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Norddeutschland Studenten und Ärzte im Ruhestand: Freiwillige für die Krankenversorgung gesucht
Nachrichten Norddeutschland Studenten und Ärzte im Ruhestand: Freiwillige für die Krankenversorgung gesucht
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06:42 19.03.2020
Das UKSH bereitet sich auf den Katastrophenfall vor und rekrutiert Ärzte im Ruhestand.
Das UKSH bereitet sich auf den Katastrophenfall vor und rekrutiert Ärzte im Ruhestand. Quelle: dpa
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Lübeck

Die Krankenhäuser im Norden rüsten sich für einen Patientenansturm wegen der Corona-Krise. Noch sei die Klinik nicht überlaufen, sagte jetzt Prof. Dr. Christopher Baum, Vizepräsident der Universität zu Lübeck und Vorstandsmitglied des UKSH, den LN. „Aber wir bereiten uns auf die nächste Stufe vor.“

Es gehe darum, Personen heranzuziehen, die unter Aufsicht helfen könnten: Baum nannte Studierende, Pfleger und Mitarbeiter der Forschung. „Es laufen gerade die Aufrufe. Natürlich geschieht dies alles auf freiwilliger Basis.“ Niemand werde gezwungen, seine Doktorarbeit zu unterbrechen.

Vorbereitung auf Katastrophenfall

Noch – denn die Lage ändere sich täglich. Sollte der Katastrophenfall ausgerufen werden, habe die Klinik Direktionsrechte. „Wir sehen unsere Aufgabe jetzt darin, eine einsatzbereite Reserve von Mitarbeitern aufzubauen.“ Diese müssten zunächst entsprechend qualifiziert werden. „Die Hilfsbereitschaft bei den Studenten ist spontan.“ Auch Praktikanten aus dem medizinischen Bereich könnten sich melden.

Es gebe 1500 Medizinstudenten, 7500 Mitarbeiter und einige hundert Kollegen in der Forschung. „Das sind große Personalreserven.“

Ärzte in Rente wurden angeschrieben

Auch die Landesärztekammer appelliert an Ärzte, die nicht mehr in ihrem Beruf tätig sind. Bisher wurden etwa 2500 Mediziner angeschrieben. Der Rücklauf sei positiv, sagt Sprecher Stephan Göhrmann: „Die Ärzte wollen helfen.“ Sollte die Zahl der Infizierten weiter steigen und mehr Personal benötigt werden, sollen die rekrutierten Ärzte den Regelbedarf in Kliniken und Krankenstationen decken.

Pflegeberufekammer rekrutiert mit

Im Auftrag des Gesundheitsministeriums registriert auch die Pflegeberufekammer freiwillige Fachkräfte. Gesucht werden qualifizierte Pflegepersonen, die momentan nicht in dem Beruf arbeiten, aber helfen wollen. Mit dem Aufruf will die Pflegeberufekammer für den Ernstfall vorsorgen. „Wir brauchen noch keine zusätzlichen Kräfte, aber wir bereiten uns vor“, erklärt Sprecher Jan Dreckmann. Bis jetzt hätten sich vor allem Personen gemeldet, die mehr als zehn Jahre in der Pflege gearbeitet haben und aktuell anders beschäftigt sind. „Diese Leute sagen: Wenn ich gebraucht werde, stehe ich zur Verfügung.“ Der Pflegekräfte sollen auf freiwilliger Basis eingesetzt werden, der Einsatz werde im Ernstfall von den Kliniken vor Ort koordiniert.

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Von Marcus Stöcklin und Annabell Brockhues