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Norddeutschland Die ersten Millionen für den Kanal
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20:10 26.04.2018
Bislang können nur kleinere Frachtschiffe den Kanal nutzen. Das würde sich nach dem Ausbau ändern.
Bislang können nur kleinere Frachtschiffe den Kanal nutzen. Das würde sich nach dem Ausbau ändern. Quelle: Foto: Lutz Roessler
Lübeck

Eine „NoKo“, eine norddeutsche Kooperation, habe es geschafft, das Projekt zum Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals im Bundesverkehrswegeplan zu verankern, freute sich der Kieler Staatssekretär und Bevollmächtigte des Landes beim Bund, Ingbert Liebing (CDU). Mit der gewaltigen Summe von 838 Millionen Euro wurden zugleich die Mittel für die Erweiterung der Wasserstraße festgezurrt. Vertreter der Industrie- und Handelskammern (IHK) zu Lübeck, Braunschweig-Wolfsburg, der Häfen Lübeck und Hamburg sowie viele Landes- und Bundespolitiker aus dem Norden hätten ordentlich Lobbyarbeit für ein Projekt gemacht, das bis dahin nicht unbedingt im Fokus der Berliner Verkehrspolitik gestanden habe.

Einer der Vorantreiber des Kanalausbaus, der frühere CDU-Haushaltspolitiker und heutige maritime Koordinator der Bundesregierung, Norbert Brackmann (CDU), erinnerte jetzt auf einem Parlamentarischen Abend daran, dass es Mut erfordert habe, sich für diesen Kanal einzusetzen. Die Alternative zum Ausbau wäre der Rückbau zu einem bescheidenen Kanal für Wassersportler und Touristen gewesen. Doch genau dies habe das Zweckbündnis nicht gewollt. Lars Schöning, Geschäftsführer der IHK zu Lübeck, verwies darauf, dass der Lübecker Hafen dringend eine leistungsfähigere Hinterlandanbindung brauche.

Ein Bündnis von 60 Unternehmen aus der Region trete seit langem für den Kanalausbau ein. Ein ertüchtigter Kanal ist seiner Ansicht nach „ein wichtiger Mosaikstein“ zur besseren Anbindung Lübecks an die Elbe sowie an das übrige deutsche Kanalnetz. Damit könne die Rolle der Hansestadt als Drehscheibe für Waren aus dem Ostseeraum gestärkt werden.

Derzeit ist das Transportaufkommen auf der betagten, rund 62 Kilometer langen Wasserstraße zwischen Lauenburg und Lübeck mit rund 600 000 Tonnen allerdings überschaubar. Vor allem Öl sowie feste Brennstoffe würden darüber verschifft.

„Doch die Transporte stagnieren“, sagte Torsten Tesch vom Hanseatic Transport Consultancy (HTC), der in einer Studie das Potenzial des Elbe-Lübeck-Kanals untersucht hatte. Für größere Binnenschiffe – über 110 Meter lang und mit über 2000 Tonnen Ladung – sei der Kanal aus Kaisers Zeiten mit seiner relativ geringen Tiefe, den nur etwas mehr als 80 Meter langen Schleusen sowie den relativ niedrigen Brücken nicht befahrbar. Bei einem grundlegenden Ausbau könnten sich die Transporte auf dem Kanal jedoch auf zwei bis drei Millionen Tonnen pro Jahr verdrei- bis verfünffachen. Vor allem für Land- und Forstprodukte, für Düngemittel oder Fahrzeuge biete der Wasserweg enormes Potenzial.

Bislang waren bei Wasserbaumaßnahmen jedoch häufig die begrenzten Planungskapazitäten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) das Nadelöhr. Die Staatssekretärin im Berliner Finanzministerium, Bettina Hagedorn (SPD) – auch eine Streiterin für den Ausbau –, verwies jedoch darauf, dass die Politik inzwischen die Voraussetzungen für eine zügige Planung geschaffen habe. In diesem Jahren steht die erste Tranche von zehn Millionen Euro für die umfangreichen Planungs- und Vorbereitungsmaßnahmen bereit.

„Es geht endlich los“, freute sich IHK-Mann Schöning. Mit den Kritikern des Kanalprojekts, etwa bei den Grünen und Umweltverbänden, müsse man reden.

Von Reinhard Zweigler

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