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Norddeutschland Die Luft in den Häfen soll sauberer werden
Nachrichten Norddeutschland Die Luft in den Häfen soll sauberer werden
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16:50 21.03.2019
Der Lübecker Skandinavienkai von oben. Die meisten Reeder verzichten auf sauberen Landstrom. Quelle: Jan Dresing
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Berlin

Im Kieler Hafen etwa kostet Landstrom „aus der Steckdose“ derzeit je Kilowattstunde 18 Cent. Der an Bord von den Schiffsdieseln erzeugte Strom schlägt für die Reeder hingegen nur mit etwa zwölf Cent zu Buche. Solange sich an dieser Preisstruktur nichts zugunsten des Ökostroms ändert, werden auch in den Häfen weiterhin die Dieselgeneratoren laufen – mit allen negativen Konsequenzen für die Umwelt.

Die Kieler Landesregierung und der Gesamtverband Schleswig-Holsteinischer Häfen (GvSH) versuchen seit langer Zeit schon, die EEG-Umlage auf den Landstrom abzuschaffen oder zumindest zu senken. Der GvSH-Vorsitzende Sebastian Jürgens, zugleich Chef der Lübecker Hafen-Gesellschaft mbH, rief am Donnerstag in Berlin den Bund auf, „den Knoten endlich zu lösen“.

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Landstrom ist sauber, aber bei Reedern unpopulär

Auch die norddeutschen Häfen hätten die Chance, einen Beitrag zum Schutz des Klimas zu leisten. Doch solange bei Landstromanlagen aber neben den hohen Investitionskosten für jede Kilowattstunde auch noch die EEG-Umlage zu Buche schlage, kämen die Betreiber auf keinen grünen Zweig. „Landstrom ist populär, weil er die Luft nicht verpestet, aber kein Reeder will mehr dafür zahlen als für andere Energiequellen“, beschreibt Jürgens das Dilemma.

Die Kieler Landesregierung hat das Thema ganz oben auf der Agenda und ist mit dem zuständigen Berliner Wirtschaftsministerium im Gespräch. Der schleswig-holsteinische Verkehrs- und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht inzwischen so etwas wie Licht am Ende des Verhandlungstunnels. Da Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) offenbar keiner vollständigen Befreiung von der EEG-Umlage für Landstrom zustimmen würde – was zudem von Brüssel geprüft und genehmigt werden müsste – könnte die Lösung darin bestehen, den Ökostrom in Häfen genauso, also geringer, zu besteuern wie den Strom für die Bahn, hofft Buchholz.

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Keine Infrastruktur für Flüssiggas (LNG)

Ein weiteres „energiegeladenes Thema“, das die Häfen im Norden umtreibt, ist der Schiffstreibstoff LNG. Neudeutsch: Liquified Natural Gas (Flüssiggas). Mit LNG angetriebene Schiffe stoßen weit weniger Feinstaub, Kohlendioxid sowie Stickoxide aus als solche, die mit herkömmlichen Dieselmotoren fahren. Der Haken an der Sache ist, dass es für Flüssiggas im Norden noch keine entsprechende Infrastruktur gibt.

Schiffe, die bereits heute mit dem umweltfreundlicheren LNG verkehren, werden derzeit per Lkw betankt, die das flüssige Gas etwa aus Rotterdam anliefern. Der GvSH favorisiert den Standort Brunsbüttel für ein LNG-Import- und Verteilungs-Terminal im Norden. Von dem geplanten Terminal an der Elbmündung könnten dann die Häfen in der Region Elbe, der Hamburger sowie die Häfen in Kiel und Lübeck per Schiff mit LNG versorgt werden.

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Brunsbüttel liegt vorne

In Brunsbüttel sind die Planungen am weitesten fortgeschritten. Ende dieses Jahres wollen die Investoren in Brunsbüttel entscheiden, ob das rund 500 Millionen Euro teure Terminal gebaut wird, sagte Frank Schnabel, Geschäftsführer des Brunsbüttel Ports, den LN. Buchholz stellte eine Förderung des Vorhabens von „bis zu 50 Millionen Euro“ aus dem Bundestopf in Aussicht.

Allerdings regt sich in Gliederungen des grünen Koalitionspartners Widerstand gegen Flüssiggas, das auch ein fossiler Energieträger ist. Keinesfalls dürfe „schmutziges“ US-amerikanisches Frackinggas importiert werden, heißt es. Die Lübecker Hafengesellschaft „prüft“ derzeit, ob und wie Flüssiggas vom geplanten Brunsbütteler Terminal bezogen werden könne, erklärte derweil Hafen-Chef Jürgens.

Reinhard Zweigler

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