Corona und Reiserückkehrer: Kontrolle der Urlauber kaum möglich
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Corona und Reiserückkehrer: Kontrolle der Urlauber kaum möglich

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18:00 28.07.2020
Corona-Kontrolle am Flughafen: Noch gibt es sie nicht überall –und man setzt auf Eigenverantwortung. Quelle: Henning Kaiser/dpa
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Kiel/Lübeck

Steigende Corona-Infektionszahlen im Norden: 19 Neuinfektionen habe es laut der Landesregierung am Dienstag gegeben – der höchste Wert seit Wochen in Schleswig-Holstein. Bei vielen der neu infizierten Personen handelt es sich, wie schon in den vergangenen Wochen, um Reiserückkehrer. „Genauso wie eine zunehmende Sorglosigkeit insgesamt ein Ansteigen der Infektionen begünstigt, trifft das auch insbesondere auf einige Reiserückkehrende zu, die im Urlaub alle Vorsicht über Bord geworfen haben“, sagt Marius Livschütz, Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Im Urlaub angesteckt: Neuinfektionen häufig nach Reise

Der größte Teil der Neuinfektionen – acht Fälle – wurde im Kreis Dithmarschen registriert. Nach Angaben des Kreises handele es sich vor allem um Reiserückkehrer vom West-Balkan und aus Skandinavien sowie Ansteckungen im familiären Bereich. Die beiden Neuansteckungen in Lübeck sind auf Kontakt zu Reiserückkehrern aus Polen zurückzuführen. Bei der neuinfizierten Person im Kreis Ostholstein handelt es sich um einen Reiserückkehrer aus Estland.

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Urlauber, die sich nicht an die Hygiene- und Sicherheitsabstände halten, könnten die Corona-Infektionszahlen weiter in die Höhe treiben – und die Sommerferien sind noch nicht zu Ende. „Deswegen werden Bund und Länder massiv darauf aufmerksam machen, welche bereits heute geltenden Regeln zu beachten sind und dass zum Teil empfindliche Bußgelder drohen, wenn man sich nicht an die Regeln hält“, sagt Livschütz.

Meldepflicht für Reiserückkehrer – aber keine Kontrolle

Allen Reiserückkehrern wird empfohlen, sich beim hiesigen Gesundheitsamt zu melden. Urlauber aus Risikogebieten sind dazu verpflichtet. Wer das nicht tut, muss mit einem Bußgeld von bis zu 2000 Euro rechnen – vorausgesetzt, es fällt jemandem auf. Denn eine Kontrolle, ob sich Urlauber wirklich daran halten, gibt es nicht. „Es ist nicht auszuschließen, dass sich nicht alle Reiserückkehrer nach Ankunft in Schleswig-Holstein ordnungsgemäß melden“, sagt Livschütz.

In Lübeck haben sich bisher 396 Reiserückkehrern aus Risikogebieten seit April beim Gesundheitsamt gemeldet, die meisten aus Schweden und der Türkei. Stadtsprecherin Nicole Dorel erscheint die Zahl niedrig. „Es wird hier auf die Mitarbeit der der Reiserückkehrer gesetzt. Wir haben keinen Überblick über eine mögliche ,Dunkelziffer’. Darüber können nur stichprobenhafte oder flächendeckende Kontrollen Aufschluss geben“, sagt Dorel, und: „Dazu sind leider keine Mittel vorhanden.“

Vertrauen auf Verantwortungsbewusstein jedes Einzelnen

Im Kreis Stormarn haben sich bisher 644 Reiserückkehrer aus Risikogebieten beim Gesundheitsamt gemeldet, im Kreis Segeberg sind es 231, im Kreis Herzogtum Lauenburg 101 und in Ostholstein 623. Über die Höhe der Dunkelziffer wolle nicht spekuliert werden, aber: „Der Fachdienst Gesundheit des Kreises Ostholstein stuft die Zahl der Meldungen als realistisch ein“, sagt Kreissprecherin Carina Leonhardt. „Die Bürger in Ostholstein haben sich bislang sehr verantwortungsvoll verhalten. Die Dunkelziffer wird daher eher gering eingeschätzt.“

Kein einziger Verstoß gegen Quarantänepflicht im Norden

Reiserückkehrer müssen, wenn sie keinen negativen Coronatest vorweisen können, 14 Tage in Quarantäne. Die Gesundheitsämter kontrollieren dies stichprobenhaft. Wer sich nicht daran hält, muss sogar mit Bußgeldern in Höhe von 10.000 Euro rechnen. Im Kreis Ostholstein sind momentan drei Personen in Quarantäne, in Lübeck zwölf und im Kreis Segeberg 44. Im Kreis Herzogtum Lauenburg sind es nach Angaben eines Sprechers 50 bis 60, für den Kreis Stormarn können keine genauen Zahlen genannt werden.

Einen nachgewiesenen Verstoß gegen die Quarantäneauflagen hat es in keinem der Landkreise gegeben. Nur in Lübeck wurde ein Bußgeld in Zusammenhang mit Reiserückkehrern verhängt. „Dieses wurde gegen einen Reiserückkehrer und ein Familienmitglied verhängt, da beide die Einreise nicht gemeldet hatten und im Verlauf symptomatisch geworden sind und ein daraufhin durchgeführter COVID-19-Test positiv ausfiel“, sagt Dorel. „Nur so konnte diese Missachtung der Quarantäneverordnung entdeckt werden.“

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Von Hannes Lintschnig