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Norddeutschland Der Schulz-Effekt: SPD ist bester Laune
Nachrichten Norddeutschland Der Schulz-Effekt: SPD ist bester Laune
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SPD-Landeschef Ralf Stegner (l.) begrüßt stellvertretend für die vielen neuen Parteimitglieder gestern vier auf der Bühne in der Lübecker MuK: Michael Dalkowski, Friederike Wenk, Jandrik Meichsner und Tim Karkowsky (v.l.). Online konnte die Nord-SPD seit Wochenbeginn bereits 45 neue Mitglieder verbuchen. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

„Wir gewinnen! Ich freu' mich drauf, lasst uns kämpfen und diese Wahl zu einem großen Sieg für die Sozialdemokratie machen“, ruft Torsten Albig den begeisterten Delegierten in der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) zu. Und er strahlt, denn gerade eben ist er mit einem Traumergebnis zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl nominiert worden. 190 von 193 abgegebenen Stimmen erhält der SPD-Ministerpräsident, damit hat er sein sehr gutes Wahlergebnis vom letzten Mal noch gesteigert. Doch nicht nur das sorgt für beste Laune auf dem Parteitag, auch ein Mann, der gar nicht anwesend ist, aber in gefühlt jedem zweiten Satz vorkommt. Martin Schulz, der neue Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten.

Schon viele Parteieintritte – Landesparteitag in Lübeck wählt Torsten Albig zum Spitzenkandidaten.

„Schulz ist ein Glücksfall für uns. Er ist der Richtige zur richtigen Zeit und steht für den Aufbruch, den wir als SPD gebraucht haben“, sagt der Landtagsabgeordnete Wolfgang Baasch aus Lübeck. Eine „kluge Entscheidung von Sigmar Gabriel“ habe das erst möglich gemacht. Aus seinem privaten Umfeld kenne er schon zwei Leute, die jetzt spontan in die SPD eintreten wollen, sagt Baasch. „Ich bin begeistert, das ist ein richtig gutes Signal, das der Partei Auftrieb geben wird“, sagt auch Sandra Redmann, langjährige Landtagsabgeordnete aus Bad Schwartau. Sie schätzt an Schulz seine authentische Art und Ehrlichkeit. „Ich hab mir gewünscht, dass er es macht.“

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Von einer „sehr positiven Resonanz in Partei und Bevölkerung“ spricht Lübecks SPD-Parteichef Thomas Rother. „Schulz tut uns gut und gibt Mut und Kraft für die Wahlen. Jetzt bin ich gespannt darauf, welche persönlichen Schwerpunkte er setzt.“ Am Vorabend hatte die SPD sich über das neue ZDF-„Politbarometer“ gefreut – die Partei hat bundesweit um drei Prozentpunkte zugelegt. „Das zeigt, dass die Wähler die Nominierung von Schulz als Befreiungsschlag ansehen“, erklärt der frühere Finanzminister Claus Möller. Jetzt müsse Schulz liefern, in Sachen soziale Gerechtigkeit gebe es Nachholbedarf.

Eine, die Schulz seit langem kennt, ist die Europaabgeordnete Ulrike Rodust. „Ich bin fest davon überzeugt, dass er mit seiner verständlichen Sprache Menschen zurückholen kann, die den Politik-Apparat nicht mehr verstehen“, sagt sie. Es gehe Begeisterung durch die Partei, „und das ist großartig“.

Bereits 45 Online-Parteieintritte hat SPD-Landesgeschäftsführer Christian Kröning seit der Schulz- Nominierung gezählt, viele schriftliche würden hinzukommen. „Wir spüren in der Partei große Erleichterung. Jetzt ist die Bahn frei für einen hochmotivierten Wahlkampf.“ In der ersten Februarhälfte werde Schulz in den Norden kommen.

„Man merkt, da kommt etwas zurück, wir glauben an uns, und das ist extrem wichtig“, kommentiert Albig den Schulz-Effekt. „Er wird uns mit seiner Begeisterung anstecken.“ DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn sieht den Vorteil von „Hoffnungsträger“ Schulz auch darin, dass er nicht mit der Politik der großen Koalition verknüpft wird. „So kann er neue Ideen reinbringen.“

SPD-Landeschef Ralf Stegner hat ein glückliches Händchen mit der Liste zur Landtagswahl bewiesen. Auf den 48 Plätzen gab es keine einzige Kampfkandidatur. Hinter Torsten Albig folgen auf den Plätzen zwei bis sechs Serpil Midyatli, Stegner, Birgit Herdejürgen, Martin Habersaat, Sandra Redmann und Thomas Hölck. Bei der letzten Wahl hatte die SPD 13 Direktmandate und neun Plätze über die Liste gewonnen.

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, machte den Nordlichtern mit einer kämpferischen Rede Mut: „Vertraut auf Euch, ihr habt einen tollen Spitzenkandidaten. Und kämpft bis zum Umfallen, dann werdet ihr siegen.“

 Christian Risch

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