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14:52 27.02.2017
Martin Luther bei der Übersetzung des Neuen Testaments auf der Wartburg: Pastor Erhard Graf hat die Szenerie aus Playmobil nachgebaut. Quelle: Fotos: Malzahn
Lübeck/Schwerin

Ach, hätte der Luther doch bloß ein Schiff gehabt. Dann wäre er damals vielleicht auch bis Lübeck gekommen. So schaffte es der große Kirchenreformator nie nach Schleswig-Holstein. Aber die Sache mit dem Schiff, die wird anlässlich von 500 Jahren Reformation in diesem Sommer nachgeholt. Am 4. Juli macht das Nordkirchenschiff an der Untertrave in Lübeck fest, zwei Tage später im Neustädter Hafen. Eine Segel setzende Kirche begeht mit dem Törn einen ihrer Höhepunkte zum Lutherjahr. Ein Ausblick.

Ganz dicht am Kirchenreformator: Mit Playmobil-Ausstellung, Aktionswoche und einem Segeltörn.

Von Stralsund bis nach Hamburg wird der Dreimaster „Artemis“ unterwegs sein, die gesamte Nordkirchen-Region abdeckend. „Denn Kirche ist wie ein großes Schiff“, sagt Bischof Gothart Magaard (Schleswig). Bis zu 90 Tagesgästen und 30 Übernachtungsgästen bietet der Traditionssegler Platz. Sowohl Tagesfahrten als auch mehrtägiges Mitsegeln sind buchbar. Für einige Touren gibt es noch Restplätze (Preis und Buchung: nordkirchenschiff.de).

Viele Feierlichkeiten zum Lutherjahr sollen zum Mitmachen anregen. Ein Beispiel ist die „Thesentür auf Wanderschaft“ im Kirchenkreis Plön/Segeberg. Eine Nachbildung des Wittenburger Schlosskirchenportals wird derzeit von Gemeinde zu Gemeinde weitergereicht, damit Bürger ihre Thesen anheften können. In Rendsburg sind die Anregungen auf einer nicht-wandernden Tür soeben veröffentlicht worden. „Wir brauchen mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt“, lautet These Nummer 1. Historischer Hintergrund der Aktion sind die 95 Thesen, die Martin Luther (1483–1546) vor 500 Jahren an die Wittenberger Schlosskirche genagelt haben soll.

Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg hat sich für das Reformationsjahr das Motto „Mut Macht Mensch“ gegeben. Laien beziehen dabei in Lübeck, Ratzeburg und Mölln von der Kanzel aus Stellung. Weil Luther ein geselliger Typ war, der viel für Speis und Trank übrig hatte, wartet Mölln am 11. März mit einem Luther-Bier auf. In Lübeck lädt eine Aktionswoche vom 10. bis 14. Mai auf dem Marienkirchhof Gläubige, Skeptiker, Suchende, Mutige und Zögerliche zur Stellungnahme ein.

Die Katholiken verschließen sich dem protestantischen Jubiläum im Übrigen nicht. Eine von mehreren gemeinsamen Veranstaltungen ist der ökumenische Kreuzweg zu Karfreitag, an dem die Bischöfin für Hamburg und Lübeck, Kirsten Fehrs, und der Hamburger Erzbischof Stefan Heße teilnehmen. Auf der Lübecker Freilichtbühne feiern die beiden Kirchen am Pfingstmontag einen ökumenischen Gottestdienst.

Motto: „Wo der Geist des Herrn weht, da ist Freiheit“.

Zusammengefunden haben auch die Museen von Schloss Gottorf in Schleswig und in Greifswald. „Luthers Norden“ zeigt vom 8. Oktober 2017 bis 28. Januar 2018 die Auswirkungen der Reformation in Mittel- und Nordeuropa. Luther und seine Zeit anschaulich zu machen, geht aber auch ganz anders. Pastor Erhard Graf hat im Gemeindehaus von Klein Wesenberg (Stormarn) eine ganze Lutherstadt aus Playmobil aufgebaut. Gruppen, auch Schulklassen, können das mittelalterliche Spektakel noch bis zum Jahresende anschauen (Besichtigung nach Absprache). „Schon seit zehn Jahren baue ich Bibelszenen aus Playmobil-Elementen nach, um meinen Konfirmanden anschaulich die Bibel zu vermitteln“, erläutert Graf.

Seit 1518 hatten die Ideen Luthers in Lübeck Einzug gehalten – „und zeitweise zu revolutionsartigen politischen Zuständen“ geführt, schreibt Archivar Jan Lokers in einer Chronik. Die Kritik an überkommenen kirchlichen Verhältnissen entzündete sich in der Hansestadt auch an Privilegien der Geistlichkeit am bischöflichen Dom. Der Rat der Stadt blieb noch lange bei einer ablehnenden Haltung gegen die kirchliche Neuordnung. 1526 ließ die Obrigkeit auf dem Markt öffentlich lutherische Schriften verbrennen. „Doch die Lübecker ließen nicht locker und entwickelten ungewöhnliche und kreative Protestformen“, sagt Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. Legendär sei der „Singekrieg“ gewesen, vergleichbar den heutigen Flashmobs: Menschen stimmten in den lateinischen Messgottesdiensten lauthals biblische Psalmen in der Volkssprache an.

Urheber der Reformation

Martin Luther (1483–1546) ist der Vater der Reformation. Der Theologieprofessor predigte von einem gnädigen Gott. Seine Bibelübersetzung veränderte die Gesellschaft. Entgegen Luthers Absicht kam es zur Kirchenspaltung: Neben der römisch-katholischen Kirche entstand der Protestantismus. Vor 500 Jahren schlug Luther am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg seine 95 Thesen an. Schon ein Jahr zuvor hatte Luther öffentlich gegen die Finanzpraktiken der Katholischen Kirche gewettert: Gegen Zahlung eines Geldbetrags sollten Ablassbriefe den Gläubigen die Sünden erlassen und sie und verstorbene Angehörige vor dem Fegefeuer bewahren. 1521 übersetzte Luther das Neue Testament auf der Wartburg ins Deutsche.

 Zum Jubiläumsjahr erhielt jede Kirchengemeinde der Nordkirche eine Lutherbibel 2017.

 Curd Tönnemann

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