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Norddeutschland Digitalfunk versagte: Zwei Lübecker Polizisten verletzt
Nachrichten Norddeutschland Digitalfunk versagte: Zwei Lübecker Polizisten verletzt
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13:26 23.01.2014
Lübeck/Kiel

Der seit Ende 2013 laufende Probebetrieb des Digitalfunks macht der Polizei in Schleswig-Holstein noch zu schaffen. „Stand heute sind weder ich noch die Landespolizei mit der derzeitigen Situation zufrieden“, sagte Innenminister Andreas Breitner (SPD) am Mittwoch im Kieler Landtag.

Insgesamt sei die Einführung aber auf einem gutem Weg. „Trotz aller Probleme im Probebetrieb halten alle Experten an ihrer Einschätzung fest, dass schon heute die Vorteile des Digitalfunks im Vergleich zum Analogfunk bei weitem überwiegen“, sagte Breitner. Beispielsweise gebe es weniger Funklöcher. So habe sich die neue Technik Ende 2013 bei den Einsätzen während der Sturmtiefs „Xaver“ und „Christian“ bewährt.

Auch im finanziellen Bereich laufe die Umstellung nach Plan. Von einem Millionengrab könne deshalb keine Rede sein. Mit Ausnahme einer noch fehlenden Basisstation in List auf Sylt steht das Netz nach Breitners Angaben bereits heute landesweit. Die 159. Station List soll gegen Ostern in Betrieb gehen. „Wir testen auf Teufel komm' raus, ob alles funktioniert. Wir testen auch im letzten Winkel des Landes“, sagte Breitner.

Experten arbeiteten an der Lösung der Probleme. Neben bereits bestehenden Stationen seien voraussichtlich 10 bis 15 weitere Basisstationen nötig, sagte Breitner. Verbesserungen beim digitalen Funken während Einsätzen von Polizisten in Objekten soll ein noch im ersten Halbjahr geplantes Update für alle Geräte bringen. „Die Behauptung, der Einsatz des Digitalfunksystems würde die Bevölkerung in Schleswig-Holstein und die eingesetzten Polizeibeamten gefährden, ist daher gefährlicher Unsinn“, sagte Breitner.

Polizisten in Lübeck verletzt

FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki forderte ein schnelles Beheben der Probleme. „Nach sieben Jahren und rund 70 Millionen Euro haben wir in Schleswig-Holstein einen operativen Probebetrieb, der einige Regionalleitstellen und deren Beamte schier verzweifeln lässt“, sagte Kubicki.

Als Beispiel führte er die bestehenden Probleme der Technik bei Einsätzen in Gebäuden an. „So geschehen im Oktober letzten Jahres in Lübeck, als zwei Polizeibeamte im Einsatz verletzt wurden, weil sie bei der Verfolgung eines verdächtigen Gewalttäters vergeblich um Hilfe gefunkt haben. Ihr Ruf hat nicht die Leitstelle, sondern einen Streifenwagen auf Fehmarn erreicht.“

Bisher sind dem Land durch den Aufbau des Digitalfunknetzes Kosten in Höhe von 70 Millionen Euro entstanden, weitere 16 Millionen Euro sollen bis Jahresende dazukommen. Ganoven können den Polizeifunk nicht mehr abhören. Zudem können die Polizeizentralen in Einsatzfällen per GPS den Standort ihrer Streifenwagen feststellen und Fahrzeuge, die sich am nächsten am Einsatzort befinden, losschicken können. Der analoge Funkbetrieb soll Ende 2016 bundesweit abgeschaltet werden.