl der positiv Getesteten hat einen leichten Verlauf. Aber wenn jemand starke Symptome hat, sollte man eben nicht ein oder zwei Tage mit der Behandlung warten.“

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Von Sophie Schade