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Norddeutschland Das ist der erste Seeadler-Nachwuchs 2019!
Nachrichten Norddeutschland Das ist der erste Seeadler-Nachwuchs 2019!
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09:31 19.04.2019
Schleswig: Ein Seeadler sitzt mit einem Küken in seinem Nest auf der Schlossinsel. Quelle: Frank Molter/dpa
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Schleswig

Zurzeit ist Friedrich Neujahr fast täglich auf der Schlossinsel in Schleswig zu sehen. Seit Ende Januar ist sein Blick noch stärker als sonst auf den Seeadlerhorst am anderen Ende des Sees gerichtet. Denn die Brutsaison beginnt. Neujahr ist ehrenamtlicher Horstbetreuer der Projektgruppe Seeadlerschutz. «Manchmal stehe ich hier über Stunden», sagt er. Derzeit kann er wieder über einen Erfolg berichten. Ende März sind im Abstand von wenigen Tagen zwei Jungtiere geschlüpft.

An diesem Tag Mitte April steht trotz der kühlen Witterung nicht nur Neujahr am Rande des Parkplatzes des Museums Schloss Gottorf. Die Gottorfer Seeadler und ihre Küken ziehen weitere Vogelliebhaber an, die mit Ferngläsern, Spektiven und durch die Teleobjektive ihrer Kameras das Treiben auf dem Horst auf dem mehrere hundert Meter entfernten anderen Ufer des Sees verfolgen. «Hier kann man sie gut beobachten», sagt Neujahr. Viele andere Standorte in Schleswig-Holstein seien nicht so gut einsehbar.

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Insgesamt gibt es mittlerweile wieder gut 100 Brutpaare im nördlichsten Bundesland. Vor 50 Jahren sah die Situation noch ganz anders aus. 1968 lebten hier nur noch vier Brutpaare, wie Neujahr sagt. Aufgrund von Brutstörungen, Eierdiebstahl, aber vor allem weil Beutetiere mit dem seit Mitte der 1970er verbotenen Insektengift DDT verseucht waren, drohte der Bestand in Schleswig-Holstein vollständig zu erlöschen, wie Neujahr sagt.

Schleswig: Ein Seeadler fliegt über der Schlossinsel. Quelle: dpa

So werden die Seeadler geschützt

1968 wurde vom WWF Deutschland gemeinsam mit dem Landesjagdverband und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ein umfangreiches Greifvogelschutzprogramm ins Leben gerufen, die Geburtsstunde der heutigen Projektgruppe Seeadlerschutz.

Ehrenamtliche Betreuer beobachteten und schützten die letzten Brutpaare, Horstbäume wurden mit Stacheldraht gesichert. Gemeinsam mit Landwirten Jägern und Verbänden wurden Veränderungen bei der Jagd sowie landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Maßnahmen eingeleitet, sagt Neujahr. Nahrungsteiche wurden angelegt, Baumbestände angekauft und Feuchtgebiete erhalten.

Nach Angaben des WWF wurde das schleswig-holsteinische Projekt als internationales Projektmodell auch auf nordeuropäische Länder wie Schweden, Finnland und Norwegen übertragen. In Deutschland kaufte die Naturschutzorganisation in ausgewählten Gebieten Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs Wald- und Wasserflächen zum Schutz der größten mitteleuropäischen Greifvögel an.

Die intensiven Schutzmaßnahmen zeigten Wirkung: Ab 1985 nahm die Zahl der Brutpaare und der ausgeflogenen Jungvögel in Schleswig-Holstein nach Angaben der Projektgruppe zu. So gab es 1990 beispielsweise 20 Brutpaare und 25 Jungvögel, 2000 waren es 30 Brutpaare und 25 Jungvögel und 2010 60 Brutpaare und 75 Jungvögel. Mittlerweile sei der Bestand «beruhigend», sagt Neujahr. «Und die Kurve geht nach oben.» Auch bundesweit erholte sich der Bestand.

1,6 Jungen pro erfolgreichem Brutpaar

Im vergangenen Jahr begannen in Schleswig-Holstein nach Angaben der Projektgruppe 103 der 112 Paare mit der Brut. 77 von ihnen waren letztendlich erfolgreich und 133 Jungadler wurden flügge. Das entspricht im Schnitt 1,6 Jungen pro erfolgreichem Brutpaar. Ursachen für Brutverluste waren nach Angaben der Projektgruppe unter anderem in zwei Fällen der Absturz des Horstes durch Sturm und in zwei Fällen beabsichtigte Störungen.

Das Schleswiger Seeadlerpaar brütete 2014 das erste Mal in der Nähe der Schlossinsel. Für den Horst haben die Seeadlerbetreuer vor einiger Zeit eine Unterstützung gebaut - auch wenn sie von solchen Eingriffen in der Regel absehen. Aber das Paar habe sich für seinen Horst einen völlig ungeeigneten Baum ausgesucht, sagt Neujahr. Zweimal sei das Nest abgestürzt, zum Glück erst als die Jungtiere kurz vorm Ausflug standen. Daher sei ihnen nichts passiert. «Aber es wäre schade gewesen, wenn so etwas während der Aufzucht passiert wäre.» Daher habe man sich entschlossen, ein bisschen einzugreifen und einen Alternativ-Standort anzubieten. Mit Erfolg: Die Altvögel nahmen die Nisthilfe auf einem stabilieren Baum an.

37 bis 40 Tage brüten die Altvögel. Brutbeginn ist in der Regel zwischen Mitte Februar und Anfang März. «Dieses Paar ist immer eines der ersten in Schleswig-Holstein», sagt Neujahr. Das erste Küken in Schleswig schlüpfte am 26. März, das zweite am 31. März. Mittlerweile heben sie ihr Köpfchen beim Füttern schon so weit aus dem riesigen Nest, dass sie mit etwas Glück durch Fernglas und Teleobjektiv gesehen werden können. Nach 80 bis 90 Tagen sind die Jungen dann flügge. In der Regel werden sie aber noch bis zum Spätherbst im Revier geduldet, sagt Neujahr.

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RND/dpa