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Norddeutschland Dicke Luft: Stickstoffoxid-Belastung in Kiel am stärksten gestiegen
Nachrichten Norddeutschland Dicke Luft: Stickstoffoxid-Belastung in Kiel am stärksten gestiegen
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11:17 31.01.2019
Kiel: Autos und Lastwagen fahren auf dem Theodor-Heuss-Ring. Hier steht die Messstation in dem von Fahrverboten bedrohten Kiel. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Berlin/Kiel

Die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid hat in Kiel im vergangenen Jahr wieder deutlich zugenommen. Wie aus Angaben des Umweltbundesamtes hervorgeht, rangierte Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt 2018 mit einem Jahresmittel von 60 Mikrogramm je Kubikmeter Luft auf der Liste der am stärksten belasteten deutschen Städte auf dem dritten Platz nach Stuttgart und München.

Der Anstieg um vier Mikrogramm war der größte aller Städte, deren Jahreswerte für 2018 schon vorlagen. Die Messstation in dem von Fahrverboten bedrohten Kiel steht am viel befahrenen Theodor-Heuss-Ring. 2017 hatte das Jahresmittel dort 56 Mikrogramm betragen und im Jahr zuvor 65 Mikrogramm.

Die Stickstoffoxid-Werte in Lübeck sind hingegen unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft: in 2017 wurde ein Wert von 27 Mikrogramm gemessen, 2018 waren es 26 Mikrogramm.

23 Städte oberhalb der 40-Mikrogramm-Marke

Nachzulesen ist das in der Liste des Umweltbundesamtes mit den neuen Jahresmittelwerten für die Stickoxid-Belastung in Deutschlands Städte, die an diesem Donnerstag veröffentlicht werden soll. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) lagen die Zahlen vorab vor.

Das Datenkonvolut zeigt vor allem eines: Immer noch überschreiten fast zwei Dutzend Städte den EU-Grenzwert.

Die Grafik zeigt alle Messstationen in Deutschland, für die bereits Daten ausgewertet sind (rosa/rot = über Grenzwert, grün = unter Grenzwert):

Hamburger Luft wieder etwas sauberer

Die Luft in Hamburg ist im vergangenen Jahr ein kleines bisschen sauberer geworden. Die Belastung mit Stickstoffdioxid verringerte sich im Jahresmittel um drei auf 55 Mikrogramm je Kubikmeter Luft, geht aus einer Veröffentlichung des Umweltbundesamtes hervor.

Damit zählt Hamburg jedoch immer noch zu den am höchsten belasteten Städten in Deutschland. Insgesamt ging die Belastung auch in Deutschland leicht zurück.

Es gibt positive Entwicklungen

Doch es gibt offenbar noch weitere positive Entwicklungen. Besonders bemerkenswert: München, 2017 noch die Stadt mit der republikweit höchsten Stickoxid-Belastung, konnte sich deutlich verbessern. Der Jahresmittelwert sank dort um 12 Mikrogramm je Kubikmeter Luft im Jahr 2017 auf 66 im Jahr 2018. Eine Minderung, für die auch die Experten des Umweltbundesamtes noch eine schlüssige Erklärung suchen.

Lesen Sie auch: Der Streit über die Grenzwerte

Für die meisten anderen Städte oberhalb des Grenzwerts zeigen die neuen Daten geringfügige Verbesserungen der Luftqualität, oder die Werte sind im Vergleich zu 2017 unverändert. Beispiel Berlin: In der Hauptstadt lag der Mittelwert mit 49 Mikrogramm je Kubikmeter Luft 2018 genauso hoch wie im Vorjahr. In drei Städten – Kiel, Freiburg und Mannheim – wurde eine höhere Belastung gemessen.

Diese Tabelle zeigt alle Werte der Städte, die 2017 auf dem Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft lagen oder darüber:

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Stickstoffdioxide oder Stickoxide heißen die zahlreichen gasförmigen Oxide des Stickstoffs. Eine der Hauptquellen in der Atmosphäre sind durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle oder Öl entstehende Abgase. Aber auch Blitze tragen erheblich zur Erzeugung von Stickoxiden in der Atmosphäre bei, haben Wissenschaftler nachgewiesen. Studien belegen Gesundheitsgefahren. Nach einer Studie des Münchener Helmholtz Zentrums wurden für Jahr 2014 rund 6000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von Herzkreislauferkrankungen ermittelt, die auf eine Langzeitbelastung mit Stickstoffdioxid (NO2) zurückgeführt werden können.

Für NO2 gilt aktuell ein Jahresmittelgrenzwert für die Außenluft von 40 µg/m3. Dieser ist im Jahr 1999 auf Vorschlag der Europäischen Kommission aus dem Jahr 1997 von den EU-Mitgliedstaaten beschlossen worden. 2008 wurde er noch einmal bestätigt. Zugleich setzte man einen 1-Stunden-Mittelwert von 200 µg/m3 in Kraft, der höchstens 18-mal pro Jahr überschritten werden darf. Die EU-Kommission stützte sich bei ihren Grenzwert-Vorschlägen auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Von Rasmus Buchsteiner/RND/dpa

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