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Corona-Tests für Kinder: Das sollten Eltern beachten

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11:24 18.03.2021
Eine medizinische Mitarbeiterin nimmt einen Abstrich bei einem Mädchen in einer Covid-19-Teststation.
Eine medizinische Mitarbeiterin nimmt einen Abstrich bei einem Mädchen in einer Covid-19-Teststation. Quelle: Oded Balilty/dpa
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Lübeck

Ab dem kommenden Montag sollen Schüler in Schleswig-Holstein sich einmal in der Woche mit einem Selbsttest auf das Corona-Virus testen lassen können. Seit Anfang März können sich bereits alle Bürger in verschiedenen Einrichtungen einmal wöchentlich einen Antigen-Schnelltest machen lassen. Die erweiterte Teststrategie gilt als ein Baustein in der Pandemiebekämpfung.

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Wann sind Corona-Tests bei Kindern aber überhaupt sinnvoll?

Wann sind Corona-Tests bei Kindern aber überhaupt sinnvoll? Dr. Sebastian Groth ist Facharzt für Kinder-und Jugendmedizin in Rendsburg und Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Schleswig-Holstein. Er sagt: „Sinnvoll sind die Tests bei Kindern nur bei einer Strategie, wenn es um Massentestungen geht. Ansonsten kommt es auf die individuelle Fragestellung an, wie zum Beispiel bei akuten Infekten.“

Welche Coronatests für Kinder gibt es – und welche sind geeignet?

Gurgel-, Spuck-, Lollitests oder Abstriche im vorderen und hinteren Bereich des Rachens und der Nase sind möglich, um eine Coronainfektion nachzuweisen – aber nicht jeder dieser Tests ist auch für Kinder geeignet. „Ich empfehle für den ,Laiengebrauch‘ die Gurgel- und Spucktests sowie die, die nur einen Abstrich aus dem vorderen Nasenbereich benötigen“, sagt Groth. „Lollitests sind meines Wissens noch nicht erhältlich.“

Selbsttests eher für Kinder in Kitas und Schulen zu empfehlen

Groth empfiehlt einen sogenannten Laientest oder Selbsttest für die Familie zu Hause, wenn zum Beispiel Verwandtenbesuche anstehen. Oder für eher ungeschultes, nicht medizinisches Personal in Kitas und Schule.

Antigen-Schnelltests kommen in den Testzentren zum Einsatz oder können durch geschultes Personal in Kitas und Schulen eingesetzt werden. PCR-Tests durch Fachpersonal seien notwendig bei einem positivem Schnell- oder Selbsttest, wenn Kinder Kontakt mit Corona-Infizierten hatten oder selbst erkrankt sind.

Tiefe Abstriche können bei Kindern traumatisierend sein

Wie kann man Kindern, die möglicherweise Angst vor einem Test haben, diese nehmen? „Am besten sollten nur Tests benutzt werden, die im vorderen Nasenabschnitt oder als Spucktest oder als ,Lolli‘-Test angewendet werden müssen“, empfiehlt Groth. Tiefe Abstriche sollten dagegen nicht routinemäßig verwendet werden. Denn: „Die tiefen Abstriche sind traumatisierend, besonders in der Nase. Man braucht auch einige Übung dabei. Daher sollten Laien möglichst nur Spucktests oder ,Lolli‘-Tests verwenden.“

Test mit tiefem Abstrich bei Kindern: Ablenkung, Erklärung, Behutsamkeit

Wenn es aber doch ein tieferer Abstrich bei Kindern sein muss, rät der Experte: „Man sollte versuchen die Kinder abzulenken, ihnen aber auch gut erklären, was gemacht wird.“ Ganz wichtig sei allerdings Behutsamkeit. Groth: „Bei einem PCR-Test gilt: Tief genug abstreichen bei höchster Vorsicht.“

Ist es angenehmer für Kinder, den Coronatest im Liegen durchzuführen?

Eine Möglichkeit, den Corona-Tests bei Kindern so angenehm wie möglich zu gestalten, ist die Testung in liegender Position. „Ich denke, dass es im Liegen besser geht, weil der Kopf nicht nach hinten ausweichen kann und es demnach kürzer dauert“, sagt Groth.

Ist es besser, wenn Kinder den Coronatests selbst machen?

Für Kinder kann die Corona-Testung weniger unangenehm sein, wenn sie sich selbst mit dem Wattestäbchen die Probe aus der Nase entnehmen. „Wenn man die Abstriche für die vorderen Nasenabschnitte benutzt, ist das sicher eine gute Alternative, dass das Kind dden Coronatest unter Kontrolle selbst durchführt“, sagt Groth, aber: „Da muss dann natürlich aufgepasst werden.“

Tests bei Kindern nicht unumstritten

Vor allem Selbsttest und Schnelltests werden bei Medizinern allerdings nicht unkritisch gesehen. Sie gelten als nicht so zuverlässig wie die PCR-Tests. „Die zu erwartende hohe Zahl an falschen negativen und falschen positiven Ergebnissen würde aus unserer Sicht weit mehr Schaden anrichten als nutzen“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach. Es bestehe „eine erhebliche Gefahr“, dass die Hygienemaßnahmen nach negativen Testergebnissen nicht mehr eingehalten würden, weil sich insbesondere ältere Schüler in falscher Sicherheit wiegen würden. „Angesichts vieler falsch negativer Ergebnisse könnte das zu mehr Ansteckungen führen, als wenn nicht getestet würde; das wäre verheerend.“ Auf der anderen Seite müssten Kinder bei falsch positiven Ergebnissen unnötig in Quarantäne und die Arztpraxen und Labore würden zusätzlich belastet.

Von Jan Wulf