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Nachrichten Norddeutschland Diese Lübecker Firma bohrt 7000 Löcher im Jahr
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10:00 20.01.2020
Peter Borgwardt (l.) übergibt die Geschäfte bei KBT sukzessive an seinen Schwiegersohn Tim Knodel und Tochter Alena. Quelle: 54° / John Garve
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Lübeck

Der heute 65-Jährige war damals in der Heizungsbranche tätig. Und er wunderte sich, dass für benötigte Kernbohrungen immer Firmen aus Hamburg extra nach Lübeck kommen mussten. 16 solcher Unternehmen gab es an der Alster, keines an der Trave. „Da dachte ich mir: dafür muss es doch auch hier einen Markt geben“, erinnert sich Borgwardt. 1986 gründete er gemeinsam mit seinem Unternehmenspartner Michael Wolf Kern-Bohr-Technik Lübeck.

Tochter und Schwiegersohn übernehmen

Und weil Kernbohrungen, Fugenschneiden, Wandsägen, Seilsägen, Abbruch- und Rückbauarbeiten heute noch genauso gefragt sind wie damals, übernimmt nun die neue Generation bei KBT das Ruder – und macht die Firma ganz nebenbei noch zu einem Familienunternehmen. Borgwardts Schwiegersohn Tim Knodel (30) kaufte die Firmenanteile von Wolf ab, Tochter Alena (29) wird seine 50 Prozent vermutlich 2021 übernehmen. „Das ist für mich ein absoluter Glücksfall“, freut sicht der Seniorchef. Hintergrund: In Schleswig-Holstein suchen 7000 Firmen in den nächsten Jahren einen neuen Chef. Unternehmensnachfolge ist eines der zentralen Themen in der regionalen Wirtschaft.

So sieht es in Schlutup bei der Firma Kern-Bohr-Technik aus.

Fest in Familienhand

Dass Alena Borgwardt, die aktuell bei KBT noch als Prokuristin arbeitet, einmal das Familiengeschäft übernehmen würde, stand dabei eigentlich nie richtig zur Debatte. „Ich habe BWL studiert und in einem globalen Unternehmen gearbeitet. Ohne meinen Mann wäre es wahrscheinlich nie soweit gekommen“, sagt die 29-Jährige. Mit Tim Knodel ist sie seit zehn Jahren liiert, seit anderthalb Jahren verheiratet. „Ich bin handwerklich nicht ungeschickt, habe schon neben der Schule und dem Studium immer auf dem Bau Geld dazu verdient“, erzählt der 30-Jährige. Seit acht Jahren arbeitet er auch fest bei KBT, irgendwann reifte die Überlegung, das Unternehmen in der Familie zu halten.

Riesige Löcher

Das Hauptgeschäft von KBT sind Bohrungen für Versorgungsleitungen. Rund 7000 Löcher bohren die Schlutuper im Jahr. Durchmesser: Zwischen 50 Millimeter und 1,20 Meter. Das Besondere: Während beim Heimwerken beim Löcherbohren nur Pulver und Staub übrig bleiben, bleibt beim Kernbohren – so sagt es auch der Name – ein Kern übrig. Ein ganzer Container voll von ihnen steht hinter der Firmenhalle am Palinger Weg.

Existenzgründerpreis: So bewerben Sie sich

Sie können sich jetzt bewerben: Die Bewerbungsfrist für den Existenzgründerpreis der Lübecker Wirtschaft 2020 läuft. Den Preis schreiben die LN gemeinsam mit der Kaufmannschaft zu Lübeck , der IHK zu Lübeck und dem Technikzentrum Lübeck aus. Der Wettbewerb richtet sich an Unternehmer, die ihren Betrieb nach dem 1. Januar 2016 in Lübeck, in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn, Segeberg, Ostholstein oder Nordwestmecklenburg gegründet haben. Der mit 5000 Euro dotierte Existenzgründerpreis soll innovative Unternehmen aus der Region in der Startphase unterstützen, hinzu kommt ein Mediapaket der Lübecker Nachrichten im Wert von 2000 Euro. Zudem wird ein Innovations- und Mutpreis vergeben, der mit 3000 Euro dotiert ist und ebenfalls durch ein LN-Mediapaket im Wert von 2000 Euro ergänzt wird. Dieser Preis wird, nach Vorarbeit durch die Jury, durch das Publikum vergeben. Die feierliche Verleihung findet am 3. Juni in den Media Docks statt. Unterlagen und Infos zum Bewerbungsablauf finden Sie im Internet unter www.LN-Existenzgruenderpreis.de

Kennen Sie einen Existenzgründer, der eine preisverdächtige Idee verwirklicht, aber selbst keine Bewerbung abgibt? Dann schlagen Sie uns diese Firma vor! Wir wenden uns dann an die Unternehmerin oder den Unternehmer. Wenden Sie sich einfach per E-Mail an existenzgruenderpreis@LN-Luebeck.de

Ein Kern verbrannter Milch

Und wo diese Kerne so überall herkommen können, das ist schon ungewöhnlich: von einer Flughafenpiste, wo Sondierungsbohrungen unternommen wurden, vom Dach des Maritim, wo Peter Borgwardt extra mit dem Hubschrauber hoch geflogen wurde – oder auch von einem brennenden Silo. Das war der vielleicht spektakulärste Einsatz von KBT . „Damals hat uns die Feuerwehr angerufen, ein Silo brannte und sie brauchten ein Loch im Silo zum Löschen“, erinnert sich Peter Borgwardt. Getoppt wurde der Einsatz nur von dem bei einem Milchverarbeiter. „Dort war Milch angebrannt – und wir mussten tatsächlich einen Kern verbrannte Milch rausziehen“, erzählt der 65-Jährige.

Handwerkergesellen gesucht

Kein Tag sei tatsächlich wie der andere, betont Tim Knodel: „Es gibt wenig Routine.“ Auch deswegen wollen er und seine Frau „das Rad jetzt nicht neu erfinden. Das wäre ein Fehler. Wir haben an einigen Stellschrauben gedreht, einige Prozesse optimiert“, sagt Knodel. Auf jeden Fall wollen sie sich in Zukunft vergrößern. KBT sucht zum einen Handwerkergesellen. Die Fachrichtung ist egal. Unter den aktuell sieben Mitarbeitern seien Tischer, Fliesenleger und Schlosser. Und mittelfristig soll auch ein neuer Unternehmensstandort her. „Wir wollen gerne bauen“, sagt Alena Borgwardt. Wahrscheinlich wird sich KBT dann auch etwas näher in Richtung Hamburg orientieren. Denn dort holt die Firma inzwischen viele Aufträge an Land. Nach 34 Jahren haben sich die Kräfteverhältnisse in der Branche gedreht. Ein bisschen zumindest.

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Von Jan Wulf

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