Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Der Norden will die Masern-Impfpflicht
Nachrichten Norddeutschland Der Norden will die Masern-Impfpflicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:33 16.04.2019
Ist eine Masern-Impfpflicht sinnvoll? Das Kieler Gesundheitsministerium glaubt das. Quelle: Imago
Lübeck

Bis Mai werden noch technische und inhaltliche Fragen geprüft, sagte eine Ministeriumssprecherin am Montag. Die Haltung der einzelnen Bundesländer zu Spahns Vorstoß ist unterschiedlich: Während aus Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen skeptische Stimmen kommen, spricht sich die Mehrheit der Länder für eine Pflicht aus, darunter auch Schleswig-Holstein.

Der jüngste Masernausbruch in Schleswig-Holstein zeige, wie wichtig es sei, dass Menschen sich impfen und bestehende Impflücken geschlossen werden, erklärte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Krankheiten, die als ausgerottet galten, treten wieder vermehrt auf und sind somit eines der größten gesundheitlichen Risiken, sagte er mit Verweis auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Im Hinblick auf Masern müsse nun die Bundesregierung prüfen, wie Menschen besser geschützt werden können. Garg betonte: „Mit einer Impfung schützt man nicht nur sich selbst, sondern auch andere Menschen und insbesondere diejenigen, die nicht geimpft werden können.“

Der Kieler Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) ist für die Impfpflicht. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kita-Kinder müssen besonders geschützt werden

Für Kinder in Kindertageseinrichtungen ist der Masernschutz besonders relevant, wie aus einer kleinen Anfrage der FDP im schleswig-holsteinischen Landtag hervorgeht. Es bestehe ein enger Kontakt unter den Kindern, aber auch mit den Erzieherinnen und Erziehern, der eine Ausbreitung von Infektionskrankheiten begünstigt. Um dem vorzubeugen, müssen Eltern, die ihre Kinder in eine Kita schicken wollen, seit 2001 eine Impfberatung von einem Kinderarzt nachweisen können. Das schließt aber keine Pflicht für Impfungen ein.

Ob ein Kind geimpft wird oder nicht ist Entscheidung der Eltern. „Es ist natürlich begrüßenswert, wenn sie sich dafür entscheiden“, sagt Sybille Geyer, Leiterin der integrativen Kindertagesstätte „Beruf und Kind“ in Lübeck. Geier sieht vor allem die Gefahr für andere Kinder in der Einrichtung, wenn ein Kind nicht geimpft ist: „Und dann ist das mit der freiwilligen Entscheidung schon schwieriger.“ Letztendlich sei es Sache der Politik, über eine Impfpflicht zu entscheiden.

Ärzteverband sieht praktische Probleme

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland befürwortet die Masern-Impfpflicht. Allerdings dürfte diese nicht leicht umzusetzen sein – aus praktischen Gründen. Flächendeckend werde vor allem der Kombinationsimpfstoff für Masern, Mumps und Röteln hergestellt, aber kein Impfstoff allein gegen Masern in ausreichender Menge, erklärte Sebastian Groth. Er ist Sprecher des Landesverbandes und Kinderarzt. Außerdem sei unklar, wie die Pflicht umgesetzt und gegebenenfalls bei Missachtung sanktioniert werden soll. Persönlich hält Groth es für effektiver, sich auf die Aufklärung der Eltern zu konzentrieren und diese stärker in den Entscheidungsprozess einzubinden.

Impfquote noch nicht hoch genug

Um Masern als Krankheit zu eliminieren, empfiehlt die WHO, dass 95 Prozent der Kinder im Alter von 15 Monaten die erste Impfdosis bereits bekommen haben. Außerdem soll bei Kindern im Einschulungsalter ebenfalls eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werden, um den Schutz aufrechtzuerhalten. In den letzten Jahren sind die Durchimpfungsraten in Schleswig-Holstein zwar angestiegen, aber sie liegen immer noch unter dem von der WHO vorgegebenem Wert: 2014 lag die Impfquote der ersten Masernimpfung bei 91,6 Prozent in Schleswig-Holstein. Bei der Einschulung hatten nur 93,6 Prozent der Kinder beide Impfungen erhalten (Stand 2016).

Annabell Brockhues