Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Die jüngste Kapitänin Deutschlands
Nachrichten Norddeutschland Die jüngste Kapitänin Deutschlands
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:10 24.03.2018
Die Priwallfähren sind das Revier der 30-jährigen Dorothee Gaedeke.
Die Priwallfähren sind das Revier der 30-jährigen Dorothee Gaedeke. Quelle: Foto: Rüdiger Jacob
Travemünde

„Es ist schön, etwas aufzubrechen und Raum für weitere Frauen in der Seeschifffahrt zu schaffen“, sagt die Diplom-Ingenieurin, die als eine der ganz wenigen Frauen in Deutschland das große Kapitänspatent besitzt und dank einer besonderen Ausbildung lotsenbefreit ist. „Für mich war es damals die richtige Entscheidung, zur See zu fahren. Aber es war nicht immer eine einfache Zeit“, sagt Gaedeke.

Drei Millionen Passagiere

Die Fähren befördern mehr als drei Millionen Gäste pro Jahr und mehr als eine Million Fahrzeuge. In der Hauptsaison (Juni bis August) werden pro Monat etwa 400000 Fahrgäste an andere Traveufer gebracht.

Die Norderfähre befördert von April bis Ende Oktober etwa 200000 Fußgänger und Radfahrer.

Auf einem der ersten Törns musste die 30-Jährige als einzige Frau auf einem Schiff den männlichen Kollegen erstmal klar machen, dass sich selbstverständlich auch Frauen für einen Seefahrtsberuf begeistern können – und in die Männerdomäne eintauchen. Aber die Fahrenszeit als Offizierin und Kapitänin habe sie „sehr genossen.“ Es habe immer eine klare Hierarchie gegeben, sagt Gaedeke. „Für Befindlichkeiten ist kein Platz an Bord. Da wird gearbeitet, und jeder macht seinen Job.“ Nur wenn alle Glieder in der Kette greifen, funktioniere es auf einem Schiff. „Klar gab es auch mal dumme Sprüche, aber nicht mehr als an Land“, macht Gaedeke Frauen Mut, zur See zu fahren.

Die Seefahrt ist der gebürtigen Travemünderin sozusagen schon in die Wiege gelegt. „Als Kind hat mich mein Vater ganz oft in den Schlaf gesegelt“, erinnert sich die Kapitänin, für die schon frühzeitig feststand, ihr Leben auf dem Wasser zu verbringen. Dass sie jetzt, obwohl sie das große Kapitänspatent besitzt, wieder an Land zurückgekommen ist, hat ausschließlich persönliche Gründe.

Und es gibt eine Bedingung, unter der die Frau einen Landjob angenommen hat: Sie und ihr Partner haben sich ein Segelboot gekauft. „Denn ich muss weiter auf dem Wasser sein. Egal, ob beruflich oder privat.“

Seit Dezember 2016 besitzt sie das große Kapitänspatent, was sie zum Fahren aller Schiffe dieser Welt berechtigt. Gefahren, so heißt es im maritimen Fachjargon, hat Gaedeke ein Küstenmotorschiff, die „Ilka“. Auf ihm ging es in der Ost- und Nordsee entlang der Küsten. Die Zeit, als die junge Kapitänin noch jeweils drei Monate auf See und danach sechs Wochen Landgang hatte, ist jetzt vorbei.

Langweilig wird es ihr dennoch nicht: Seit Mitte Februar ist Dorothee Gaedeke Leiterin des Fährbetriebes des Lübecker Stadtverkehrs.

„Das ist eine reizvolle Herausforderung“, sagt die Kapitänin. „Es sind viele Jobs in einem“, ergänzt sie und verweist auf die Betreuung einer Priwallfähre, die gerade in der Böbs-Werft ausgedockt war. In ihrem kleinen Büro im Fährhaus des Stadtverkehrs muss Gaedeke sich unter anderem um Aufträge, Abwicklung und Personal kümmern. „Es ist eine große Verantwortung, wie auf einem Schiff.“

Dorothee Gaedecke ist Chefin über ein Team von 33 Mitarbeitern, darunter eine Fährführerin und eine Fährgehilfin. Ansonsten besteht das Team aus Männern – Fährführer, Kassierer, Techniker. Gaedeke ist verantwortlich für drei Autofähren – die „Travemünde“, die „Pötenitz“ und die Ersatzfähre „Berlin“. Daneben stehen die beiden Fußgänger- und Radfahrer-Fähren (Norderfähre „Priwall VI“ und als Ersatz die alte „Priwall IV“), die in der Sommersaison zwischen Nordermole und Priwall verkehren, unter der Obhut der neuen Leiterin.

Kochen kann Dorothee Gaedecke auch. „Gerne etwas mit frischem Fisch aus Travemünde oder auch mal brasilianisch. Aber am liebsten lasse ich mich von meinem Partner bekochen.“ Und was ist das Hobby der Kapitänin? Segeln – was sonst?

Rüdiger Jacob