Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Bauern: Wolf bedroht Existenz von Tierhaltern
Nachrichten Norddeutschland Bauern: Wolf bedroht Existenz von Tierhaltern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:50 22.11.2018
Wie umgehen mit dem Wolf? Darüber ist in Schleswig-Holstein eine lebhafte Debatte entbrannt. Quelle: dpa
Anzeige
Kiel

Der Kieler Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hat der CDU-Forderung nach einer Wolfsobergrenze und wolfsfreien Regionen in Schleswig-Holstein eine klare Absage erteilt. Der Bauernverband geht auf Konfrontation. Er fordert eine gezielte Tötung von Wölfen, wenn ein effektiver Schutz von Weidetieren nicht gelinge – und danach sehe es aus. Die Rückkehr des Wolfes könne für Weidetierhalter zu einer Existenzfrage werden.

CDU registriert veränderte Stimmung gegenüber Wölfen

„Die Stimmung, die die Rückkehr des Wolfes in unsere Breiten begrüßte, ist längst gekippt“, sagt Hauke Göttsch von der CDU-Landtagsfraktion. Seit Jahresanfang hat es im Land mindestens 56 Wolfsrisse gegeben, in den meisten Fällen waren Schafe die Opfer, dreimal waren es Kälber. „Wir müssen handeln. Es reicht nicht, nur immer mehr Geld in Schutzmaßnahmen vor dem Wolf zu pumpen.“ Die CDU verlange deshalb wolfsfreie Zonen, zum Beispiel an der Westküste, wo viele Schafhalter ihre Tiere auf nicht-einzäunbaren Deichen halten und herbe Verluste beklagen. Was dringend fehle, sei eine Bestandsaufnahme, wie viele Wölfe in Deutschland inzwischen heimisch geworden sind. Schätzungen sprächen von rund 1000 Tieren. Der CDU-Politiker empfiehlt einen Blick zu den europäischen Nachbarn: Frankreich habe sich auf eine Obergrenze von 500 Wölfen verständigt, in Schweden würden Wölfe bejagt, sobald die Grenze von 350 Wölfen im Land überschritten sei. „Warum geht das da und bei uns nicht?“, fragt Göttsch.

Anzeige

Bauernverband hält Zäune für nicht ausreichend

Der Landesbauernverband stellt in Frage, dass Schleswig-Holstein „überhaupt einen geeigneten Lebensraum für Wölfe darstellen kann“. Einzäunungen erwiesen sich als unzureichend und verhinderten Wolfsrisse nicht zuverlässig. „Es ist frustrierend, dass jede Region immer wieder erst ihre schlechten Erfahrungen machen muss“, sagt Generalsekretär Stephan Gersteuer. „Wolf und Weide, das passt einfach nicht zusammen – zumal in einem waldarmen Land wie Schleswig-Holstein.“ Der Bauernverband fordert ein „Bestandsmanagement“: Ab einer gewissen Population sollen Wölfe geschossen werden dürfen.

Minister Albrecht verweist auf Artenschutzrecht

Landwirtschaftsminister Albrecht sieht keinen Spielraum. Das Artenschutzrecht der EU schließe wolfsfreie Zonen aus. Es erlaube den Abschuss von Wölfen nur unter engen Voraussetzungen. Sein Ministerium habe klare Kriterien aufgestellt. In diesem Jahr habe noch kein einziger Wolf getötet werden müssen. Albrecht verweist auf die zahlreichen Maßnahmen, die die Landesregierung zum Schutz vor Wolfsrissen ergriffen habe. Dazu zählen einen Meter hohe Elektrozäune, die den Landwirten zur Verfügung gestellt werden. In diesem Jahr würden 400 000 Euro für Herdenschutz zur Verfügung stehen, im kommenden Jahr soll die Summe nach Ministeriumsangaben „deutlich aufgestockt werden“. Das Ministerium beschäftige sich intensiv mit der Frage, wie Nutztiere besser geschützt werden können.

Als Ansprechpartner für die Bevölkerung gibt es in Schleswig-Holstein aktuell 70 ehrenamtliche Wolfsbetreuer, zwölf von ihnen haben eine Zusatzausbildung aus Rissgutachter.

Abschuss nur nach Antrag

Für eine Abschussgenehmigung sind die oberste Naturschutzbehörde und das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume zuständig. Anträge sollen schriftlich gestellt werden, in Notsituationen geht dies aber auch telefonisch. Ist die Behörde nicht erreichbar, kann über die Notfall-Hotline des Wolfsmanagements (0174/63 30 335) eine Ansprechperson erreicht werden, die über die Tötung eines Wolfs entscheiden kann.

Curd Tönnemann