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Norddeutschland Dänen wollen im Herbst beim Belttunnel loslegen
Nachrichten Norddeutschland Dänen wollen im Herbst beim Belttunnel loslegen
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19:20 26.03.2019
So soll die Tunnel-Einfahrt aussehen. Das Projekt ist noch immer umstritten.  Quelle: Femern A/S
Kiel/Kopenhagen

„Jetzt ist es an der Zeit, die Bauarbeiten des Tunnels unter dem Fehmarnbelt einzuleiten“, erklärte Verkehrsminister Ole Birk Olesen. Laut Zeitplan solle der knapp 18 Kilometer lange Tunnel im Jahr 2028 eröffnet werden, so der Minister. Es wird damit gerechnet, dass die ersten Aktivitäten im Herbst beginnen können. Zugreisende zwischen Kopenhagen und Hamburg sollen durch den Tunnel pro Strecke bis zu zwei Stunden Zeit einsparen, auch für Autofahrer soll der Weg dadurch verkürzt werden.

In Rödbyhavn entsteht Fabrik für Tunnelelemente

Nach Mitteilung der Tunnelgesellschaft Femern A/S handelt es sich bei den Arbeiten unter anderem um den Bau eines Arbeitshafens sowie um die Errichtung der Fabrik, die die Tunnelelemente herstellen soll. Zudem soll das Tunnelportal errichtet werden. Und es entstehen Unterkünfte und Verwaltungsgebäude. Nach Angaben von Femern A/S ermöglicht der Beginn der Arbeiten dem Staat Dänemark, „die EU-Gelder für den Fehmarnbelttunnel in Höhe von rund 589 Millionen Euro besser zu nutzen“.

„Das ist ein sehr eindeutiges Bekenntnis der Dänen zu dem Projekt“, sagt Schleswig-Holsteins FDP-Verkehrsminister Bernd Buchholz – auch wenn natürlich bekannt sei, dass noch ein Prozessrisiko vorliege. Die dänische Seite bereite aber offenbar alles vor, um ohne Zeitverlust mit den eigentlichen Tunnelarbeiten beginnen zu können, sobald auch auf deutscher Seite Baurecht vorliegt.

Beifall von Wirtschaftsvertretern

„Wir begrüßen es sehr, dass Dänemark den ersten Schritt für den Bau der Fehmarnbelt-Querung gemacht hat“, sagt auch die Hauptgeschäftsführerin der Handelskammer Hamburg, Christi Degen. „Der Fehmarnbelt-Tunnel einschließlich seiner Hinterlandverbindungen wird die Standortqualität der umliegenden Regionen nachhaltig verbessern und Hamburg und Kopenhagen in ähnlicher Form verbinden, wie das die schnelle Bahnverbindung zwischen Hamburg und Berlin geschafft hat.“ Der Tunnel werde neue Entwicklungsimpulse geben und die wirtschaftlichen Gewichte in Europa ein Stück nach Norden verschieben.

Der stellvertretende Vorsitzende des Fehmarnbelt Business Council (FBBC), Michael Svane, sagte zu den von Dänemark geplanten Bauaktivitäten, es handele sich um Maßnahmen, die mehrere Monate bis Jahre in Anspruch nehmen werden, bevor überhaupt das erste Tunnelelement gefertigt werden kann. „Obwohl einige Details noch vor Gericht zu klären sind, steht für uns fest, dass die Dänen die Tunnelelemente in Rödbyhavn fertigen und im Fehmarnbelt zu einem Tunnel verbinden werden“, sagt Svane, der zugleich Direktor bei Dansk Industri, dem Verband Dänischer Industrie, ist.

Nabu will noch immer klagen

Gegen das Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von mehr als sieben Milliarden Euro waren im Planfeststellungsverfahren auf deutscher Seite 12  600 Einwendungen erhoben worden. In Dänemark kamen 42 Einsprüche zusammen. Wer beim Bundesverwaltungsgericht klagen will, hat dann dafür einen Monat Zeit. Klagen gegen den Beschluss waren bereits angekündigt worden.

Die Naturschutzorganisation Nabu bekräftigte am Dienstag, gegen den Bau einer festen Beltquerung klagen zu wollen, wenn Naturschutzbelange nicht ausreichend geprüft und berücksichtigt wurden. Anwälte und Experten des Umweltverbandes würden den Planfeststellungsbeschluss binnen der rechtlichen Frist eingehend prüfen, teilte der Nabu mit. Der Nabu geht davon aus, dass die zahlreichen im Verfahren eingebrachten ökologischen Einwände nicht sauber abgearbeitet wurden.

Unterlagen liegen aus

Auf deutscher Seite können interessierte Bürger den im Januar erlassenen Planfeststellungsbeschluss für den Tunnel seit Dienstag noch bis zum 8. April einsehen. Er liegt vielerorts in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern öffentlich aus und ist auch online abrufbar. Allein der Beschluss für den deutschen Abschnitt des knapp 18 Kilometer langen Tunnels umfasst 1300 Seiten.

Aus Sicht der Naturschützer sind Maßnahmen wie die Ertüchtigung des bestehenden „Jütland-Korridors“ von Hamburg über Flensburg und die Storebeltbrücke Richtung Kopenhagen sinnvoller als eine feste Beltquerung. Der Nabu setzt sich eigenen Angaben zufolge weiter dafür ein, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer das Projekt mit seinen dänischen Kollegen stoppt. Demnach haben bislang mehr als 39 000 Menschen aus ganz Deutschland eine Nabu-Protestmail an den Bundesverkehrsminister gegen den Bau einer festen Fehmarnbeltquerung zwischen Deutschland und Dänemark unterzeichnet. Eine Petition der Beltretter gegen das Projekt hat nach Angaben der Initiative bereits 150 000 Unterzeichner.

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wh/hvs/dpa