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Nachrichten Norddeutschland Das erwarten Gewerkschafter von 2019
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19:08 28.01.2019
Gewerkschafter protestieren für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Gewerkschafter protestieren für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Quelle: Markus Scholz/dpa (Symbolbild)
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Lübeck

Die Gewerkschaften in der Region Lübeck wollen 2019 an die Erfolge des Vorjahres anknüpfen. Auch 2019 sollen die Beschäftigten wieder von Tariferhöhungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen profitieren, erklärten gestern Vertreterinnen und Vertreter von DGB Nord, Verdi, IG Metall, IG Bergbau-Chemie-Energie (BCE) und IG Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bei einer Tarifpressekonferenz in Lübeck.

Tarifrunde am UKSH

Im Fokus steht zunächst die Tarifrunde für Angestellte der Länder. Allein im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck geht es dabei um 3600 Beschäftigte. „Die Lage ist dort besonders brisant, weil das UKSH im Wettbewerb um Fachkräfte regelmäßig den Kürzeren gegen die Sana-Klinik zieht, deren Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für Bund und Kommunen (TVÖD) entlohnt werden und im Schnitt 300 Euro mehr bekommen“, sagte Berith Jordan, Verdi-Geschäftsführerin Lübeck-Ostholstein. „Das erhöht den Druck enorm, und das wird sich die Landesregierung auf Dauer nicht leisten können.“ Im Bereich Universitäten fallen etwa 800 Mitarbeiter unter den Tarifvertrag. Als positives Zeichen werte sie, dass die Landesregierung bereits drei Prozent zusätzliche Mittel in den Haushalt eingestellt habe, erklärte Jordan. Doch von den Arbeitgebern in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TDL) gebe es noch immer kein Angebot. Verdi, die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) fordern sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro pro Monat bei zwölfmonatiger Laufzeit.

„Wir gehen davon aus, dass die dritte Verhandlungsrunde Ende Februar entscheidend wird“, sagte Jordan. Im Moment mobilisierten die Gewerkschaften in den Betrieben. Man wolle gleiche Eingruppierungen erreichen wir bei den Beschäftigten von Bund und Kommunen sowie eine Übertragung des Abschlusses auf die Beamtenschaft und die Versorgungsempfänger.

Tarife im Einzel- und Großhandel werden verhandelt

Ab Mai verhandelt Verdi im Einzelhandel und im Großhandel über neue Tarife. Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Arbeitgeber aus den Verbänden austreten würden, stelle man sich auf harte Verhandlungen ein, erklärte Jordan. Beschäftigte im Einzelhandel würden zum Teil enorm unter Druck gesetzt. Verdi verhandele auch im Bereich Druck und Papier, bei der Abfallwirtschaft, für die Beschäftigten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und beim DRK.

Die IG Metall verhandelt über einen Tarifvertrag im Kfz-Handwerk, wo der Tarifvertrag im Sommer ausläuft. „Von 1500 Beschäftigten der Branche sind aber nur noch 300 im Tarif“, sagte Daniel Friedrich, erster Bevollmächtigter der IG Metall Lübeck-Wismar. Das Lohnniveau in den nicht tarifgebundenen Betrieben liege im Schnitt 20 Prozent darunter. Bei der Firma Smartwood (ehemals Knauf) in Stockelsdorf stehe die vierte Verhandlungsrunde an. Die IG Metall will auch die Wahloption zwischen zusätzlichen freien Tagen und einem Teil der Einkommenserhöhung ausweiten. Verhandlungen dazu würden unter anderem bei Kendrion Kuhnke in Malente geführt. Außerdem plane man eine Konferenz mit Vertretern kleiner Betriebe, zu der es bereits mehr als 100 Anmeldungen gebe.

Hausverträge bei Roder und Lichtenheldt

Die IG BCE fordert 5,5 Prozent mehr Lohn für die Papierindustrie, die in Schleswig-Holstein 1200 Beschäftigte hat. Im Oktober startet die Tarifrunden der Chemieindustrie, die Forderung der Gewerkschaft wird am 24. Mai in Brunsbüttel diskutiert. Es gehe auch darum, die Auswirkungen der Digitalisierung in Tarifverträgen zu berücksichtigen. Bei Codan in Lensahn, Roder Kunststofftechnik und Lichtenheldt in Wahlstedt geht es um neue Haustarifverträge, sagte Gewerkschaftssekretär Eckehard Sieg von der IG BCE.

Die Gewerkschaft NGG fordert eine Lohnerhöhung um 5,5 bis 6,5 Prozent und die unbefristete Übernahme von Auszubildenden nach erfolgreicher Ausbildung. „Auswirken könnten sich die Tarifverhandlungen vor allem auf Coca Cola in Mölln“, sagte NGG-Sekretär Dirk Himmelmann.

Herausforderungen: Digitalisierung und Klimawandel

Der 1. Mai stehe diesmal unter dem Motto „Europa. Jetzt aber richtig!“, sagte Juliane Hoffmann, Geschäftsführerin des DGB Schleswig-Holstein Südost. „Wir brauchen ein Europa, das zügig gemeinsame Lösungen findet, um die großen Herausforderungen wie die Digitalisierung, den Klimawandel, die Migrationsbewegungen und die großen wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten zu meistern.“ Der DGB Lübeck habe das Bundesvorstandsmitglied Stefan Körzell für den 27. März nach Lübeck eingeladen. „Dieser Tag soll unter dem Motto „Wohnen – wie willst du leben?“ stehen“, sagte Hoffmann.

Der aktuelle Fachkräftemangel nutze vor allem den Arbeitnehmern, die gut qualifiziert und wechselwillig sind, darin sind sich die Gewerkschafter einig. Aber beim Großteil der Beschäftigten herrsche nach wie vor eine hohe Betriebstreue.

Christian Risch