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Norddeutschland Kieler Umweltminister drängt auf vorzeitige Schließung
Nachrichten Norddeutschland Kieler Umweltminister drängt auf vorzeitige Schließung
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19:55 21.01.2019
Blick über die Deponie Ihlenberg bei Schönberg: Geschäftsführer Norbert Jacobsen (l.) weist Kiels Grünen Umweltminister Jan Philipp Albrecht ein. Der Minister macht sich jetzt für eine vorzeitige Schließung der Deponie stark. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck/Selmsdorf

Schleswig-Holsteins Landesregierung drängt auf ein eine vorzeitige Schließung der Deponie Ihlenberg. Das machte Kiels Grünen-Umweltminister Jan Philipp Albrecht am Montag bei einem Besuch des Geländes in Selmsdorf in Mecklenburg-Vorpommern, direkt vor den Toren Lübecks, deutlich. Der Minister erhöht damit den Druck auf das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium in Schwerin, die für die Sondermülldeponie zuständig sind.

Immer wieder Ärger mit den Altlasten – zuletzt war es Tritium

Eigentlich soll die Deponie bis 2035 Sondermüll aufnehmen. Immer wieder aber gab und gibt es aber Sorgen um eine mögliche Verunreinigung des Lübecker Grundwassers durch die Altlasten auf dem Gelände. Zuletzt wurden Anfang Dezember bekannt, dass im Sickerwasser der Deponie erneut erhöhte Tritium-Werte gemessen worden waren. Zunächst hatte Albrecht zögerlich darauf reagiert, jetzt macht er Druck auf Schwerin. Am Montag dann jetzt der Vor-Ort-Besuch des Grünen-Politikers in Selmsdorf.

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Lesen Sie mehr: Lübecks Angst vor den Müll-Altlasten

Und dort sprach Albrecht Klartext. Es sei absolut richtig, „dass auf mecklenburg-vorpommerischer Seite über eine frühzeitige Schließung der Deponie nachgedacht wird“, sagte der Minister. Das gelte umso mehr, als die 113 Hektar große, von der landeseigenen Gesellschaft IAG betriebene Anlage auch durch eine aktuelle Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Greifswald unter Druck gerät. So muss für eine geplante Erweiterung des Müllbergs jetzt zusätzlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung samt Anhörung der Öffentlichkeit durchgeführt werden.

Schleswig-Holstein will auch wieder im Deponie-Beirat mitreden

In jedem Falle wolle Schleswig-Holstein jetzt auch wieder Mitglied im Deponie-Beirat werden, betont Albrecht. Im Jahr 2013 hatte die Schweriner Landesregierung das Nachbarland und die Vertreter der Stadt Lübeck daraus ausgeladen. Angesichts der Gefährlichkeit der Deponie-Stoffe sei es schließlich verständlich, dass gerade in Lübeck erhebliche Ängste und Verunsicherungen gebe.

Als „VEB“ gegründet

Die heutige Deponie Ihlenberg wurde 1979 von der DDR als sogenannter „Volkseigener Betrieb“ VEB Deponie Schönberg gegründet. Sie nimmt seither nicht-gefährliche und gefährliche Abfälle der Deponieklassen DK 2 und DK 3 wie Stäube, Schlämme, Asphalt oder Reste aus dem Rückbau von Industrieanlagen oder Asbestsanierungen auf.

Der Geschäftsführer der IAG, der „Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft“, Norbert Jacobsen, hingegen warnt vor einer Schließung der Deponie. Die schadstoffhaltigen Abfälle würden in Haushalten und Industrie schließlich weiter anfallen, auch nach 2035 noch. Eine andere Deponie dieser Art gebe es aber in ganz Norddeutschland nicht. Wo also sollten die Abfälle dann fachgerecht und sicher gelagert werden? Die Deponie Ihlenberg sei mittlerweile eine der modernsten Europas, die Schadstoffmesswerte etwa im Sickerwasser so gut wie bei kaum einer anderen Deponie. Zugestehen musste Jacobsen, dass die Alt-Einlagerungen aus den Jahren vor 1988 nach unten nicht so abgedichtet worden seien, wie es heute Stand der Technik sei. Sollten jemals erhöhte Werte im Grundwasser gemessen werden, könne man aber mit einer Dichtwand gegenhalten.

Wolfram Hammer