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Norddeutschland Der Kampf gegen den Schnee
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20:10 26.02.2018
Echte Handarbeit: Uwe Hempel und Jens-Uwe Nissen (r.) vom Lübecker Winterdienst sorgen für freie Wege.
Echte Handarbeit: Uwe Hempel und Jens-Uwe Nissen (r.) vom Lübecker Winterdienst sorgen für freie Wege. Quelle: Foto: Lutz Roessler
Lübeck

Rund 60 „gelbe Engel“ sind im Land unterwegs. „Wir haben die Zahl unserer Straßenwachtfahrer aufgestockt“, sagt Ulf Evert, Pressesprecher des ADAC Schleswig-Holstein. „In den vergangenen Tagen gab es deutlich mehr Einsätze.“ Hauptpannengrund: die Batterie. Evert appelliert an Verkehrsteilnehmer, langsam zu fahren und genügend Abstand zu halten. Und: „Türschlossenteiser sollte nicht im Auto aufbewahrt werden.“

Allen Autofahrern empfiehlt Peter Widereck eine regelmäßige präventive Inspektion. Der Pressereferent der Wirtschaftsgesellschaft mbH des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein/Mecklenburg-Vorpommern plädiert auch für passende Bereifung. „Ganzjahresreifen sind ein fauler Kompromiss. Vor allem jetzt haben Winterreifen einfach eine andere Qualität.“

„Unfälle gab es zum Glück noch nicht bei uns“, sagt Gerlinde Zielke vom Stadtverkehr Lübeck. Verspätungen müsse man jedoch einplanen. Gestern Morgen waren es zehn bis 30 Minuten. Die Pressesprecherin empfiehlt die kostenlose Echtzeit- App „dyfis“. „Damit kann jeder ganz genau sehen, welche Haltestelle wann angefahren wird.“

Die Entsorgungsbetriebe Lübeck sind mit 300 Mitarbeitern, 13 Großfahrzeugen, 30 Kleintreckern, sechs Unimogs und einigen Pritschenwagen Tag und Nacht im Einsatz. Zunächst würden Hauptverkehrsstraßen und Bushaltestellen angefahren, erklärt Pressesprecher Mirko Wetter. Grundstückseigentümer sind verpflichtet, den Schnee auf Gehwegen vor der Tür unverzüglich zu beseitigen.

„Wenn jemand stürzt und die Verletzungen nachweislich durch nicht geräumte Wege entstehen, kann das teuer werden“, warnt Wetter. Der Geschädigte und auch Krankenkassen könnten Schadensersatz fordern.

Auf der Website der Entsorgungsbetriebe sind Fragen zur Räumpflicht beantwortet.

Die Taxiunternehmen wünschen sich, dass neben Bushaltestellen auch ihre Stände verstärkt von der Stadt geräumt werden. „Viele Leute sind auf uns angewiesen“, sagt Claus-Peter Kettner von den Lübecker Funktaxen, „beispielsweise chronisch Kranke, die regelmäßig zum Arzt müssen“. Gestern Morgen konnten zum Teil keine Touren mehr angenommen werden, Vorbestellungen schon gar nicht. Mittags beruhigte sich die Situation etwas, blieb jedoch angespannt. „Wir sind in Habachtstellung, was die nächsten Tage bringen“, sagte Martina Scheel von City Taxi Lübeck. Claus-Peter Kettner bittet um gegenseitige Rücksichtnahme.

Ohne Schneeschieber geht gerade nichts. Die wandern derzeit in den Baumärkten besonders häufig über den Ladentisch. „Wir haben noch einiges aus den letzten Jahren vorrätig“, sagt André

Schröder vom Bauhaus Lübeck. Die Ware neige sich zum Ende der Woche sicher dem Ende zu. „Aber dann soll ja auch der Schnee nachlassen“, hofft er. Auch Kinderschlitten gingen gestern gut weg.

Trotz Schlitterpartien und Rodelvergnügen gute Nachrichten aus dem UKSH in Lübeck. „Wir müssen den Menschen großes Lob dafür aussprechen, dass sie sich so umsichtig bewegen“, sagt Pressesprecher Oliver Grieve. „Wir haben wetterbedingt keine übermäßige Belastung in der Notaufnahme.“ Das Problem sei eher die Influenza.

Dass Mitarbeiter später im Unternehmen ankamen, ist für viele Arbeitgeber kein großes Problem. „Beschäftigte können sich ihre Arbeitszeit flexibel einteilen“, erläutert Peter Müller vom Unternehmen Dräger. Auch bei Brüggen ist man bei Verspätungen kulant. „Viele arbeiten ohnehin Gleitzeit“, sagt Personalleiterin Jasmin Maack.

Die LN kann derzeit ebenfalls verspätet im Briefkasten landen, die Zusteller waren gestern zum Teil bis zum späten Vormittag unterwegs. „Auch bei uns hat die Grippe viele Kollegen lahmgelegt“, sagt Jana Pahl von der Madsack Logistik Nord. Sie hoffe auf das Verständnis der Abonnenten.

Für Privathaushalte hat Lars Hertrampf, Stadtwerke Lübeck, einen Tipp: „Anschlussleitungen sollten nicht zu sehr der Kälte ausgesetzt sein – Fenster im Keller schließen!“

Von Nina Gottschalk

26.02.2018
26.02.2018