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Norddeutschland Der Wolf ist wieder da - was nun?
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09:35 08.12.2019
Ein Europäischer Wolf (Canis lupus lupus) streift durch ein Gehege im Wisentgehege. (Archivbild) Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Kiel

An der Westküste Schleswig-Holsteins treibt sich wieder ein Wolf herum. Zwei Dutzend Lämmer und Schafe soll er in den vergangenen Tagen in Dithmarschen gerissen haben. Die Schafhalter sind aufgeschreckt, haben Angst um ihre Tiere. In ihrer Whatsapp-Gruppe jagen sich die schlechten Nachrichten.

So soll der graue Jäger in Eggstedt in einer einzigen Nacht vier Schafe getötet, und fünf weitere so schwer verletzt haben, dass sie eingeschläfert werden mussten, meldet Veronika. Sonja schreibt, sie habe ein paar Kilometer nördlich in Tetenbüllspieker am helllichten Tag einen Wolf am Deich entlang laufen sehen. Zwei Stunden später will Peter einen Wolf zwischen Oldenswort und Witzwort entdeckt haben.

War es wirklich ein Wolf?

Es ist nicht sicher, ob diese Tiere wirklich zu jenen rund 270 erwachsenen Wölfen zählen, die nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz zurzeit in Deutschland leben. Es könnte auch ein Hund sein. Oder ein gerade erst eingewanderter Jungwolf aus Dänemark. Denn Jungwölfe machen sich nach Angaben des Wolfsinformationszentrums im Alter zwischen 6 und 22 Monaten auf die Suche nach einem eigenen Revier. Dabei wandern sie teils mehrere hundert Kilometer weit.

Bislang wurden in diesem Jahr sieben Wölfe in Schleswig-Holstein identifiziert, wie Julia Marre vom Kieler Umweltministerium sagt. Ihren Hunger stillten die Fleischfresser nicht nur mit Rehen und anderen Wildtieren. Seit Januar töteten sie 136 Schafe und zwei Kälber. 60 Schafe mussten eingeschläfert werden, nachdem sie von Wölfen angegriffen wurden.

Problemwolf «GW924m»

Bekannt wurde im Sommer der sogenannte Problemwolf «GW924m». Er ließ sich auch von normalerweise wolfsicheren Zäunen nicht stoppen. Daher erlaubte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) im Frühjahr einigen Jägern per Sondergenehmigung die Jagd auf ihn. Doch die waren bis heute erfolglos. «Die Gründe hierfür sind vielfältig», sagt Marcus Börner, Geschäftsführer des Landesjagdverbands.

Die Abschussgenehmigung gilt ausschließlich für den Wolf «GW924m». Bevor ein Jäger schießt, muss er also zu 100 Prozent sicher sein, dass er nicht ein anderes Exemplar des streng geschützten Wolfs vor der Flinte hat. Außerdem «war sein Streifgebiet in Schleswig-Holstein sehr groß, so dass die Wahrscheinlichkeit klein ist, ihn tatsächlich gezielt in der Landschaft anzutreffen», sagt Börner. «Zum anderen war die Anzahl der vom Ministerium beauftragten Entnehmer sehr gering.»

Schon vor 5000 Jahren heimisch

Sie durften auch nicht versuchen, den Wolf mit einem Köder in eine Falle zu locken. Wölfe anzulocken oder zu füttern ist nach dem Landesnaturschutzgesetz verboten, erklärt Ministeriumssprecherin Marre. Außerdem bevorzugt ein Wolf meist frische Beute. In der Regel kommt er nur dann zu einer angefressenen Beute zurück, wenn die Jagd in seinem Revier mühsam oder häufig erfolglos ist. «Bei uns ist die Nahrungsverfügbarkeit - Nutztiere und Wildtiere - allerdings hoch», erklärt Börner.

Der Wolf war schon vor 5000 Jahren in der Region heimisch, wie Knochenfunde aus der Zeit des Neolithikums belegen. In Dithmarschen verschwand er vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts. Bis dahin endete der Tod eines Wolfs mit einer Art Ritual: Ihm wurde das Fell abgezogen und der Kadaver am sogenannten Wolfsgalgen aufgehängt, schreiben Walter Denker und Malte Reichert vom Verein für Dithmarscher Landeskunde: Denn «die Tiere waren nicht einfach nur Jagdwild, sie galten als Dämonen und gleichsam Sinnbild des Bösen».

Wolfsmanagement in Schleswig-Holstein

Damals wurden die Bauern oft zwangsverpflichtet für aufwendige Treibjagden. Bei jenen sogenannten Klopfjagden wurde dem Wolf nicht nur mit Schusswaffen nachgestellt. Es wurden auch Netze gespannt oder Fangeisen ausgelegt. Oder man errichte «Schlagbäume», die mit ihrem Gewicht den Wolf töteten, schreiben Denker und Reichert. Oft wurde der Wolf auch mit Hilfe lebender Schafe in sogenannte Wolfsgärten gelockt, um ihn dort zu erlegen oder in tiefen Fallgruben zu fangen. Als effektivste Methode galt das Aufspüren der Wolfsbauten im Mai und Juni, um den Wolfsnachwuchs auszugraben oder auszuhungern.

200 Jahre nach seiner Beinaheausrottung ist das wahllose Töten von Wölfen laut EU-Recht verboten. Schleswig-Holstein begegnet dem Wolf stattdessen mit einem Wolfsmanagement, «das stetig evaluiert und den fachlichen wie quantitativen Anforderungen angepasst wird», sagt Ministeriumssprecherin Marre. Finanziell lässt sich das Land die Rückkehr des Wolfs einiges kosten. Seit den vermehrt auftretenden Wolfssichtungen und Wolfsrissen im Jahr 2015 wurden laut Umweltministerium rund 3,1 Millionen Euro ausgegeben.

Allein in diesem Jahr «wurden im Rahmen des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements bisher Ausgaben in Höhe von rund 1,98 Millionen Euro getätigt», sagt Marre. Das Geld wurde unter anderem gebraucht für genetisch-toxikologische Untersuchungen möglicher Wolfsrisse, wolfsabweisende Zäune und zur Regelung der von Wölfen angerichteten Schäden. Für das Umweltministerium ist klar: «Schleswig-Holstein ist auf das Auftauchen weiterer Wölfe gut vorbereitet.»

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