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Norddeutschland Panik auf der Titanic
Nachrichten Norddeutschland Panik auf der Titanic
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15:19 22.11.2018
Wolfram Hammer kommentiert die Aufregung in der Nord-SPD (hier beim Nord-Parteitag zur Europawahl Anfang November 2018). Quelle: Markus Scholz/dpa
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Kiel

Jetzt droht es die Nord-SPD endgültig zu zerreißen. Weil der Bundesvorstand ihren Spitzenkandidaten zur Europawahl auf der Bundesliste auf den aussichtslosen Platz 32 abschob, die ihm im Norden unterlegene Bundes-Juso-Vizechefin aus Stormarn aber auf Platz 5 hievte, wenden sich selbst altgediente Genossen öffentlich von der Partei ab. Sie würden sie jetzt nicht mehr wählen. Es gibt Rücktritte aus dem Landesvorstand und Rücktrittsforderungen an Landeschef Ralf Stegner, der die Bundesvorstandsentscheidung allenfalls halbherzig kritisierte, aber sonst nichts unternahm.

Zu Recht. Dass Stegner offenbar nicht erkannt hat, dass das Übergehen des Basis-Votums für die schwer darniederliegende und um einen neuen Aufbruch ringende Partei gerade jetzt eine Katastrophe ist, zeigt, wie sehr er und seine Bundesvorstandskollegen den Bezug zu ihren Mitgliedern verloren haben. Wer sich aber so sehr von der Wirklichkeit abkapselt, hat in der Politik nichts mehr zu suchen.

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Das Ansehen der SPD bei den Wählern wird durch all das weiter Schaden nehmen. Denn ganz generell wirkt es doch grotesk, wenn sich Sozialdemokraten, anstatt über Sorgen der Bürger zu reden, noch lieber um Plätze auf einer Wahlliste balgen – gerade so, als hätten sich die Musiker auf der Titanic kurz vor dem Sinken noch darüber gestritten, wer jetzt in Reihe 5 oder 32 Geige spielen darf.

Wolfram Hammer

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