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Norddeutschland Verzicht auf Böllerverkauf an Silvester: Tierfreunde finden das gut
Nachrichten Norddeutschland Verzicht auf Böllerverkauf an Silvester: Tierfreunde finden das gut
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10:42 25.11.2019
Matthias Hargasser mit den Hunden seiner Tagesstätte. Silvester ist für viele der Tiere ein Problem. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

„Wir verkaufen schon dieses Jahr deutlich weniger Feuerwerkskörper und werden auch auf das Feuerwerk für unsere Kunden verzichten“, kündigt Jens-Dieter Haß (55), Marktleiter des Lübecker Hagebaumarkts an der Lohmühle an. Und das, obwohl voriges Jahr rund 1000 Zuschauer kamen, um das explosive Spektakel mitzuerleben. „Wir tun das aus Umwelt- und aus Tierschutzgründen“, sagt Haß. „Und wir beabsichtigen, nächstes Jahr dann gar keine Feuerwerkskörper mehr zu verkaufen.“Zuvor hatte bereits der Möllner Markt Werkers Welt angekündigt, auf das lukrative Böller-Geschäft zu verzichten. Stattdessen spende das Unternehmen für den Tierschutz.

Stress in der Hunde-Tagesstätte

Nicht wenige Kunden finden das gut, Tierhalter und Tierschützer sind dafür dankbar. „Ich habe längst mit der Knallerei aufgehört“, sagt Siegfried Hirsemann (49), Staplerfahrer aus Lübeck. „Zum einen, weil es mir zu teuer ist, zum anderen wegen der Tiere.“ Auch Christa Nagel (55, Hausfrau) ist gegen den Böller-Verkauf. „Früher hatte ich einen Hund, der hat immer sehr gelitten.“

Tiere leiden unter der Silvesterknallerei. Trotzdem sind nicht alle der Meinung, dass man sie völlig abschaffen sollte.

Matthias Hargasser (49) führt in die Lübeck die Hunde-Tagesstätte „Hundetrotter“. Bis zu 20 Hunde werden täglich bei ihm abgegeben. Von Silvesternächten kann er Geschichten erzählen. „Ein Hund hat vor Angst mal den Türrahmen zerbissen. Andere versuchen, sich im PVC-Boden einzubuddeln.“ Schon an den Tagen vor dem Fest, wenn die ersten Böller gezündet würden, weigerten sich manche der Vierbeiner, zum Gassi gehen vor die Tür zu gehen. „Sie trauen sich einfach nicht raus.“ Manche seien erst nach Stunden dazu zu bewegen, „wenn es gar nicht mehr anders geht“. Es sei auch schon vorgekommen, dass Hunde schließlich ihre Notdurft im Zimmer verrichtet hätten. Deswegen bestehe er inzwischen auch darauf, dass die Hunde vor Silvester abgeholt würden, sagt Hargasser.

Manche Tiere verlaufen sich

„Für Haustiere, aber auch für Wildtiere ist die Silvester-Knallerei sehr schlecht“, bestätigt Elena Iva Cujic (28) vom Lübecker Tierschutzverein. Hunde, Katzen und selbst die Vögel in den Bäumen bekämen bei Feuerwerken Stress und häufig Panik. „Hunde reißen sich von der Leine los, laufen weg, auch Katzen und Vögel fliehen.“ Weil die Tiere völlig verängstigt und verwirrt seien, fänden sie später oft nicht mehr zurück. „Jedes Mal bekommen wir zu Neujahr Anrufe wegen vermisster Tiere. Einige landen tatsächlich auch bei uns.“ Immer wieder komme es auch zu Verletzungen.

„Tiere haben grundsätzlich vor lauten Geräuschen Angst, wenn sie nicht wissen, wo es herkommt“, erläutert Tierärztin Juliane Meinert (54) aus Mölln. „Wenn sie sich in Panik verkriechen, kann es auch passieren, dass sie sich verletzen.“ Einige Tierhalter kämen daher vor Neujahr in ihre Praxis, um Beruhigungsmittel für ihre Schützlinge zu holen.

Hühner hüpfen von der Stange

Für Tauben und Hühner sei das alljährliche Feuerwerk ebenfalls ein Risiko, weiß Burkhardt Ehlert vom Rassegeflügelzuchtverein Bad Schwartau. „Die Hühner erschrecken sich und gehen hoch“, schildert der Züchter. „Sie sitzen ja nachts auf der Stange. Dann hüpfen sie runter finden im Dunkeln nicht zurück.“ Sein Stall liege weit genug abseits vom Stadtlärm, aber auch innerorts gebe es Geflügelhalter. Ein Böller-Verbot befürwortet Ehlert aber nicht.

Bärbel Weist (81) aus Lübeck-Kücknitz auch nicht. „Alles wird verboten“, winkt sie ab. „Die Jugend darf bald gar nichts mehr.“ Jedes Jahr knalle es an Silvester. „Die Tiere haben es überlebt.“

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