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Norddeutschland Die Grömitzer Seenotretter: Nonstop bereit für den Einsatz auf der Ostsee
Nachrichten Norddeutschland Die Grömitzer Seenotretter: Nonstop bereit für den Einsatz auf der Ostsee
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17:30 25.06.2019
Sie retten Leben auf See. Zwei Wochen lang ist die Grömitzer Besatzung des Seenotkreuzers „Hans Hackmack“ deshalb in Bereitschaft. Doch wenn sie nicht im Einsatz sind, haben sie allerhand zu tun. Vormann Guido Förster und seine Crew geben einen Einblick in die alltägliche Arbeit der Seenotretter. Quelle: Lutz Roessler
Grömitz

Am Ende von Steg 6 im Grömitzer Yachthafen liegt er – der Seenotrettungskreuzer „Hans Hackmack“. Unverkennbar scheint der orangefarbene Aufbau durch den Masten-Wald. Es ist 9 Uhr morgens. Schichtwechsel bei den Seenotrettern.

Zwei Wochen ist die vierköpfige Besatzung von nun an rund um die Uhr auf dem 23,1 Meter langen Kreuzer in Bereitschaft und sorgt für die Sicherheit der Menschen in der Lübecker Bucht. Havaristen bergen, abgetriebene Surfer retten und Yachten aus Notlagen schleppen: Das sind ihre Aufgaben. Doch was ist mit der restlichen Zeit, wenn mal kein Einsatz ruft? Ein Leben im zweiwöchigen Einsatz – nervt das nicht? Fehlanzeige. Der Alltag der Besatzung ist vollgepackt mit Aufgaben.

Sie retten leben auf See. Doch wenn sie nicht im Einsatz sind, hat die Besatzung allerhand zu tun. Instandsetzung, Training, Prüfen – ein Einblick in den Alltag der Seenotretter.

Die Schicht für die Crew beginnt in der Messe des Schiffes, dem Äquivalent zu einem Wohn- oder Esszimmer. Mit einer Tasse Kaffee sitzen die vier Crewmitglieder, der Vormann Guido Förster, der erste Maschinist Peter Schuppenhauer, der dritte Maschinist Volker Erdmann und Flottenspringer Uwe Wunram, an dem runden Tisch. Dieser ist Essens-, Behandlungs- und Bürotisch – alles in einem.

Dort beginnt Förster mit dem Update der Crew: Das gibt es Neues, diese Reparaturen wurden getätigt, diese Einsätze wurden gefahren und so liefen die Pressetermine und öffentlichen Veranstaltungen. Es gibt einiges zu besprechen. Und neben der technischen Absprache dürfen private Dinge nicht fehlen. „Wenn man die Hälfte seines Arbeitslebens zusammen verbringt, werden auch besondere Dinge von Daheim besprochen“, sagt Förster.

Das Miteinander muss passen

Die ganze Schicht – also zwei Wochen Nonstop – verbringt die Besatzung auf engstem Raum. Längere Abwesenheiten von Bord sind nicht möglich, da es jederzeit zum Einsatz kommen könnte. „Das muss dann schon untereinander passen“, sagt Volker Erdmann. Vor elf Jahren kam der gelernte Kfz-Meister an Bord des Seenotkreuzers. Mit den unüblichen Arbeitszeiten hat er sich bestens arrangiert. Erdmann: „Die Gruppe muss schon homogen sein, dann passt‘s.“

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Lagerkoller ist auch für den erfahrenen Seemann Guido Förster kein Thema. Viele Jahre fuhr er auf Containerschiffen als nautischer Offizier zur See und war Monate unterwegs. „Zwei Wochen sind im Vergleich dazu auf einer Pobacke abgesessen.“ Man gewöhne sich an den Rhythmus: entweder Arbeit oder Freizeit.

Die langen Schichten an Bord machen ihm nichts aus. Mehr noch – er zieht seinen Job an Bord dem an Land vor. Sein Vergleich: „An Land gibt es Pendler, die verbringen Stunden ihrer Freizeit im Auto. Da finde ich es sinnvoller, die Tage durchzuarbeiten und dann aber auch wirklich frei zu haben.“

Die Zeit nach der Schicht

Denn nach zwei Wochen Schicht geht es für die gleiche Zeit nach Hause. Hier wird dann alles nachgeholt, was liegen geblieben ist: Arzttermine, Behördengänge, Einkaufen, das Haus reparieren. „Man wundert sich schon, wie schnell dann die Zeit vergeht“, sagt Erdmann. Ob ihn das lange fern sein von der Familie stört? „Nein überhaupt nicht, denn beide Welten haben etwas Besonderes für sich.“

Nachdem die persönlichen Dinge geklärt sind, geht es an die Arbeit. Nun kümmert sich ein jeder um seinen Spezial-Bereich. Die Maschinisten verschwinden im Maschinenraum. Die Besatzung des Tochterboots „Emmi“, das auf dem Heck des Kreuzers im Huckepack-Prinzip liegt, bespricht Erfahrungen aus den Einsätzen. Für Schiffsführer Guido Förster geht es auf die Brücke. Wie in einem Büro müssen auch auf der „Hans Hackmack“ Briefe beantwortet oder Rechnungen bezahlt werden.

Einsatzbereit zu jeder Zeit

Zwischen 8 und 17 Uhr hat die Besatzung Tagesdienst. In dieser Zeit werden die Kontrollarbeiten und Trainingseinheiten absolviert. Danach ist die Crew auf Standby. „Tritt ein Problem auf, dann wird so lang gearbeitet, bis es gelöst ist“, sagt Förster. Dann könne der Einsatz auch mehrere Stunden am Stück dauern. Zu jeder Zeit gilt die oberste Devise: Die Technik und das Rettungsequipment müssen immer einsatzbereit sein. Deshalb sind auch die 2700 PS starken Motoren ständig vorgeheizt, sagt der erste Maschinist Peter Schuppenhauer. Förster ergänzt: „Das Ziel ist, dass wir in fünf Minuten in der Hafeneinfahrt sind und auf See fahren.“

Grömitz: Strategisch guter Heimathafen

Entlang der gesamten deutschen Küste sind Seenotretter stationiert. Ähnlich wie beim Rettungsdienst an Land werden die Einsätze über eine Leitstelle koordiniert. Bei der Hans Hackmack geht das kleinere Einsatzgebiet von Dahme bis Pelzerhaken. Größere Einsätze werden in der gesamten Lübecker Bucht bis nach Kühlungsborn gefahren.

Strategisch ist der Liegeplatz in Grömitz besonders günstig, da in unmittelbarer Nähe die Route der großen Fähren Richtung Skandinavien vorbeiführt.

Mit dieser Devise gehen zahlreiche Aufgaben einher: Wie der eigene Haushalt muss das Schiff jederzeit geputzt und aufgeräumt sein. Die vielen Navigations- und Kommunikationsanlagen werden regelmäßig überprüft. „Wir machen Kontrollfahrten, bei denen wir alle Häfen und Seebrücken in der Lübecker Bucht anfahren“, sagt Förster. Dort werden Probe-Anlegemanöver gefahren, um im Ernstfall die Verletzten schnellstmöglich an Land zu bringen und an den Rettungsdienst zu übergeben.

Eine weitere Aufgabe ist der Umgang mit den zahlreichen Rettungsgeräten an Bord. Das Bedienen der Feuerlöschkanone, Erste-Hilfsmaßnahmen, die Bergung oder das Schleppen von havarierten Schiffen trainiert die Crew regelmäßig. „All diese Dinge muss jedes Crewmitglied im Schlaf beherrschen“, sagt Vormann Förster.

Das nimmt eine Menge Zeit in Anspruch, da nicht nur die festen Crew-Mitglieder, sondern auch die freiwilligen Kollegen alle Geräte beherrschen müssen. „Nicht in Perfektion, aber jeder muss den Aufgabenbereich des anderen verstehen und übernehmen können.“ Ein immenser Lehrauftrag: Von den rund tausend Seenotrettern in Deutschland sind 800 Freiwillige.

Die Seenotretter live erleben

Die Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch Spenden und freiwillige Zuwendungen finanziert. Um über ihren Job zu berichten und auf ihn aufmerksam zu machen, veranstalten die einzelnen Stationen unterschiedliche Events.

Filmvortrag über die Arbeit der Seenotretter;

Grömitz: Do., 4. Juli, und 8. August, um 19.30 Uhr im Carat Golf und Sporthotel Residenz, Strandallee 4. Kellenhusen: Do., 11. Juli, und 22. August, um 19.30 Uhr im Kursaal, Strandpromenade 15. Timmendorfer Strand: am 31. Juli, am 15. August und am 17. September um 19.30 Uhr in der Trinkkurhalle, Kurpromenade 7.

Zuvor haben Interessenten die Gelegenheit, den in Grömitz stationierten Seenotkreuzer von 16 bis 18 Uhr an der Grömitzer Seebrücke zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

Der Tag der Seenotretter findet in diesem Jahr am 27. und 28. Juli im Neustädter Hafen statt.

Abseits der Veranstaltungen freuen sich die Seenotretter, Interessierte über ihr Boot zu führen. Einen Termin können Sie unter Tel. 0421/ 53 707 666 oder per Email an besichtigung@seenotretter.de vereinbaren.

Weitere Informationen zu der Arbeit der Seenotretter finden Sie unter www.seenotretter.de.

Fabian Boerger

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