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Norddeutschland Die europäische Auster kehrt zurück
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11:08 31.12.2018
Mit Zitronenscheiben angerichtete Austern: Normalerweise kann eine Auster bis zu 40 Jahre alt werden. Die großen Exemplare produzieren jedes Jahr knapp eine Million Larven. Quelle: Caroline Blumberg/dpa
Helgoland

Die Austernbänke in der Nordsee schienen früher unerschöpflich. Schon im Mittelalter holten Muschelfischer die leckeren Schalentiere massenhaft aus dem Meer, wie es etwa in einer Urkunde aus dem Jahr 1241 vermerkt ist. Im Jahr 1870 waren es laut Nabu rund fünf Millionen Austern. Doch Überfischung führte vor hundert Jahren zum Zusammenbruch der Bestände, weiß Muschelexperte Rainer Borcherding. Als dann im Eiswinter 1929 die letzten Austern im Wattenmeer erfroren, war es vorbei: «Die Wiederbesiedlung blieb aus, weil die riesigen Austernbestände in der tieferen Nordsee zwischen Helgoland und Doggerbank abgefischt waren», erzählt der Biologe. Damals überlebte die Europäische Auster (Ostrea edulis) nur an den Felsküsten Westeuropas und Südnorwegens sowie im dänischen Limfjord.

Kalifornische Austernkrankheit eingeschleppt

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Beim Versuch, andere Austernarten heimisch zu machen, wurde um 1978 die kalifornische Austernkrankheit Bonamia nach Europa eingeschleppt. «Und brachte für die Restbestände der heimischen Auster den Zusammenbruch um weitere 90 Prozent», berichtet Borcherding.

Normalerweise kann eine Auster bis zu 40 Jahre alt werden. Die großen Exemplare produzieren jedes Jahr knapp eine Million Larven. «Diese schwimmen etwa zehn Tage im Meer umher und siedeln sich auf Kalk, am liebsten auf den Schalen anderer Austern, an. Die Larve gibt einen winzigen Zementklecks auf die Unterlage, lässt sich mit der linken Schale hineinfallen und bleibt für den Rest ihres Lebens an diesem Ort.» Fehlen jedoch die großen Austern, kann es nicht ausreichend Nachwuchs geben, erläutert das Bundesamt für Naturschutz BfN.

Erste Auswilderungen in Offshore-Windparks

Jetzt soll die einheimische Europäische Auster wieder in der Nordsee angesiedelt werden. Dafür wird auf Helgoland seit 2017 eine nicht mit Bonamia infizierte Austernzucht aufgebaut. In den kommenden Jahren sollen die ersten Auswilderungen in Offshore-Windparks der deutschen Nordsee erfolgen, sagt Borcherding. «Dort sind die Austern vor Grundschleppnetzen geschützt und können hoffentlich neue Bänke bilden.»

Auch in den Niederlanden wird die Europäische Auster wieder angesiedelt. Dort jedoch mit aus Norwegen gekauften erwachsenen Austern, weiß Christof Goetze von der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer. «Wenn die Wiederansiedlung klappt, werden wir vielleicht in zehn Jahren die Europäische Auster wieder im Wattenmeer antreffen können – mehr als hundert Jahre nach ihrem Verschwinden durch Überfischung

Von RND/dpa

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