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Norddeutschland Umfrage an der A 1: Sind Sie für ein Tempolimit?
Nachrichten Norddeutschland Umfrage an der A 1: Sind Sie für ein Tempolimit?
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11:20 30.01.2019
Tempo 120 auf der A 1 bei Großhansdorf. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Buddikate

Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen? Die Klima-Arbeitsgruppe der Bundesregierung hatte zuletzt die Debatte um Tempo 130 ausgelöst. Bundesregierung und Bundesverkehrsminister sprachen sich jetzt dagegen aus. Empfehlungen der Kommission gibt es noch nicht, sie sollen Ende März vorliegen. Doch was sagen Autofahrer? Die LN haben sich an der A 1 umgehört.

„Wo die Autobahn durch Innenstädte geht, bin ich für ein Tempolimit. Da ist 120, 130 in Ordnung. Aber wenn wir auf die freie Autobahn gehen, wo dreispurig ausgebaut ist, macht ein Tempolimit keinen Sinn. Das regelt sich dann von selbst, je nach den straßenbaulichen Gegebenheiten“, sagt Kai Schulze (56), der Kapitänleutnant bei der Marine ist.

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Das Tempolimit bewegt die Menschen im Norden. Wir waren auf der A-1-Raststätte Buddikate und haben mit Autofahrern gesprochen.

„Ich fahre gerne schnell“

„Ich bin dagegen, weil das eine Behinderung wäre“, ist Patrick Döbel (33) aus Ahrensburg überzeugt. Der Mechaniker ist viel unterwegs. „Die Langsamfahrer sind es doch meistens, die nicht in Rückspiegel gucken, bevor sie ausscheren“, begründet er. „Ich fahre gerne schnell“, meint auch sein Kollege Daniel Salomon (31), der aus Hamburg ist. „120, 130 ist sowieso meist der Tempodurchschnitt. Wenn es mal schneller geht, sollte man das ausnutzen.“

Gerwin Linkiewicz (55) ist Lkw-Fahrer. „Da hab’ ich sowieso mein Limit“, sagt er. „Ab und an möchte man schneller. Vor allem privat will ich nicht nur 120 fahren.“ Sein Opel schaffe 180 km/h.

„Ich weiß, dass wir das einzige Land in Westeuropa sind, das kein Tempolimit hat“, erklärt Hannes Donat (76). „Trotzdem bin ich dafür, dass es eingeführt wird.“ Dabei gehe es ihm nicht um eine verringerte Umweltbelastung durch weniger Schadstoffausstoß, sondern um die Sicherheit. „Langsam ist sicherer, das ist eine physikalische Regel.“

„Langsamer ist sicherer“

„Die Gefahren sind geringer, wenn man langsamer fährt“, ist auch Christian Döring (32), Lkw-Fahrer aus Büttel bei Brunsbüttel, überzeugt. „Auf der Landstraße 80, auf der Autobahn 130“, ist sein Credo. „60 auf Landstraßen wäre zu langsam, da überholen die Leute. Bei 80 geht es“, so seine Erfahrung. Auf der Autobahn werde er bei 130 weniger überholt.

„Ein Tempolimit muss nicht sein“, glaubt dagegen Salim Jüntgen (28) aus Hamburg. „Ich arbeite im Lieferservice. Manchmal muss man ein bisschen draufdrücken.“

Guido Schoch (42), Außendienstmitarbeiter aus Oberhausen, ist ebenfalls viel unterwegs, hätte aber gegen ein Tempolimit nichts einzuwenden. Viele Möglichkeiten, schneller als 130 zu fahren, biete der Verkehr ohnehin nicht. „In den Niederlanden haben sie auch ein Tempolimit, das ist eigentlich ganz angenehm.“

Auch Yvonne Kohlstruck (42) aus Osterrode im Harz ist gegen schnelles Fahren. „Wenn alle langsamer fahren, ist es entspannter.“ Michael Braun (62) argumentiert mit der Autoindustrie, die in Deutschland viele Arbeitsplätze sichere. Für diese sei es besser, kein Tempolimit zu haben. „Für den Feinstaub ist das sowieso keine Lösung“, sagt der Unternehmensberater aus Kiel.

Alica Dombrowski (30) ist der Ansicht, ein Limit sei unnötig. Wolle jemand sein Auto ausfahren, sei das für sie kein Störfaktor. „Es gibt doch eigentlich gar nicht so viele Raser.“

Tempolimits im Norden

Von den 545 Autobahn-Kilometern in Schleswig-Holstein sind derzeit knapp 200 Kilometer mit einem Tempolimit belegt. So wird die Geschwindigkeit etwa an Autobahnkreuzen heruntergeregelt oder auf einigen Strecken nachts aus Lärmschutzgründen. Eine Ausweitung der Begrenzungen lehnt Kiels FDP-Verkehrsminister Bernd Buchholz ab. Mobilität zu organisieren heiße, die Menschen so schnell wie möglich von einem Ort an den anderen zu bringen, sagt der Liberale. Das hohe Tempo auf den Autobahnen im Norden führe auch nicht zu mehr Unfällen. „Zu denen kommt es eher auf Landstraßen und bei ganz unangepasster Fahrweise, etwa im Nebel.“ Unter Umweltgesichtspunkten gelte es, die Industrie dahin zu pushen, emissionfreie Fahrzeuge zu bauen - und dann mit denen sichere Mobilität in der größtmöglichen Geschwindigkeit hinzubekommen, sagt Buchholz.

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Marcus Stöcklin