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Norddeutschland Debatte um Handys an Schulen: Mehrheit im Norden gegen Verbot
Nachrichten Norddeutschland Debatte um Handys an Schulen: Mehrheit im Norden gegen Verbot
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16:49 05.08.2018
In Frankreich ist nach dem Parlamentsbeschluss die Nutzung von Handys, Tablets und Smartwatches in der ganzen Schule grundsätzlich tabu. Quelle: dpa
Kiel

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) denkt gar nicht daran: Ein generelles Handy-Verbot an Schleswig-Holsteins Schulen werde es mit ihr nicht geben. Kaum gesagt, geht die Diskussion um Nutzen oder Schaden dieser Technik von vorne los. Zuvor hatte Frankreich ein erweitertes Handyverbot für Schüler bis zu einem Alter von 15 Jahren beschlossen. Dabei liefern nicht einmal wissenschaftliche Studien ein einheitliches Bild.

Es müsse im Umgang mit dem Mobiltelefon klare Regeln an Schulen geben, sagte Prien Anfang der Woche, „aber eine zentralstaatliche Vorgabe ist uns fremd“. Schleswig-Holsteins Schulen könnten eine Handynutzung durch Schüler eigenverantwortlich regeln. In Frankreich ist nach dem Parlamentsbeschluss die Nutzung von Handys, Tablets und Smartwatches in der ganzen Schule grundsätzlich tabu.

Der Bundeselternbeirat hält nichts von Handys an Schulen – ein generelles Verbot lehnt er trotzdem ab. Handys störten den Unterricht, „da müssen wir uns nichts vormachen“, sagt der oberste Elternvertreter Stephan Wassmuth. Schulen seien aber technisch zu steinzeitlich ausgestattet, um auf mitgebrachte Handys ganz verzichten zu können. Thorsten Muschinski, Elternbeiratschef für schleswig-holsteinische Gemeinschaftsschulen, spricht sich gegen eine private Nutzung von Handys im Unterricht aus. Ein pauschales Verbot auf Schulhöfen sei aber Unsinn und nicht kontrollierbar. Es gebe im Übrigen unzählige Schulen, die durchdachte Konzepte entwickelt hätten.

„Jugendliche sollten mit den verschiedenen modernen Kommunikationstechniken altersgerecht vertraut werden“, fordert GEW-Landeschefin Astrid Henke. Allerdings, räumt Henke ein, hätten Handys einen hohen Ablenkungsfaktor. Lehrer sollten deren Nutzung im Unterricht untersagen können, beispielsweise bei Klassenarbeiten.

Auch die Opposition im Kieler Landtag widerspricht Prien nicht. Wer Handys an Schulen verbietet, müsse konsequenterweise den Computer verbannen, sagt Kai Vogel (SPD). „Handys bereichern den Unterricht absolut sinnvoll.“ Christopher Vogt (FDP): „Wir sollten unsere Kinder zu aufgeklärten Mediennutzern erziehen und den Reiz der heimlichen Nutzung nicht durch übertriebene Verbote erhöhen.“ Es sei auch ein entscheidender Unterschied, ob es um Grund- oder Oberstufenschüler geht.

Wissenschaftler streiten

Wissenschaftler streiten: Laut der Stiftung Kind und Jugend führt die tägliche Nutzung von Handys bei Kindern zu Störungen von Konzentration und Sprachentwicklung – und gar zu Fettleibigkeit. Andere Studien behaupten, dass jugendliche Handynutzer weltoffener sind.

Lars-Arne Walter, Konrektor der Grund- und Gemeinschaftsschule Kücknitz, hat die Erfahrung gemacht, dass Handys mitunter den Schulfrieden stören. Vor Abschlussarbeiten werden Smartphones an seiner Schule konsequent eingesammelt. Laut Schulordnung gilt sogar in den Pausen ein Handyverbot. Dringende Telefonate sollen Schüler über das Sekretariat führen.

Von Curd Tönnemann