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Norddeutschland Die Dauer-Hitze fordert ihren Tribut
Nachrichten Norddeutschland Die Dauer-Hitze fordert ihren Tribut
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20:10 01.08.2018
Ein außergewöhnlicher Sommer: Die Elbe bei Dömitz hat Niedrigwasser. Quelle: dpa
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Lübeck/Lauenburg

In der Elbe seien die Wasserstände inzwischen an vielen Stellen so niedrig, dass der Pegel von Peilbooten nicht einmal mehr gemessen werden könne, sagt Tilman Treber, kommissarischer Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Lauenburg. Fähren mussten zeitweise den Verkehr einstellen. In Dresden ist der Pegel unter 46 Zentimeter gefallen.

Der Hitze-Hammer zeigt Auswirkungen. Niedrigwasser behindert die Binnenschifffahrt auf vielen Flüssen, Fische geraten in Stress, die Bahn kann Schienen nicht reparieren und unsere Polizisten dürfen auf ihr wichtigstes Erkennungsmerkmal verzichten: die Dienstmütze. Die hochsommerlichen Temperaturen bringen einiges durcheinander.

Die Dampfschifffahrt ruht. Härter trifft’s die Binnenschifffahrt: Wegen Niedrigwassers können die Schiffe nur mit halber Ladung fahren. Deshalb müssen doppelt so viele Frachter eingesetzt werden.

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Dafür werden bereits ausgemusterte Schiffe reaktiviert. Das bedeutet höhere Kosten. Auf künstliche Wasserstraßen wie den Elbe-Lübeck-Kanal hat die Trockenheit dagegen kaum Einfluss. Die Wasserstraße sei für Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu zwei Metern offen, sagt Treber.

Polizisten dürfen Dienstmützen absetzen: Wegen der Hitze brauchen Schleswig-Holsteins Polizisten derzeit keine Dienstmützen zu tragen. „Die Einhaltung der Bekleidungsvorschrift ist wichtig, muss aber bei solchen Witterungsbedingungen selbstverständlich gelockert werden“, sagte Innenstaatssekretär Torsten Geerdts (CDU). „Entscheidend ist doch, dass unsere Polizeikräfte mit einem kühlen Kopf ihren Dienst verrichten. Wie das bei dieser Hitze möglich ist, wissen sie selbst am besten.“ In der vergangenen Woche hatte es Kritik an den Mützen gegeben: Ihr Kunstlederbezug heize sich bei dem Wetter stark auf. Die Polizei stellt ihren Beschäftigten zudem landesweit gekühltes Wasser zur Verfügung und ermöglicht vorübergehend flexiblere Arbeitszeiten. Feuerwehrleute müssen ihre volle Montur im Übrigen anbehalten – aus Sicherheitsgründen. Das gilt auch für Handwerker, die Sicherheitsschuhe tragen müssen.

Blutkonserven werden knapp: Für fünf Tage reicht die Bevorratung von Blutkonserven beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) üblicherweise. Jetzt reiche der Vorrat nur noch für zwei bis zweieinhalb Tage, sagt DRK-Sprecherin Kerstin Schweiger. Viele Stammspender würden aufgrund hitzebedingter Kreislaufbeschwerden kein Blut abgeben können. „In der nächsten Woche könnte es zu ernsthaften Engpässen kommen“, sagt Schweiger. Beim Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) müssen Blutkonserven inzwischen zugekauft werden. „Aber auch das ist nicht mehr uneingeschränkt möglich“, erklärt Dagmar Steppat, Bereichsleiterin am Institut für Transfusionsmedizin.

Bahn kann Schienen nicht reparieren: Auf der Bahnstrecke Hamburg–Lübeck kommt es derzeit immer wieder zu Verspätungen. Grund sind Gleisverwerfungen zwischen Hasselbrook und Hamburg-Hauptbahnhof. „Die Verwerfungen sind nicht gefährlich und könnten mit einer so genannten Stopfmaschine repariert werden“, erläutert Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst. „Das Problem: Die Maschine kann bei Hitze nicht eingesetzt werden.“ Solange es heiß bleibt, werde der Zugverkehr eingleisig an der betroffenen Stelle vorbei geleitet. In der Regel gebe es dadurch keine Verzögerungen.

Wenn sich ein anderer Zug jedoch verspätet, könne es dadurch zu kurzen Wartezeiten an dem Engpass kommen.

Fischsterben: Schön zum Baden, Stress für Fische: Auf über 25 Grad hat sich das Wasser vielerorts erwärmt. „Es gibt Arten, die ab 28 Grad Schwierigkeiten haben. Der Großteil der Fische ist aber an solche Temperaturen angepasst“, sagt Christian Wolter, Fachmann für Biologie und Ökologie der Fische am Berliner Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). „Viele Fische halten auch über 30 Grad aus.“

An einigen Stellen in Hamburg kam es dennoch zum Fischsterben. Die Tiere seien wegen des niedrigen Sauerstoffgehalts im Wasser verendet, teilte die zuständige Behörde mit. Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff als kaltes. Durch die jüngsten heftigen Niederschläge in Hamburg seien von den Feldern viele Nährstoffe in den Oberlauf der Alster gespült worden. Das habe den Sauerstoffmangel vermutlich verschärft. In Schleswig-Holstein sterben Fische laut Umweltministerium, weil einzelne Oberläufe von Flüssen inzwischen trockengefallen sind.

Badeverbote wegen Blaualgen: Wegen der großen Hitze haben sich an mehreren Badestellen in Schleswig-Holstein Blaualgen gebildet. Derzeit gibt es Badeverbote am Luisenbad in Schleswig, an der Badestelle Herrenteich im Kreis Stormarn (die LN berichteten) und an einer von drei Badestellen am Borgdorfer See (Kreis Rendsburg- Eckernförde). Das hat das Kieler Gesundheitsministerium mitgeteilt. An den anderen beiden Badestellen am Borgdorfer See gibt es nur eine Badewarnung wegen Blaualgen. Blaualgen können bei Menschen zu allergischen Reaktionen und Hautreizungen sowie Atemproblemen führen. Verschluckt man zu viel Wasser, können auch Übelkeit und Erbrechen auftreten. ctö/ba

LN