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Norddeutschland Defender 2020: USA bereiten Großübung im Norden vor
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18:42 19.11.2019
Die US-Armee wird in Deutschland ein großes Manöver abhalten. Inwieweit Schleswig-Holstein einbezogen wird, ist noch unklar. Quelle: dpa
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Lübeck/Kiel

Die US-Streitkräfte planen eine Großübung, wie es sie in den letzten 25 Jahren nicht gegeben hat: 37 000 US-Soldaten sollen im April und Mai im Rahmen von „Defender 2020“ nach Polen und ins Baltikum verlegt werden. 20 000 Soldaten davon werden über den Atlantik geschickt und verstärken bereits hier stationierte Kräfte. Logistische Drehscheibe der Übung, an der 19 Staaten beteiligt sind, ist Deutschland.

Transport über die Häfen Kiel und Lübeck?

Auch Schleswig-Holstein könnte bei dem umfangreichen Truppen-Transport eine Rolle spielen. „Besonders auf die Fähren von Kiel nach Klaipeda ist schon in der Vergangenheit gelegentlich militärisches Material verladen worden“, sagt der Kieler Hafensprecher Ulf Jahnke. „Auch der Lübecker Hafen war schon an militärischen Verladungen beteiligt.“ Mehr wolle er zu dem Thema derzeit nicht sagen.

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Alles ist noch in einer frühen Planungsphase. Die Bundeswehr, die den Truppentransport in Stärke einer US-Division durch Deutschland unterstützen soll, ist mit Detail-Informationen zurückhaltend. „Nach jetzigem Kenntnisstand“, sagt ein Sprecher der Streitkräftebasis, sei Schleswig-Holstein jedenfalls „nicht als zentraler Brückenkopf“ für das US-Manöver vorgesehen. Das deckt sich mit der Kenntnis des Landeskommandos Schleswig-Holstein, teilte dessen Sprecher mit.

Hamburger Flughafen eingebunden

„Das Kieler Innenministerium ist eng in die Planungen eingebunden“, sagt Sprecher Dirk Hundertmark. „Nach jetzigem Stand fließen aber keine nennenswerten Logistikströme durch Schleswig-Holstein.“ Sämtliche Fahrzeuge, Panzer und Hubschrauber sowie tonnenweise Material sollen jedoch über Deutschland angelandet werden. Der Großteil kommt voraussichtlich in den Nordseehäfen an und wird dann hauptsächlich per Schiene Richtung Osten weitertransportiert. Auch der Hamburger Flughafen soll ein wichtiger Verladepunkt sein. In der Lüneburger Heide sind drei sogenannte Convoy-Support-Zentren für die Marschkolonnen vorgesehen, auf dem Truppenübungsplatz Bergen werde eine Tankanlage aufgebaut.

Landeskommandos in der Pflicht

Da der Truppenübungsplatz Putlos dem im niedersächsischen Bergen unterstellt sei, sei nicht auszuschließen, dass auch dieser in die Übung eingebunden werde, mutmaßt der Lensahner Bundestagsabgeordnete und CDU-Verteidigungsexperte Ingo Gädechens. Fakt ist, dass die Bundeswehr die angefragten Unterstützungsleistungen im Rahmen des sogenannten „Host Nation Support“ über die Territorial- und Landeskommandos leisten soll. Es geht um Leistungen wie Transport und Versorgung, militärpolizeiliche Begleitung, Transitplanung und die zivil-militärische Zusammenarbeit.

Außer in der Luft und auf Straßen sollen Material und Soldaten auch auf Binnenschiffen und Schienen transportiert werden. Letzteres könnte zu zusätzlichen Verzögerungen im ohnehin sehr störungsbelasteten Bahnbetrieb führen, befürchten Kritiker. Die Streitkräftebasis der Bundeswehr schreibt auf ihrer Webseite von „Transportkolonnen in der Nacht auf deutschen Autobahnen, langen Güterzügen, die durch deutsche Bahnhöfe gen Osten rollen, Panzern auf Binnenschiffen“.

Grüne rügen „Säbelrasseln“

Die Kieler Landtagsfraktionen halten die zu erwartenden Umstände überwiegend für hinnehmbar. „Falls es zu verkehrstechnischen Einschränkungen für die Schleswig-Holsteiner kommen sollte, werden diese sicher Verständnis dafür aufbringen – sie sind als Land, das vom Tourismus lebt, an großes Verkehrsaufkommen gewöhnt“, meint Claus-Christian Claussen, bundeswehrpolitischer Sprecher der CDU. „Offenbar ist es leider notwendig“, urteilt FDP-Fraktionsvorsitzender Christopher Vogt. „Die Streitkräftebasis muss für einen möglichst reibungslosen Ablauf sorgen“, wünscht sich Kai Dolgner von der SPD. Kritik üben allein die Grünen: „37 000 Soldaten sind zu viel“, sagt deren Wehr-Experte Andreas Tietze. „Deutschland wird so zur Drehscheibe US-amerikanischer Großmachtphantasien. Trumps Säbelrasseln ist vollkommen unnötig.“

4000 Kilometer Wegstrecke

„Defender 2020“ gilt schon jetzt als die größte Übung seit dem Ende des Kalten Krieges und als die drittgrößte Verlege-Übung in der Geschichte der Nato. Personen und Material werden außerhalb Deutschlands schon ab Februar durch zehn europäische Länder gen Osten fahren. Die Truppen kommen mit Schiffen und Flugzeugen bei Nutzung von 14 See- und Flughäfen in den Niederlanden, in Belgien, Frankreich und Deutschland an. Die Strecke beträgt etwa 4000 Kilometer. „Mit der Übung geben die USA ein deutliches Bekenntnis zur Sicherheit Europas“, schreibt die Bundeswehr.

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Von Marcus Stöcklin