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Norddeutschland Baukindergeld vor allem im Norden gefragt
Nachrichten Norddeutschland Baukindergeld vor allem im Norden gefragt
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19:30 19.10.2018
Das Baukindergeld hilft Familien mit geringerem Einkommen, den Traum vom Eigenheim wahr werden zu lassen. Der Verband der norddeutschen Wohnungsunternehmen und die Grünen kritisieren die Förderung dennoch. Quelle: Karolin Reiß
Kiel

Das kleine Haus am Stadtrand oder im Grünen – im Norden erfüllen sich immer mehr junge Familien diesen Traum. Und sie nutzen dafür das neue Baukindergeld so rege, wie sonst nirgends in Deutschland. Das geht aus Zahlen des Bundesbauministeriums hervor. Nicht alle freut’s. Vom Chef des Verbandes der norddeutschen Wohnungsunternehmen VNW etwa kommt scharfe Kritik.

Familien können 12 000 Euro Fördergeld pro Kind bekommen

Die Union hatte das Baukindergeld auf Drängen der CSU in der Großen Koalition in Berlin durchgesetzt. Seit dem 18. September fließt es. Wer als Familie über weniger als 90 000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen verfügt, darf es beantragen. 12 000 Euro Zuschuss gibt es dann pro Kind vom Bund zum Hauskauf oder Hausbau dazu, verteilt auf zehn Jahresraten á 1200 Euro.

Der Bedarf scheint groß zu sein. 21 642 Familien haben das Baukindergeld zwischen 18. September und 12. Oktober bundesweit bereits beantragt. In Schleswig-Holstein kamen in diesem ersten Monat auf 100 000 Einwohner 34,4 Anträge, im Schlusslicht-Land Berlin waren es nur 8,7. Experten wie der Zittauer Professor für Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Stefan Kofner, führen den Vorsprung Norddeutschlands vor allem auch auf die im Vergleich zu süddeutschen Ballungsgebieten günstigeren Grundstückspreise zurück.

Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), fordert mehr Geschosswohnungsbau statt Einfamilienhausförderung. Quelle: OZ

Man bewertet jede Maßnahme, „die die Eigentumsbildung insbesondere junger Familien unterstützt, als sinnvoll“, sagt Kiels CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote. Die Schaffung von Wohneigentum sei schließlich auch die beste Art der Altersvorsorge. In Schleswig-Holstein werde daher auch schon traditionell viel Wohneigentum gebaut. Neben dem Baukindergeld müssten daher noch weitere Maßnahmen ergriffen werden, „um insbesondere sogenannte ’Schwellenhaushalte’ in die Lage zu versetzen, das für eine Baufinanzierung notwendige Eigenkapital aufzubringen“, sagt Grote.

Verbandschef fordert mehr Geschosswohnungsbau

VNW-Chef Andreas Breitner, ehemals SPD-Innenminister in Kiel, lässt an dieser Entwicklung hingegen kein gutes Haar. Der in Teilen Schleswig-Holsteins verbreitete Mangel an bezahlbarem Wohnraum „lässt sich nicht durch den Bau von Einfamilienhäusern beseitigen“, sagt Breitner. Dazu müssten mehr mehrgeschossige Wohnhäuser errichtet werden. Genau hier aber versage das Land. Es komme seiner Aufgabe nicht nach, die Landesplanung entsprechend zu ändern. Der Jamaika-Koalition fehle der Gestaltungswille, sie sei konzeptlos. Das Baukindergeld des Bundes trage dann seinen Teil dazu bei, dass gerade auf dem Land eher Baugebiete für Einfamilienhäuser ausgewiesen werden würden als für den Geschosswohnungsbau.

Das Baukindergeld

Das Baukinder­geld ist ein staatlicher Zuschuss, der nicht zurückge­zahlt werden muss. Der Zuschuss soll es Familien mit Kindern und Allein­erziehenden leichter machen, ein eigenes Haus oder eine Eigentums­wohnung zu finanzieren. Pro Kind erhalten sie 12 000 Euro, ausgezahlt in zehn jährlichen Raten zu je 1200 Euro. Voraussetzung für die Förderung ist, dass im Haushalt Kinder unter 18 Jahren leben, für die die Eltern Kindergeld erhalten. Das Haushaltseinkommen darf bei einem Kind höchstens 90 000 Euro pro Jahr betragen, für jedes weitere Kind steigt die Verdienstgrenze um 15 000 Euro an. Das geförderte Haus oder die Wohnung muss zum Kauftag die einzige Wohn­immobilie der Familie sein. Ausgezahlt wird das Fördergeld über die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau KFW. Allerdings kann das Fördergeld bei der Finanzierung des Hauses oder der Wohnung nicht als Eigenkapital angerechnet werden.

Dabei sind zumindest die Grünen in der Kieler Jamaika-Koalition ebenso unglücklich mit der Eigenheim-Förderung. „Das Baukindergeld ist ein riesen Fehler in der Wohnungsbaupolitik“, sagt deren Landtagsabgeordneter Andreas Tietze. Er werde das Bauen nur verteuern. Besser sei es, „in sozialen Wohnraum zu investieren“. Davon hätten vor allem Gruppen mit geringem Einkommen etwas, wie zum Beispiel Rentner und Studierende, aber auch Familien. Auch in der Bundes-SPD hatte es bei der Einführung große Bedenken geben.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies lobt das Baukindergeld als einen Baustein, „um das Wohnen in den eigenen vier Wänden attraktiver und bezahlbarer zu machen“. Quelle: Lutz Roeßler

Bei der SPD-Landtagsfraktion in Kiel kann man solche Kritik nicht nachvollziehen. „Baukindergeld ist ein Baustein, um das Wohnen in den eigenen vier Wänden attraktiver und bezahlbarer zu machen“, sagt deren finanzpolitische Sprecherin Beate Raudies. Wohnraum werde tatsächlich immer knapper, aber dieser Mangel an bezahlbarem Wohnraum sei inzwischen längst auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. „Mit dem Baukindergeld fördert der Staat Familien und trägt zur Entspannung am Wohnungsmarkt bei“, sagt Beate Raudies.

FDP-Fraktionschef Christopher Vogt plädiert dafür, sowohl Familien beim Eigenheimbau zu unterstützen, als auch private Investitionen in den Mietwohnungsbau steuerlich zu begünstigen. Quelle: dpa

Tatsächlich argumentieren viele Befürworter, dass die geförderten Familien durch den Hausbau ja meist eine Mietwohnung frei machen würden. Auch FDP-Fraktionschef Christopher Vogt will Geschoss- und Einfamilienhausbau daher nicht gegeneinander ausspielen. „Die Wahrheit ist doch: Wir brauchen beides“, sagt Vogt. Es gebe für beides eine Nachfrage, „und anders wird man nicht zu ausreichend neuem Wohnraum kommen, um die Immobilienpreise und Wohnkosten zu stabilisieren“. Das Baukindergeld ist dem Liberalen allerdings zu bürokratisch. „Wir wollen stattdessen jungen Familien Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer schaffen.“ Generell müsse mehr Bauland ausgewiesen werden. Für private Investitionen in den Mietwohnungsbau solle es zudem Steuererleichterungen geben.

Wolfram Hammer

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