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Norddeutschland Daniel Günther: Ein Mann auf dem Sprung
Nachrichten Norddeutschland Daniel Günther: Ein Mann auf dem Sprung
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12:45 04.11.2019
Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) mischt sich immer wieder in die Bundespolitik ein. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Wie gut, dass es die überregionalen Fernsehnachrichten gibt. Gerade in den letzten Tagen tauchte Daniel Günther dort immer wieder auf. Er griff in den CDU-internen Machtkampf zwischen Merz-Koch und Merkel-Kramp-Karrenbauer ein. Hätte man ihn dort nicht gesehen, man hätte denken können, dass Schleswig-Holstein gar keinen Ministerpräsidenten mehr hat.

Immer mehr Probleme türmen sich hier im Norden auf. Der Windkraftausbau samt Energiewende liegt zum Beispiel brach. Die Jamaika-Koalition zerstreitet sich über die Cannabis-Freigabe oder den Umgang mit religiösem Fanatismus und findet keine Linie im Streit ums Kopftuchverbot an Schulen und Universitäten. Ein Polizei-Skandal erschüttert LKA und Justiz in Kiel. Der Ausbau der Infrastruktur ist zum Stillstand gekommen. Die Steuereinnahmen drohen wegzubrechen. Zu alledem von Günther kaum ein Wort. Der Regierungschef lässt es treiben.

In Berlin aktiv, in Kiel unsichtbar

Ganz anders sein Auftreten in Berlin. Kaum hatten Friedrich Merz und Roland Koch die vorzeitige Abdankung der Kanzlerin gefordert, stellte sich Günther ihr schützend zur Seite: Die beiden seien nur alte Männer, die ihre Karriereziele nicht erreicht hätten, und nun alte Rechnungen begleichen wollten. Diese Attacke war unsachlich, gar keine Frage. Aber was hätte er auch inhaltlich entgegnen sollen?

Dass sich tatsächlich nichts mehr bewegt in Berlin, wie Merz und Koch beklagen, muss Günther selber ja auch ständig erfahren. Sein Versuch etwa, Schleswig-Holstein zum Windenergie-Exportland zu machen, scheitert immer wieder kläglich an der sturen und starren Energiepolitik der Merkelschen GroKo-Regierung. Und so war seine Attacke denn auch weniger eine Verteidigung Merkels, als viel mehr eine Positionierung für die Zeit danach.

Ministerposten ist drin

Seht her, so lautet das Signal, ich bin immer noch einer vom moderaten Flügel, und sogar ein ganz mutiger – sogar die Zusammenarbeit mit der Linkspartei hält Günther ja für möglich. Sollte dieser Flügel nach Merkel am Ruder bleiben, unter Armin Laschet etwa, wäre Günthers weiterer Karriereweg schon mal geebnet. Die Kanzlerkandidatur trauen ihm bislang zwar nur ganz hart gesottene Anhänger zu. Ein Bundesministerposten aber könnte vorläufig schon mal drin sein. In Kiel läuft sich für diesen Fall CDU-Bildungsministerin Karin Prien als Ministerpräsidenten-Nachfolgerin warm.

Ganz anders sähe es natürlich aus, sollten in Berlin am Ende doch die Merz’ und Kochs triumphieren. Die Bundes-Bühne wird für Günther dann eine ganze Weile passé sein. Bitter wäre, dass damit zugleich der Einfluss Schleswig-Holsteins in Berlin in Gänze sinken dürfte. Andererseits: Es gäbe dann in Kiel womöglich wieder einen Ministerpräsidenten, der auch tatsächlich im und fürs Land Politik macht.

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