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Norddeutschland Coronavirus: So wird im Verdachtsfall getestet
Nachrichten Norddeutschland Coronavirus: So wird im Verdachtsfall getestet
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18:00 20.03.2020
Mit einem Abstrichstäbchen wird eine Probe für den Test auf das Coronavirus genommen.
Mit einem Abstrichstäbchen wird eine Probe für den Test auf das Coronavirus genommen. Quelle: dpa
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Lübeck

Je mehr Menschen sich mit dem Coronavirus infizieren, desto mehr häufen sich die Fragen: Wer wird getestet? An wen soll ich mich bei Symptomen wenden? Wo kann ich mich testen lassen? Das Robert Koch-Institut erstellt Handlungsempfehlungen für Ärzte und Behörden. Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein ist daran beteiligt, diese Empfehlungen umzusetzen.

Wann sollte ich mich auf das Coronavirus testen lassen? In Deutschland werden keine flächendeckenden Tests durchgeführt. Die Menge der Testkits und die Kapazitäten der Labore sind begrenzt, so dass nur medizinisch notwendige Testabstriche genommen werden können. Die Grundvoraussetzung, damit ein Test gemacht wird, sind leichte Erkältungssymptome wie Husten, Niesen oder Halsschmerzen. Weitere Kriterien sind:- Hatten Sie in den vergangenen zwei Wochen Kontakt zu einem Covid-19-Infizierten?- Waren Sie in einem Gebiet, indem es viele Covid-19-Erkrankungen gab? - Haben Sie eine Vorerkrankung oder wird Ihre Atemwegserkrankung schlimmer?- Arbeiten Sie mit Menschen, die ein hohes Risiko für schwere Erkrankungen haben, zum Beispiel im Krankenhaus oder in der Altenpflege?Wer gar keine Symptome zeigt, wird nicht getestet, auch nicht, wenn eines der anderen Kriterien zutrifft.

Drei Kategorien von Kontaktpersonen

Bin ich eine sogenannte Kontaktperson? Kontaktpersonen sind alle, die sich in der Nähe eines Covid-19-Infizierten aufgehalten haben, während diese Person krank war oder maximal zwei Tage vor Beginn der ersten Symptome. Das Robert Koch-Institut unterscheidet zwischen drei Kategorien von geringem bis hohem Infektionsrisiko. - Geringes Infektionsrisiko: Haben Sie sich im selben Raum wie ein Infizierte aufgehalten, wie einem Klassenzimmer oder Arbeitsplatz, ohne direkten Kontakt? Warten Sie ab, ob sich das Gesundheitsamt bei Ihnen meldet. Wenn Sie Symptome entwickeln, rufen Sie Ihren Hausarzt an.- Höheres Infektionsrisiko: Hatten Sie mindestens 15 Minuten direkten Kontakt mit einem Erkrankten, etwa in einem persönlichen Gespräch? Sind Sie in Berührung mit Körperflüssigkeiten des Erkrankten gekommen, etwa durch Küssen, Husten oder Niesen? Falls das Gesundheitsamt bisher keinen Kontakt zu Ihnen aufgenommen hat, rufen Sie an und schildern Ihre Lage.- Hohes Infektionsrisiko besteht grundsätzlich für medizinisches Personal mit engem Kontakt zu bestätigten Covid-19-Fällen.

Hausarzt oder 116 117 anrufen

Ich habe Symptome wie Husten, Niesen oder Halsschmerzen. Was tue ich jetzt? Rufen Sie Ihren Hausarzt an. Wenn Sie diesen nicht erreichen, wenden Sie sich an die ärztliche Bereitschaftsnummer unter 116 117. Beschreiben Sie Ihre Symptome genau und geben Sie an, ob Sie Kontakt zu einem Covid-19-Infizierten hatten, in einem Risikogebiet waren oder eine Vorerkrankung haben. Das medizinische Personal entscheidet auf dieser Grundlage und den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts, ob Sie getestet werden. Die Notrufnummer 112 oder das Gesundheitsamt sind in diesem Fall nicht die richtigen Ansprechpartner.

Was passiert, wenn ich getestet werden muss? Die Kassenärztliche Vereinigung hat im Land Schleswig-Holstein mittlerweile zehn diagnostische Zentren eingerichtet. Hier wird ein Abstrich für den Labortest genommen. Verdachtsfälle werden über die 116 117 zurückgerufen und in eines der Zentren bestellt. Das Zentrum auf eigene Initiative aufzusuchen, ist nicht sinnvoll. Patienten werden nur nach einer Anmeldung getestet.

Wenn Sie aus medizinischen Gründen das Zentrum nicht aufsuchen können, kommt ein Fahrdienst zu Ihnen, der den Abstrich macht. Der Abstrich kann auch an der Haustür entnommen werden, der Arzt muss die Wohnung nicht betreten.

Ergebnis per Telefon

Wie lange dauert es, bis das Testergebnis vorliegt? Bis ein Ergebnis vorliegt, kann es zwei Tage dauern. Während Sie auf das Ergebnis warten, sollten Sie zu Hause bleiben, enge Kontakte zu anderen meiden und eine gute Händehygiene einhalten. Sie werden über das Ergebnis telefonisch informiert.

Ich wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Und jetzt? Je nach Schwere der Erkrankung werden Sie stationär im Krankenhaus behandelt oder können sich zu Hause auskurieren. Zu Hause sollten Sie in einem gut belüftbaren Einzelzimmer untergebracht werden. Reduzieren Sie die Anzahl der Kontakte zu anderen Personen auf das Minimum – das heißt: kein Besuch, kein körperlicher Kontakt zu den eigenen Kindern oder dem Partner. Halten Sie einen Mindestabstand von zwei Metern zueinander, essen Sie nicht zusammen. Achten Sie auf Ihre Händehygiene und desinfizieren Sie täglich Gegenstände und Oberflächen, die auch andere Personen im Haushalt berühren.

Bei allgemeinen Fragen zum Coronavirus wenden Sie sich an diese Stellen:Das Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 / 346 465 100Die Unabhängige Patientenberatung: 0800 / 011 77 22 Das Bürgertelefon des Landes Schleswig-Holstein: 0431 / 79700001

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Von Annabell Brockhues