Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Coronavirus: Land untersagt Veranstaltungen ab 1000 Besuchern
Nachrichten Norddeutschland Coronavirus: Land untersagt Veranstaltungen ab 1000 Besuchern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
18:06 10.03.2020
Große Konzerte mit viel Publikum wird es in Schleswig-Holstein in nächster Zeit nicht geben. Quelle: dpa
Anzeige
Kiel

In Schleswig-Holstein sind wegen des Corona-Ausbruchs ab sofort alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern verboten. Das hat der Kieler FDP-Gesundheitsminister Heiner Garg am Dienstag angeordnet. Der Erlass im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes sollte noch am Dienstag auf den Weg gebracht werden.

Fußball- und Handballspiele: Absage oder leere Ränge?

Die Entscheidung der Kieler Landesregierung betrifft auch Sportveranstaltungen, etwa die Spiele des Fußball-Regionalligisten VfB Lübeck oder des Handball-Zweitligisten VfL Lübeck-Schwartau. Sie müssten vor leeren Rängen stattfinden. Der VfB hat deshalb gemeinsam mit Gegner SC Weiche Flensburg bereits das Landesderby am kommenden Freitag abgesagt.

Minister: Auch kleinere Veranstaltungen überdenken

Generell seien alle Veranstalter aufgefordert, auch bei weniger als 1000 erwarteten Besuchern zu überdenken, ihre öffentlichen Veranstaltungen abzusagen oder zu verschieben, sagt Garg. Sie müssten den Gesundheitsbehörden vor Ort ansonsten darlegen können, wie sie etwa sicherstellen wollen, dass es bei ihrem Konzert oder Treffen nicht zu Corona-Ansteckungen kommen kann. „Man sollte für ein paar Wochen auf alles verzichten, was nicht unbedingt notwendig ist“, sagt der Minister.

Nordkirche: Gemeinden dürfen Gottesdienste absagen

Die evangelische Nordkirche etwa stellt es ihren Gemeinden bereits frei, auch Gottesdienste ausfallen zu lassen. Die Verantwortlichen in betroffenen Gemeinden könnten ja über kreative Formen der gottesdienstlichen Feier nachdenken, über Open-Air-Gottesdienste etwa oder Social-Media-Gottesdienste, heißt es in einer Handreichung der Nordkirche.

Mindestens elf Infizierte im Norden – Land zieht die Reißleine

Angesichts zunehmender Infektionen in Deutschland hatte CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Sonntag empfohlen, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen. Die Regelung in Schleswig-Holstein soll zunächst bis Karfreitag, 10. April, gelten.

Schleswig-Holsteins FDP-Gesundheitsminister Heiner Garg und die Infektionsreferentin seines Ministeriums, Anne Marcic, informierten in Kiel über das Verbot von Veranstaltungen wegen des Corona-Ausbruchs. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Im Norden hatten sich bis zu der Entscheidung mindestens elf Menschen mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert. Zudem trauert die Hamburger Feuerwehr um einen Kollegen aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg, der während einer Ägyptenreise erkrankte und am Sonntag im Ferienort Hurghada starb.

Arzt aus Rellingen jetzt auf der Intensivstation

Zwei der Infizierten befinden sich derzeit im Krankenhaus. Einer der beiden, ein 48-jähriger Arzt aus Rellingen im Kreis Pinneberg, ist mittlerweile so schwer an Covid-19 erkrankt, dass er auf die Intensivstation des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg verlegt werden musste. Dort war er zuvor im Labor tätig gewesen und hatte sich offenbar bei einem aus Italien zurückgekehrten Kollegen angesteckt.

Der Landtag tagt, die Schulen bleiben geöffnet

Der öffentliche Nahverkehr rolle hingegen ohne Einschränkungen weiter, betonte Garg am Dienstag. Und auch die Schulen im Land würden geöffnet bleiben. Die Landtagssitzung kommende Woche werde ebenfalls stattfinden – wie gewohnt unter den Augen von Journalisten, wenn auch ohne Besuchergruppen. Auch Firmen müssten keine Einschränkungen in ihren Arbeitsabläufen befürchten. Dort käme ja ein konstanter, bekannter Personenkreis zusammen. Das sei bei Konzerten oder Sportveranstaltungen ganz anders.

Dürfen Kreuzfahrer in Schleswig-Holstein noch an Land gehen?

Es falle ihm schwer, derart freiheitsbeschränkende Maßnahmen anzuordnen, sagt Garg. Man müsse sich wegen der Dynamik des Infektionsgeschehens jedoch auch noch weitere Möglichkeiten offenhalten. So werde im Kabinett derzeit beraten, ob man die Gäste von Kreuzfahrtschiffen überhaupt weiter in Schleswig-Holstein an Land gehen lässt. Die Saison beginnt etwa in Kiel am 27. März mit dem Einlaufen des ersten Schiffes mit über 1000 Passagieren und Crewmitgliedern.

Günthers Appell: „Das normale Leben weiter leben“

Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident Daniel Günther wirbt um Verständnis für die Maßnahmen gegen die Corona-Ausbreitung. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Am Dienstag meldete sich erstmals auch Daniel Günther in der Sache zu Wort. „Mir ist wichtig, die Menschen in Schleswig-Holstein um Verständnis zu bitten“, sagte der CDU-Ministerpräsident. Man wolle Bürger vor einer Infektion schützen, vor allem alte und kranke. Zugleich appelliere er an die Menschen, „das normale Leben weiter zu leben“. Man solle etwa ganz normal weiter zur Arbeit gehen, auch die Mitglieder der Landesregierung würden das tun. Einzig CDU-Bildungsministerin Karin Prien arbeite derzeit aus dem Homeoffice in Hamburg heraus. Die 54-Jährige hatte bis letzte Woche Urlaub in Südtirol gemacht – einem Corona-Risikogebiet.

Uneinsichtigen Reiserückkehrern drohen 25 000 Euro Strafe

Für solche Reiserückkehrer aus Risikogebieten – das waren am Dienstag früh laut Robert-Koch-Institut ganz Italien, der Iran und einige Provinzen in China und Südkorea – hat die Landesregierung schon am Montag harte Auflagen erlassen. Sie dürfen nach ihrer Rückkehr 14 Tage lang weder Schulen, noch Kitas, Unis, Krankenhäuser oder Alten- und Pflegeheime betreten. Und sie sollten sich nach Möglichkeit nur zu Hause aufhalten. Wer sich nicht daran halte und solche Einrichtungen dennoch betrete, riskiert 25 000 Euro Bußgeld, heißt es vom Gesundheitsministerium.

Mehr zum Coronavirus

Von Wolfram Hammer

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) hat in den vergangenen Tagen einen Rückgang der Blutspenden um etwa 20 Prozent verzeichnet.

10.03.2020

Großeinsatz für die Rettungskräfte in Neumünster (Schleswig-Holstein): Im Dachstuhl eines Altbaus bricht ein Feuer aus. Um sich zu retten, springt eine Person in die Tiefe – und kommt ums Leben. Eine zweite Person wird tot im Gebäude gefunden.

10.03.2020

Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten dürfen in Schleswig-Holstein 14 Tage lang keine öffentlichen Einrichtungen besuchen. Das hat die Landesregierung angeordnet. Trifft es bald auch Großveranstaltungen?

10.03.2020